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Erste Fahrradstraße Baden-Badens in Lichtentaler Allee

Baden-Baden soll Fahrradstadt werden - OB Margret Mergen: "Ja unbedingt" - "Habe dieses in Karlsruhe mit entwickeln dürfen"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit OB Margret Mergen

Baden-Baden, 14.04.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Ordentliche 58 Jahre dauerte der Bewusstseinsprozess in Baden-Baden bis die gesetzliche Grundlage der Straßenverkehrsordnung aus dem Jahr 1960 in die Pedale gekommen ist. Die Eröffnung der Fahrradstraße gestern in der Lichtentaler Allee könnte auch der Startschuß werden für eine neue verkehrspolitische Richtung. Oberbürgermeisterin Margret Mergen jedenfalls sieht im goodnews4-VIDEO-Interview eine große Zukunft für Baden-Baden als Fahrradstadt.

«Ja, unbedingt. Ich kenne das Thema Radfahren aus meiner Jugend aus Münster, die fahrradfreundlichste Stadt, und habe dieses in Karlsruhe mit entwickeln dürfen, das ist jetzt die zweitfahrradfreundlichste Stadt», weist sich die Oberbürgermeisterin als kenntnisreiche Expertin für ein mögliches Modell einer Fahrradstadt aus. «Ich würde mich freuen, wenn wir dies auch hier in Baden-Baden noch ausweiten können, denn es entlastet tatsächlich die dann noch verbleibenden Straßen vom Autoverkehr und es baucht deutlich weniger Parkplatz und das ist ein großes Problem in allen Stadtteilen.»

In der ersten Fahrradstraße nach §67 Straßenverkehrsordnung* soll es aber liberal zugehen in der Lichtentaler Allee: «Wir wollen die Autofahrer nicht ganz verbieten und eine Möglichkeit ist, die Prioritäten zu ändern, indem wir ein Stück Straße zu einer Fahrradstraße deklarieren, denn dort dürfen die Radfahrer tatsächlich nebeneinander herfahren und es gilt nicht, wie sonst auf Straßen, das Rechtsfahrgebot.»


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Margret Mergen:

goodnews4:Jetzt kommt erstmal ein längerer Gesetzes-Text, Frau Oberbürgermeisterin, aus dem §67 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung: «Die Behörde kann, wenn es der Sicherheit, Leichtigkeit oder Flüssigkeit des Verkehrs, insbesondere des Fahrradverkehrs, oder der Entflechtung des Verkehrs dient oder aufgrund der Lage, Widmung oder Beschaffenheit eines Gebäudes oder Gebietes im öffentlichen Interesse gelegen ist, durch Verordnung Straßen oder Straßenabschnitte dauernd oder zeitweilig zu Fahrradstraßen erklären.» Soweit das Zitat aus der StVO. Was war denn der Grund für die Einrichtung der Fahrradstraße hier in der Lichtentaler Allee?

Margret Mergen: Wir wissen auch von Gemeinderäten, dass sie sagen, dieser Teil der Lichtentaler Allee sollte eigentlich eher für Fußgänger und Radfahrer vorbehalten sein und nicht so sehr für die Autofahrer. Jetzt wollen wir die Autofahrer nicht ganz verbieten und eine Möglichkeit ist, die Prioritäten zu ändern, indem wir ein Stück Straße zu einer Fahrradstraße deklarieren, denn dort dürfen die Radfahrer tatsächlich nebeneinander herfahren und es gilt nicht, wie sonst auf Straßen, das Rechtsfahrgebot. Das heißt, wenn jetzt eine Familie mit drei, vier Fahrrädern hier nebeneinander herfährt, kann der Autofahrer hinterherfahren, aber er darf nicht hupen und nicht darauf bestehen, dass er jetzt nun das Recht der Straße hat. Wir glauben schon, dass das in den nächsten Tagen und Wochen mit der schönen frühlingshaften Jahreszeit gut in Anspruch genommen wird und wenn dann die Autofahrer merken, dass es ja ein bisschen länger braucht hinter den Radfahrern herzufahren, wählen sie vielleicht doch einen anderen Weg. Und dann haben wir den gewünschten Effekt: Die Lichtentaler Allee gehört den Fußgängern und den Radfahrern.

goodnews4: «Die Lenker von Fahrzeugen dürfen in Fahrradstraßen nicht schneller als 30 km/h fahren. Radfahrer dürfen weder gefährdet noch behindert werden», heißt es in dem Gesetz von 1960 − dass man die Radfahrer nicht gefährden darf, gilt ja eigentlich auch auf allen Straßen, vermute ich. Zu welchem Verhalten raten Sie den Autofahrern, die ab sofort auf der ersten Baden-Badener Fahrradstraße ihr Auto bewegen?

Margret Mergen: Ich hoffe, dass die Autofahrer verständnisvoll reagieren und sagen: Gut, in diesem Teil der Stadt haben die Radfahrer nun mal das Sagen und dass sie darauf rücksichtsvoll und freundlich reagieren und sich vielleicht überlegen, das ist so ein schöner Abschnitt, ich steige auch um auf das Fahrrad.

goodnews4:Zur Einrichtung der Fahrradstraße ist keine große Investition mit dem Geld der Steuerzahler nötig. Nur das Verkehrszeichen, in der StVO mit der Nummer 244.1 gekennzeichnet, ist nötig. Was hat das Schild gekostet, wissen Sie das?

Margret Mergen: Nein, ein paar Euro. Und wir haben die Markierungen auf der Lichtentaler Allee beseitigen können, da waren bisher Schutzstreifen für Radfahrer, die konnten wir beseitigen und dadurch hat die Allee jetzt wieder das historische Bild.

goodnews4: Also die Kosten sind jedenfalls nicht so, dass man deshalb streiten müsste. Warum gibt es denn nicht schon längst Fahrradstraßen in Baden-Baden?

Margret Mergen: Man braucht dafür einfach ein bisschen Straßenraum und Platz und man kann es eigentlich nur guten Gewissens da machen, wo nicht zwingend Autos regulär fahren müssen. Durch die schmale Tallage hier im Oostal, haben wir nicht sehr viele Straßen, es drängelt sich auf wenigen Straßen − denken Sie an die Weststadt, Rheinstraße − wir brauchen diese Straßen für den Lieferverkehr, für die Kunden, die in die Läden gehen, für die Besuche bei Ärzten und ähnlichem und deswegen sind unsere Möglichkeiten tatsächlich sehr begrenzt, Fahrradstraßen einzurichten.

goodnews4: Freiburg hat sich zur Fahrradstadt erklärt, ist dies auch eine Option für unsere Bäder- und Gesundheitsstadt?

Margret Mergen: Ja, unbedingt. Ich kenne das Thema Radfahren aus meiner Jugend aus Münster, die fahrradfreundlichste Stadt, habe dieses in Karlsruhe mitentwickeln dürfen, das ist jetzt die zweitfahrradfreundlichste Stadt, und ich würde mich freuen, wenn wir dies auch hier in Baden-Baden noch ausweiten können, denn es entlastet tatsächlich die dann noch verbleibenden Straßen vom Autoverkehr und es baucht deutlich weniger Parkplatz und das ist ein großes Problem in allen Stadtteilen.

goodnews4: Wie oft sind Sie mit dem Fahrrad unterwegs?

Margret Mergen: In der schönen Jahreszeit häufiger, gerade für kleinere, innerstädtische Touren gerne, weil man schlicht am schnellsten ist. Und am Wochenende, gerade am letzten Sonntag haben wir eine Fahrradtour durch die Region gemacht mit rund 60 Kilometern und das hält dann auch ein bisschen fit und tut auch gut.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.


*Anm. d. Red.: Auf einer Fahrradstraße sind grundsätzlich nur Fahrräder erlaubt. Andere zugelassene Fahrzeuge − auch Inliner, Motorroller etc. − müssen per Zusatzschild erlaubt werden. In der Lichtentaler Allee vom Hirtenhäuschen Richtung Kloster Lichtenthal sind Pkw bis 2,8 Tonnen zugelassen, in der Gegenrichtung nur Fahrräder.

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