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Kaufvertrag für Grundstück unterzeichnet

Neue Baden-Badener Synagoge soll vor die Tore der Innenstadt - IRG-Vorsitzender Rami Suliman zur Anfechtung: "Für uns spielt das keine Rolle"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Rami Suliman

Baden-Baden, 21.12.2017, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch An dem tiefen Zerwürfnis innerhalb der jüdischen Gemeinde Baden-Baden dürfte sich kurzfristig kaum etwas ändern. Durch das Badische Tagblatt mussten Gemeindemitglieder gestern vom Planungsstand für ihre neue Synagoge in Baden-Baden erfahren. Mehrere Mitglieder der Jüdischen Gemeinde bestätigten gegenüber goodnews4.de diesen Sachverhalt.

Im goodnews4-VIDEO-Interview räumte Rami Suliman, Vorsitzender des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, IRG, ein, dass ein Standort für die neue Synagoge in der Innenstadt «viel, viel besser» wäre. Dies ist auch die Kritik vieler jüdischer Mitbürger an dem von dem IRG-Vorsitzenden geplanten Standort vor den Toren der Innenstadt in der Fürstenbergallee direkt am Autobahnzubringer. Dies sei kein angemessener und würdiger Standort für die Synagoge, heißt es seitens der Kritiker.

Die Baden-Badener Synagoge stand bis zur Pogromnacht am 10. November 1938 in der Stephanienstraße. Dieser Platz ist immer noch unbebaut und gehört den Eigentümern des Badischen Tagblatts. «Dieses Projekt» sei «sehr groß und sehr teuer», sieht Rami Suliman wenig Chancen, dass das inzwischen hochwertige Grundstück für die Widererrichtung einer Synagoge erschwinglich sein könnte. Nach goodnews4-Informationen sucht der «Aktionskreis Jüdische Synagoge Baden-Baden» dennoch das Gespräch mit den Gesellschaftern des Verlags, die Eigentümer des Geländes sind.

Im goodnews4-VIEO-Interview erklärt Rami Suliman, dass er «mit den Eigentümern persönlich nicht gesprochen», aber sich «trotzdem informiert» habe. «Dieses Projekt ist sehr groß und sehr teuer, es ist in der Stadtmitte und das Grundstück ist für Sozialwohnungen, was wir vorhaben, nicht geeignet.» Es sei «ein riesengroßes Projekt weit, weit über unsere finanziellen Verhältnisse, deswegen haben wir davon abgesehen». Es sei «natürlich faszinierend, auf dem gleichen Platz, wo die Synagoge war, nochmal zu bauen, aber wir müssen auch realistisch bleiben».

Zu den bereits eingeleiteten Rechtsauseinandersetzungen sagte Rami Suliman im goodnews4-VIDEO-Interview: «Es gibt eine Anfechtung von einem Vorstandsmitglied, dass die Vollversammlung hier in Baden-Baden, die mit über 90 Prozent für den Kauf dieses Grundstücks und Bau einer Synagoge gestimmt hat, dass diese Vollversammlung rechtswidrig ist. Für uns spielt das keine Rolle, weil wir, die IRG Baden, der Oberrat, das bauen, wir finanzieren das und wir tragen natürlich die ganzen Kosten. Normalerweise brauchen wir nicht die Genehmigung der Vollversammlung, aber trotzdem haben wir sie bekommen. Ob diese rechtswidrig einberufen wurde oder nicht − für uns war das nur informativ.»

Bild Inga Dönges Im Verlauf des goodnews4-VIDEO-Interviews geht Rami Suliman auch auf die Details der umstrittenen Standorts in der Fürstenbergallee am Autobahnzubringer ein. «Wir suchen schon mehrere Jahre lang hier einen geeigneten Bauplatz», beklagte sich Rami Suliman über eine fehlende Resonanz.

Nun ist auch die Stadt Baden-Baden gefordert, Flagge zu zeigen wie in anderen Städten auch. Wenn es seitens der Eigentümer des Grundstücks der alten, zerstörten Synagoge keine Signale gibt, muss es eine andere Lösung in der Innenstadt geben. Der Standort der neuen Synagoge am Autobahnzubringer wäre auch ein Signal, das von Baden-Baden ausginge. Und wohl kein gutes Signal in diesen Zeiten.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Rami Suliman:

goodnews4: Es gibt Neuigkeiten zur geplanten neuen Synagoge in Baden-Baden. Wird diese nun an der Fürstenbergallee gebaut?

Rami Suliman: Ja, nach langer Zeit und vielen Überlegungen wird sie hier in der Fürstenbergallee 18 gebaut werden.

goodnews4: Wie groß ist das Grundstück und was soll dort alles entstehen?

Rami Suliman: Das Grundstück ist circa 900 Quadratmeter und dort sind natürlich die Synagoge, ein Gemeindezentrum und auch circa 20 Sozialwohnungen geplant.

goodnews4: Wann soll die Neue Synagoge stehen?

Rami Suliman: Ich gehe davon aus in maximal drei Jahren wird die Synagoge mit Gemeindezentrum stehen und dann werden wir bestimmt eine große Einweihungsparty machen.

goodnews4: Was sind denn die weiteren Schritte bis dahin? Heute soll der Kaufvertrag für das Grundstück unterzeichnet werden?

Rami Suliman: Ja und danach gehen wir in die Planung, die detaillierte Planung, dann muss die Planung genehmigt werden und dann wird gebaut.

goodnews4: An vielen Projekten neuer Synagogen haben sich Bund, Land und auch die Gemeinden finanziell beteiligt. Mit wem haben Sie schon Gespräche geführt?

Rami Suliman: Wir haben dieses Jahr im Februar eine Synagoge in Rottweil fertiggestellt, wir werden jetzt hoffentlich Ende dieses Jahres in Konstanz auch eine Synagoge fertigstellen und wir hoffen, dass wir nächstes Jahr in Baden-Baden anfangen und in drei Jahren auch hier in Baden-Baden. Die letzte Gemeinde, die kein Gemeindezentrum hat, ist Baden-Baden, und damit werden alle zehn Gemeinden in Baden mit einem Gemeindezentrum ausgestattet. Bis 2010 hat das Land und die Kommunen uns geholfen mit dem Bau der Gemeindezentren und Synagogen, nach 2010 bauen wir aus eigener Kraft.

goodnews4: Mit welchen Kosten rechnen Sie denn?

Rami Suliman: Zwischen 4 und 4,7 Millionen Euro. Wir wissen es noch nicht genau.

goodnews4: Die Entscheidungsfindung innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde zum Kauf des Grundstücks soll auf einer rechtswidrigen Grundlage erfolgt sein. Eine Anfechtung soll laufen. Können Sie dazu etwas sagen?

Rami Suliman: Es gibt eine Anfechtung von einem Vorstandsmitglied, dass die Vollversammlung hier in Baden-Baden, die mit über 90 Prozent für den Kauf dieses Grundstücks und Bau einer Synagoge gestimmt hat, dass diese Vollversammlung rechtswidrig ist. Für uns spielt das keine Rolle, weil wir, die IRG Baden, der Oberrat, das baut, wir finanzieren das und wir tragen natürlich die ganzen Kosten. Normalerweise brauchen wir nicht die Genehmigung der Vollversammlung, aber trotzdem haben wir sie bekommen. Ob diese rechtswidrig berufen wurde oder nicht − für uns war das nur informativ.

goodnews4: War also der Grund für die Vollversammlung nur eine Information?

Rami Suliman: Ich weiß nicht, das hat der Vorstand gemacht. Die Vollversammlung ist ganz offiziell berufen worden und das war nur ein Punkt zum Kauf des Grundstücks ja oder nein und über 90 Prozent haben zugestimmt.

goodnews4: Gegenüber goodnews4.de hatten Sie davon gesprochen, dass Sie die Idee fasziniere, dass die neue Synagoge auf dem Platz der alten Synagoge gebaut werden könnte. Das Gelände, wo die alte Synagoge niedergebrannt wurde, wird derzeit als Parkplatz vom Badischen Tagblatt genutzt. Haben Sie mit den Eigentümern gesprochen, dieses Grundstück zurückzukaufen?

Rami Suliman: Ich habe mit den Eigentümern persönlich nicht gesprochen, aber ich habe mich trotzdem informiert. Dieses Projekt ist sehr groß und sehr teuer, es ist in der Stadtmitte und das Grundstück ist für Sozialwohnungen, was wir vorhaben, nicht geeignet. Das ist ein riesengroßes Projekt weit, weit über unsere finanziellen Verhältnisse, deswegen haben wir davon abgesehen. Es ist natürlich faszinierend, auf dem gleichen Platz, wo die Synagoge war, nochmal zu bauen, aber wir müssen auch realistisch bleiben.

goodnews4: Ist das nicht vielleicht das falsche Symbol, die neue Synagoge hier am Autobahnzubringer zu bauen? Wäre nicht ein prominenterer Platz in der Innenstadt zu bevorzugen gewesen?

Rami Suliman: Natürlich, die Innenstadt ist viel, viel besser, Mitte ist perfekt. Aber nochmal: Realistisch bleiben. Wir suchen schon mehrere Jahre lang hier einen geeigneten Bauplatz, bestehende Gebäude haben wir auch drei Stück gesehen, aber keines war geeignet für unsere Zwecke. Und ich bin der Meinung, wo die Synagoge ist, da ist das Zentrum.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de

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