Anzeige

Bemühungen um Standort für neue Synagoge in der Innenstadt

Weitere Absage für Baden-Badener Juden - Parkplatz-Eigentümer wollen Grundstück der alten Synagoge nicht verkaufen - Irritation wegen Aussagen von Stadtrat Hochstuhl

Weitere Absage für Baden-Badener Juden - Parkplatz-Eigentümer wollen Grundstück der alten Synagoge nicht verkaufen - Irritation wegen Aussagen von Stadtrat Hochstuhl
Das Grundstück, auf dem bis 1938 die alte Synagoge stand, wird als Parkplatz genutzt. Foto: goodnews4-Archiv

Baden-Baden, 15.02.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Das Badische Tagblatt habe dem «Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden» mitgeteilt, dass ein Verkauf des Grundstücks, auf dem die alte Synagoge stand, nicht in Frage komme. Über die Absage der Eigentümer informierte gestern die für jüdische und nichtjüdische Mitglieder offene Bürgerinitiative in einer Mitteilung an die Medien.

Das Grundstück, auf dem bis 1938 die alte Synagoge stand, wird von der Lokalzeitung als Parkplatz genutzt.∗ Auch die Stadt Baden-Baden hatte den Juden eine Absage für ein Grundstück in der Innenstadt erteilt. goodnews4.de berichtete. «Nach jahrelanger, vergeblicher Suche eines Grundstücks, hatte sich das zuständige jüdische Gremium, der Oberrat in Karlsruhe, entschlossen, ein Grundstück außerhalb der Innenstadt in der Fürstenbergalle am Autobahnzubringer zu erwerben, um dort die neue Synagoge zu bauen», erinnert der Aktionskreis an die Konsequenzen der verschiedenen Absagen, die sich schon lange abgezeichnet hatten. «So müssen nach derzeitigem Stand die Juden zumindest vorläufig ihren Traum aufgeben, auf dem alten Grundstück oder an einem anderen Platz in der Stadtmitte eine neue Synagoge zu errichten», heißt es in der Erklärung des «Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden». In einem Schreiben an die Stadt Baden-Baden hatte Ruben Schuster, einer der Initiatoren des Aktionskreises und Vorstand der Israelitichen Kultusgemeinde Baden-Baden, auf die negative Signalwirkung des Standortes der Synagoge außerhalb der Stadtmitte hingewiesen. goodnews4.de berichtete.

Die vorläufig letzte Hoffnung hatte Oberbürgermeisterin Margret Mergen den Juden genommen, als sie Ende Januar auf Anfrage von goodnews4.de die Absage und die dazugehörenden Begleitumstände durch ihren Sprecher mitteilen ließ: «Bei einem Termin mit Frau Mergen informierte die jüdische Gemeinde über den Wunsch eine Synagoge zu bauen und bat darum, bei der Grundstückssuche zu helfen bzw. ein stadteigenes Grundstück zur Verfügung zu stellen. Dieser Wunsch wurde verwaltungsintern geprüft. Ein geeignetes Grundstück konnte nicht gefunden werden, somit konnte die Stadt der Gemeinde nichts anbieten. Die Verwaltung empfahl der jüdischen Gemeinde, sich auf dem privaten Markt umzuschauen.» goodnews4.de berichtete.

Der «Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden» wolle mit der Erklärung von gestern «auf die in Deutschland ungewöhnliche Haltung der Baden-Badener Kommunalpolitiker aufmerksam machen». Irritiert seien jüdische Mitbürger über eine Aussage von SPD-Stadtrat Kurt Hochstuhl, der in den Medien wörtlich zitiert worden sei: «Es ist mir bekannt, dass dieser Wunsch einzelner jüdischer Mitbürger verwaltungsintern geprüft wurde.» goodnews4.de berichtete. Der Aktionskreis hoffe, «dass dem Stadtrat der einzelne jüdische Mitbürger genauso viel Wert» sei «wie eine mächtige Formation», heißt es in der Erklärung. Der Eindruck, den der SPD-Fraktionsvorsitzende «zu Gunsten des offiziellen Baden-Badens suggeriert», sei falsch. «Zweifellos hätte sich eine große Mehrheit der jüdischen Mitbürger gerne in der Mitte der Gesellschaft wiedergefunden, was sich durch eine Synagoge in der Mitte in Baden-Baden ausdrücken würde», heißt es weiter.

∗Am 15. März 1955 verkaufte die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden mit Sitz in Karlsruhe das Grundstück der 1938 zerstörten Synagoge an die Firma Ernst Kölblin Hofbuchdruckerei in Baden-Baden, Stefanienstraße 3. Die Israelitische Religionsgemeinschaft wurde durch Leopold Ransenberg vertreten, Zeitungsverleger Werner Hambruch vertrat die Firma Ernst Kölblin, Hofbuchdruckerei in Baden-Baden. Der Kaufpreis belief sich auf 50.000 Deutsche Mark, 20.000 Mark waren sofort zu entrichten, der Restkaufpreis von 30.000 DM sollte bis spätestens 1. März 1962 entrichtet sein. Das heute als Parkplatz für das Badische Tagblatt genutzte Grundstück ist im Kaufvertrag mit 12 a und 9 qm ausgewiesen.


Die Eklärung des «Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden» im Wortlaut:

Absage des Badischen Tagblatts für Synagogen-Grundstück − «Wir bitten Sie, dies zu respektieren!» − Aktionskreis: «Jüdische Mitbürger in die Mitte der Gesellschaft»

Nach der Absage der Stadtverwaltung für ein städtisches Grundstück zum Bau einer neuen Synagoge, teilte nun auch das Badische Tagblatt für die Grundstückseigentümer dem Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden mit, dass ein Verkauf des Grundstücks, auf dem die alte Synagoge stand, nicht in Frage kommt. Auf dem heute als Parkplatz genutzten Grundstück stand die Baden-Badener Synagoge bis zu seiner Vernichtung im November 1938. So müssen nach derzeitigen Stand die Juden zumindest vorläufig ihren Traum aufgeben, auf dem alten Grundstück oder an einem anderen Platz in der Stadtmitte eine neue Synagoge zu errichten.

Die Haltung der Baden-Badener Oberbürgermeisterin und des Baden-Badener Gemeinderates hat viele Juden in Baden-Baden und im Landkreis Rastatt traurig und betroffen gemacht. Die Entscheidungen der Stadtverwaltung Baden-Baden wurden durch die Medien am 5. Februar 2018 öffentlich. Die Stadtverwaltung hatte mitgeteilt, dass ein «geeignetes Grundstück nicht gefunden werden konnte» und «empfahl der jüdischen Gemeinde, sich auf dem privaten Markt umzuschauen». So wurde der Sprecher von Oberbürgermeisterin Margret Mergen zitiert.

Nach jahrelanger, vergeblicher Suche eines Grundstücks, hatte sich das zuständige jüdische Gremium, der Oberrat in Karlsruhe, entschlossen ein Grundstück außerhalb der Innenstadt in der Fürstenbergalle am Autobahnzubringer zu erwerben, um dort die neue Synagoge zu bauen. Nach unseren Kenntnissen ist Baden-Baden eine der ganz wenigen Städte in Deutschland, die bei der Suche eines Grundstücks für den Bau einer Synagoge nicht helfen konnte. Der Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden will mit dieser Erklärung auf die in Deutschland ungewöhnliche Haltung der Baden-Badener Kommunalpolitiker aufmerksam machen. Auch für die Geschichtsschreibung hält es der Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden angebracht, die Ursache und Wirkung der Vorgänge festzuhalten.

Vielleicht zufällig mit gleichem Datum, erreichten den Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden am 29. Januar zwei Schreiben. Eines von Alexander Uhlig, Erster Bürgermeister der Stadt Baden-Baden, der auf die politische und kulturelle Wirkung der Entscheidung der Stadtverwaltung aber leider nicht eingegangen ist. Er habe das Thema mit dem Vorsitzenden des Oberrats erörtert. Im weiteren Verlauf seines Schreibens beantwortet der Bürgermeister Fragen, die sich an die Eigentümer des Grundstücks der niedergebrannten Synagoge richteten, die aber auf ein Gesprächsangebot mit dem Aktionskreis Neue Synagoge nicht eingegangen sind. Die historischen und rechtlichen Gegebenheiten zum Grundstück der alten, zerstörten Synagoge sind bekannt.

Auch das Badische Tagblatt hatte sich am gleichen Tag wie Erster Bürgermeister Alexander Uhlig an den Aktionskreis Neue Jüdische Gemeinde gewandt und erklärt, dass das Grundstück, auf dem die alte Synagoge stand, vom Badischen Tagblatt nur angemietet sei. Der Geschäftsführer des Badischen Tagblatts gab dennoch eine mit einem Ausrufezeichen ausgestattete Nachricht der Eigentümer weiter: «Im Namen der Eigentümerfamilie darf ich Ihnen aber mitteilen, dass es derzeit und auch zukünftig keine Verkaufsabsichten für das Grundstück in der Stephanienstraße gibt. Wir bitten Sie, dies zu respektieren!»

Irritiert waren jüdische Mitbürger über eine Aussage von SPD-Stadtrat Kurt Hochstuhl, der in den Medien wörtlich zitiert wurde: «Es ist mir bekannt, dass dieser Wunsch einzelner jüdischer Mitbürger verwaltungsintern geprüft wurde.» Wir hoffen sehr, dass dem Stadtrat der einzelne jüdische Mitbürger genauso viel Wert ist wie eine mächtige Formation. Der Eindruck, den Herr Hochstuhl zu Gunsten des offiziellen Baden-Badens suggeriert, ist falsch. Zweifellos hätte sich eine große Mehrheit der jüdischen Mitbürger gerne in der Mitte der Gesellschaft wiedergefunden, was sich durch eine Synagoge in der Mitte in Baden-Baden ausdrücken würde.

In einigen Jahren werden voraussichtlich manche der verantwortlichen Bürgermeister und Gemeinderäte nicht mehr im Amt sein. Die Stadt Baden-Baden und seine nichtjüdischen und jüdischen Bürger werden aber mit den Entscheidungen lange leben müssen. Um der Geschichtsschreibung für die nächsten Jahrzehnte eine Grundlage zu geben, haben wir die Vorgänge, wie diese sich nach unseren Kenntnissen darstellen, hier und mit dem dieser Erklärung angefügten Dokumenten zusammengefasst. Weiterhin wird sich der Aktionskreis dafür einsetzen, dass die jüdischen Mitbürger auch in Baden-Baden in der Mitte der Gesellschaft ankommen können.


Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.


goodnews4-Logogoodnews4Baden-Baden Breaking News kostenlos abonnieren!

Jeden Tag sendet goodnews4.de die wichtigste Nachricht als News-E-Mail.
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!