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"Einen Notfallplan habe ich noch nicht" - Nora Waggershauser zu 100-Millionen-Euro-Verhandlungen - Land sieht "besondere Rolle" Baden-Badens

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goodnews4-VIDEO-Sommergespräch von Nadja Milke mit Nora Waggershauser

Baden-Baden, 12.08.2017, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Für das erste Halbjahr konnte Baden-Badens Tourismus-Chefin Nora Waggershauser mit einem Rekordzuwachs von 4,8 Prozent an Übernachtungsgästen reüssieren. goodnews4.de berichtete. Für 2017 insgesamt lässt dies eine stabile siebenstellige Quote erwarten.

Nora Waggershauser hofft im goodnews4-Sommergespräch, dass Baden-Baden die fragile Weltlage auch weiterhin unbeschadet übersteht. Zu den wichtigen, aber nicht immer stabilen Märkten gehören Russland und die arabischen Golfstaaten.

Aufmerksam blickt Nora Waggershauser auch auf die beginnenden Verhandlungen zwischen der Stadt Baden-Baden und der Landesregierung. Dabei geht es um die sogenannten BKV-Verträge, die noch bis 2020 gelten. Ob unsere Stadt weiterhin mit einer Zahlung von 100 Millionen Euro für die nächsten 10 Jahre zum Unterhalt der kurstädtischen Einrichtungen rechnen kann, ist keine ausgemachte Sache. Vor seinem Amtsantritt stellte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im goodnews4-VIDEO-Interview die Vertragsverlängerung in Frage. «Einen Notfallplan habe ich noch nicht», gesteht Nora Waggershauser ein und glaubt, «dass dem Land auch durchaus bewusst ist, dass Baden-Baden eine ganz besondere Rolle spielt». Spätestens seit NATO-Gipfel und G20-Meeting gibt es dafür auch einige Argument mehr für die Verhandlungsseite aus Baden-Baden.


Abschrift des goodnews4-Sommergesprächs mit Nora Waggershauser:

goodnews4: Im Sommer gibt es wie immer ein kleines Durchatmen. Einige Wochen vielleicht sogar Zeit, um über den Alltag hinauszuschauen. Das Wesentliche vom nicht so Bedeutenden zu trennen. Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn. Was beschäftigt Sie denn beim Blick zurück auf unsere Welt, auf Europa, auf Deutschland und unser kleines Baden-Baden?

Nora Waggershauser: Zurückblickend auf unsere Welt muss man sagen, wir leben in einer sehr unsicheren Zeit momentan. Es herrscht viel Unsicherheit, die Presse ist voll von Nachrichten über Krieg und Terror, es rückt auch alles ein bisschen näher an uns heran, also mittlerweile ist ja auch Deutschland betroffen und wir hier im kleinen beschaulichen Baden-Baden leben in Ruhe und Frieden und ich hoffe einfach, dass das auch so bleibt und dass diese unsichere Zeit sich auch langfristig ein bisschen stabilisieren kann.

goodnews4: Die zwei Stichworte, Brexit und Trump, stehen für unseren politischen Diskurs. In Europa. In der Welt insgesamt. Sie schauen durch Ihre berufliche Brille und hoffen natürlich nicht nur deshalb auf eine friedliche Welt. Sorgen Sie sich um eine gute Geschäftsgrundlage für den Tourismus?

Nora Waggershauser: Wenn wir die Auslandsmärkte betrachten, die für uns ja auch eine immense Bedeutung haben, gerade wo Sie jetzt den Brexit ansprechen, unsere Top-Auslandsmärkte sind ja auch Märkte wie die Schweiz, Russland oder die arabischen Golfstaaten, und all diese Gäste müssen auch, wenn sie zu uns reisen an der Grenze ihren Pass vorzeigen. Ich nehme jetzt einfach mal schwer an, dass wenn wir speziell die Briten ansprechen, das kein Grund sein wird, dass sie Deutschland nicht mehr besuchen werden, wenn es jetzt zu einem Passzeigen bei der Einreise kommen wird, und ich denke, dass wir da eigentlich schon hoffen, auch in einer momentan relativ unsicheren Zeit einen stabilen Tourismus hier gewährleisten zu können. Natürlich sorge ich mich ein Stück weit darum, bin aber eigentlich sehr positiv, dass wir das hier sehr gut meistern können in Baden-Baden und wir auch trotzdem viele Zahlen verzeichnen, zumindest ist es im ersten Halbjahr auch bisher der Fall, sodass wir da aktuell keinen Grund zur Sorge haben.

goodnews4: Die Bundestagswahl steht am 24. September an. Noch nie ging es Deutschland inmitten einer stürmischen Welt zumindest wirtschaftlich so gut. Ohne Koalition wird es auch nach der Wahl nicht gehen. Möglicherweise steht uns wieder eine große Koalition ins Haus. Haben Sie eine Wunschkoalition für nach der Bundestagswahl?

Nora Waggershauser: Eine Wunschkoalition habe ich nicht. Es ist für mich auch die Frage: Muss es unbedingt eine Koalition sein? Vielleicht können sich ja die Wähler oder wir alle durchringen, auch mal wieder verstärkt eine Partei zu wählen, weil ich denke, eine Koalition ist natürlich auch immer sehr, sehr kompromissgefordert und Kompromiss ist nicht immer die beste Lösung. Aber wir werden sehen.

goodnews4: Wir diskutieren über neue Lebensentwürfe. Über das Weltklima. Den Missbrauch der Finanzinstrumente. Hier zwei Zahlen zu einem anderen Thema: Mehr als 50 Prozent der deutschen Erwachsenen und 30 Prozent der Kinder haben Übergewicht. Unsere Gesellschaft ist buchstäblich zu satt geworden. Ist das gesunde Leben und damit die Ernährung auch für die Angebote der Hotels in Baden-Baden eine Botschaft?

Nora Waggershauser: Ja, gesundes Leben, gesunde Ernährung auf jeden Fall. Es war ja in den 90er Jahren schon so, dass das Thema Wellness sehr aktuell geworden ist und in den Hotels große Wellness-Tempel gebaut wurden. Das hat sich natürlich jetzt sehr gewandelt. Mittlerweile steht Gesundheit, Prävention auch mit Erholung und SPA auf einer Linie, das heißt, man orientiert sich hier jetzt auch schon anders. Baden-Baden ist, was das Thema Gesundheit und auch Ernährung, Kulinarik angeht, sehr gut aufgestellt, also wir können den Markt hier sehr, sehr gut und exklusiv bedienen und ich denke, es ist für uns als Gesundheitsstandort auch ganz wichtig. Ernährung geht für mich mit gesundem Leben einher, denn wer gesund leben will, will sich auch gesund ernähren. Da gilt es schon, dass wir passende Angebote bereithalten, um diesen Markt zu bedienen. Ich denke, das ist ein ganz wichtiges Thema auch für uns als Standort.

goodnews4: Schauen wir einmal kurz bei der Kommunalpolitik in Baden-Baden vorbei. Vom verständlichen Lokalpatriotismus getrieben forderte ein Stadtrat, dass die gastronomischen Unternehmen, bei denen die Stadt Baden-Baden beteiligt ist oder Einfluss hat, den Rebländer Wein verpflichtend auf der Getränkekarte führen sollen. Haben Sie dies für das Kongresshaus schon angeordnet?

Nora Waggershauser: Wir sind mit allen unseren Gesellschaften Lokalpatrioten, gar keine Frage, und wir bieten in der Vergangenheit, und auch in der Zukunft wird es so sein, immer zuerst unsere heimischen Produkte an, das ist überhaupt keine Frage. Wenn ein Veranstalter allerdings etwas anderes möchte, dann haben wir die Entscheidung zu akzeptieren und das müssen wir auch in Zukunft machen. Wir sind ein internationaler Kongressstandort und da ist es eigentlich gar nicht wichtig, was auf der Karte steht. Wir sprechen immer unsere Empfehlungen aus und wenn die nicht gewünscht werden, dann müssen wir das nehmen, was der Veranstalter entscheidet. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

goodnews4: Vor einem Jahr hatten Sie noch Ihre Vorgängerin Brigitte Goertz-Meissner an ihrer Seite. Nun haben Sie das erste Jahr ohne größere erkennbare Pannen gemeistert. Was waren denn die schwierigsten und auch spannendsten Manöver?

Nora Waggershauser: Als erstes muss ich schon sagen: Es ist natürlich eine wirklich große Aufgabe drei Gesellschaften zu führen, die Baden-Baden Kur und Tourismus, das Kongresshaus und die Baden-Baden Events, die alle doch auch unterschiedlich aufgestellt sind und auch natürlich unheimlich viele eigene Interessen haben. Dass jetzt keine größeren Pannen passiert sind, das ehrt mich, wobei ich immer denke, wo gearbeitet wird, passiert auch mal was. Wer nichts tut, dem kann auch nichts passieren, sagt man ja immer. Ich muss wirklich sagen, ich habe drei tolle Teams an meiner Seiter, die das Ganze sehr, sehr erleichtern und die Zusammenarbeit macht einfach viel Spaß und wir können viel bewegen. Spannende Ereignisse gab es viele. Jeder Tag ist spannend, muss man schon sagen. Wir haben das G20-Treffen im März gehabt, das hat uns mit der Kur und Tourismus und mit dem Kongresshaus natürlich sehr beschäftigt. Das Thema Sicherheit hatten wir gerade auch schon angesprochen in den vorhergehenden Fragen, das beschäftigt uns sehr bei der Baden-Baden Events. Unsre Open-Air-Veranstaltungen, Großveranstaltungen stehen unter ganz anderen Aspekten. Das sind Themen, mit denen wir uns sehr beschäftigen. Für das Tourismus-Marketing haben wir sehr, sehr viel investiert in Online-Marketing, in Virtuel Reality, wir haben uns auf gute Systeme aufgestellt in den vergangenen Monaten, um einfach hier auch im Markt ganz vorne mitspielen zu können. Daher muss ich sagen, es ist so eine breitgefächerte, natürlich schöne Aufgabe, die so viele Aspekte bietet, dass eigentlich jeder Tag spannend bleibt.

goodnews4: Die Rathausspitze hat schon die Verhandlungen um die sogenannten BKV-Mittel mit der Landespolitik begonnen. Es geht um 10 Millionen Euro pro Jahr. Haben Sie schon einen Notfallplan, falls die 10 Millionen nicht kommen − im goodnews4-Video-Interview hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor seiner ersten Amtsperiode dies ja in Frage gestellt?

Nora Waggershauser: Also einen Notfallplan habe ich noch nicht, Frau Milke. Der Ausgang der Verhandlungen ist für Baden-Baden natürlich immens wichtig. Ich finde es sehr, sehr positiv und gut, dass die Verhandlungen schon laufen, dass unsere Oberbürgermeisterin diese auch schon aufgenommen hat, dass da auch schon viele aktive Gespräche geführt werden und die Verträge gehen noch bis Ende 2020. Ich denke, wenn wir einen Ausgang haben, den wir so nicht erwarten, haben wir noch ein bisschen Zeit für einen Notfallplan, aber ich muss sagen, ich glaube, dass dem Land auch durchaus bewusst ist, dass Baden-Baden hier eine ganz besondere Rolle spielt und wir auch viel tun. Wir haben jetzt gerade vor kurzem die Kurhaus-Muschel wieder mit der Baden-Badener Philharmonie in Zusammenarbeit auch mit der Bäder- und Kurverwaltung belebt. Ich glaube, dass das Land auch schon sieht, dass wir hier sehr, sehr gute Aufträge erfüllen und ich hoffe einfach, dass wir diese Rolle für Baden-Baden auch künftig aufrechterhalten können.

goodnews4: Sie haben es vorhin gesagt: Sie haben eigentlich nicht nur einen Job, sondern gleich drei Jobs. Woher holen Sie sich die für eine Lebensbalance notwenige Muße? Haben Sie im Sommer 2017 ein Buch von Voltaire oder vielleicht ein Roman von Tolstoi unter dem Kopfkissen?

Nora Waggershauser: Ich muss gestehen, ich habe die letzten Wochen eher drei Jahresabschlüsse unterm Kopfkissen für drei verschiedene Gesellschaften, die auch ziemlich dick und umfangreich sind, die Gott sei Dank gut sind, aber die trotzdem durchzuarbeiten und entsprechend zu bestücken galt. Daher ist an Lesen momentan weniger zu denken. Trotzdem braucht man Phasen zur Entspannung, zur Erholung, zur Regeneration und da bin ich manchmal ganz typisch Frau. Ich gehe gerne Shoppen, wenn ich ein bisschen Zeit habe, also kurble den Einzelhandel in der Baden-Badener Innenstadt ganz gerne an. Das Zweite ist, mein Mann und ich haben einen großen Freundeskreis, wir genießen auch gerne mal einfach einen ruhigen Abend, bei einem guten Glas Wein bei einem leckeren Essen mit Freunden und da kann man auch den Akku schon mal ganz gut auftanken zwischendurch.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Sommergespräch von Nadja Milke mit Nora Waggershauser


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