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Kommentar

Werner Henn zur Zukunft des SWR-Standorts Baden-Baden - Am Montag beginnen jahrelange Bauarbeiten auf dem SWR-Gelände

Werner Henn zur Zukunft des SWR-Standorts Baden-Baden - Am Montag beginnen jahrelange Bauarbeiten auf dem SWR-Gelände
Foto: goodnews4-Archiv

Baden-Baden, 10.07.2018, Kommentar: Christian Frietsch Nach der Fusion von SWF Baden-Baden und SDR Stuttgart im Jahr 1998, ist der SWR-Standort Baden-Baden immer noch auf der Suche nach einer nachhaltigen Rolle. Impulse und Produktionen aus Baden-Baden sind selten geworden.

Bundesweites Aufsehen mit Sendungen wie Report in den achtziger Jahren, Jazz-Festivals mit Joachim Ernst Berendt oder die Gründung von SWF3, dem erfolgreichsten deutschen Radioprogramm, sind Geschichte. Selbst das weltbekannte Sinfonierorchester Baden-Baden Freiburg musste dran glauben und versank zu Gunsten von Kosten für populäre Programme und Rechtskosten im Bereich Entertainment und Sport.

Im September 2013 hatte die Otto-Brenner-Stiftung eine Studie veröffentlicht, welche die TV-Programme des SWR und des NDR untersuchte. Im Vorwort der Studie heißt es, dass diese eine «Boulevardisierung» der Rundfunkanstalten feststelle, welche ein «Ausmaß erreicht, das in etwa dem der privaten Konkurrenz» entspreche. Auch Personalkosten und vor allem hohe Pensionsrückstellungen lassen immer weniger Spielraum. Gesamterträge des SWR aus dem Pflicht-Rundfunkbeitrag inklusive der Rückflüsse aus dem Anteil der Landesmedienanstalten am Rundfunkbeitrag beliefen sich 2014 auf 1,069 Milliarden Euro. Davon verschlang der Personalaufwand des SWR inklusive Altersversorgungsaufwendungen fast die Hälfte. 2014 lagen die Kosten für Personal und Altersversorgungen bei knapp 504 Millionen Euro.

Wie klamm der öffentlich-rechtliche SWR trotz Milliarden-Einnahmen ist, zeigt das Vorgehen bei der Finanzierung eines neuen Medienzentrums in Baden-Baden. Der größte Teil der SWR-Grundstücke wurde für ein hochspekulatives Immobilien-Projekt an einen Heidelberger Investor verkauft. Die zweistelligen Millionenkosten des Grundstücks sollen durch 380 überwiegen hochwertige Wohneinheiten profitabel gemacht werden. Eine ausführliche Diskussion mit Gebührenzahlern und Baden-Badener Bürgern gab es in der Meinungsbildungsphase für dieses Projekt nicht. Gemeinsam mit der gewogenen Stadtverwaltung Baden-Baden wurde das Projekt genehmigungsreif gemacht. Auswirkungen auf Stadtbild, Verkehr, Anwohner und Immobilienmarkt wurden nie ernsthaft untersucht. Nun stehen für nächste Woche erste Bauarbeiten für das neue Medienzentrum an. Eine ganze Serie von Sprengungen werden die Anwohner in der Fremersbergstraße und anderen angrenzenden Straßen auf eine dann folgende jahrelange Bautätigkeit einstimmen.

Für die Zukunft des dann um einen großen Teil der jetzigen Fläche geschrumpften SWR-Standort sieht Stadtrat Werner Henn eine Standort-Chance. Die Zusammenarbeit von ARD und ZDF während der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft solle «im Hinblick auf weitere sportliche Großveranstaltungen in Baden-Baden beibehalten» werden. Schon beim FIFA Confederations Cup 2017sei so «viel Geld gespart» worden, schreibt Werner Henn, Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Baden-Baden, im Namen der Baden-Badener SPD-Fraktion zu einer Möglichkeit, dem SWR-Standort in Baden-Baden mehr Substanz zu geben.

Die Erklärung von Werner Henn im Wortlaut:

Stadtrat Werner Henn begrüßt im Namen der SPD Fraktion die Überlegungen der ARD- und ZDF-Verantwortlichen, in Zukunft sogenannte Sendezentren für Großereignisse zu installieren.

Die Erfahrung zeigt, dass mit der Einrichtung des nationalen Sendezentrums von ARD und ZDF schon beim FIFA Confederations Cup 2017 viel Geld gespart wurde, Kompetenzen gebündelt und Entscheidungs- und Produktionswege optimiert wurden. Zur Zeit laufen die Übertragungen der Fußball WM reibungslos aus dem neuen SWR Zentrum in Baden-Baden, sehr zur Freude und Zufriedenheit aller Beteiligten. Man sollte die jetzigen Investitionen auch im Hinblick auf weitere sportliche Großveranstaltungen nutzen und das nationale Sendezentrum in Baden-Baden beibehalten. Es ist nicht nur produktionstechnisch optimal dafür ausgelegt, sondern auch mit dem nötigen hochqualifizierten Personal ausgestattet. Dazu kommt die sehr gute Infrastruktur der Stadt und auch die räumliche Nähe zum ZDF nach Mainz. «Das ganze Umfeld stimmt hier, von der guten Erreichbarkeit per Bahn, Auto und Flugzeug bis zu den hervorragenden Übernachtungsmöglichkeiten. Der SWR hat bewiesen, und das schon seit 1993, dass auch eine erfolgreiche Kooperation mit dem ZDF möglich ist, als Kooperationspartner von 3sat und arte», so Werner Henn.

Diese schlanken Strukturen senken entsprechend auch die Kosten für weitere Übertragungen und bieten die Möglichkeit, die aufwendige Technik fest zu installieren. Die zu erzielenden Einsparungen wären auch ein Beitrag zur Sicherung des öffentlich rechtlichen Rundfunks. Laut Aussage des SWR Intendanten Peter Boudgoust arbeiten die Rundfunkanstalten daran, ihre Wirtschaftlichkeit weiter zu erhöhen. Das wäre ein guter Beitrag, nicht nur des SWR, sondern aller Anstalten, um dieses Vorhaben auch umzusetzen.


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