26 Stolpersteine in Baden-Baden

Baden-Badener Synagoge heute vor 75 Jahren niedergebrannt - Stolpersteine auch vor Schwarzwald Bazar - Autorin Angelika Schindler: "Henry Ford bestellte 50 Kisten Kuckucksuhren"

Baden-Badener Synagoge heute vor 75 Jahren niedergebrannt - Stolpersteine auch vor Schwarzwald Bazar - Autorin Angelika Schindler: "Henry Ford bestellte 50 Kisten Kuckucksuhren"

Bericht: Christian Frietsch

goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Angelika Schindler und Schülern

Baden-Baden, 09.11.13, 00:00 Uhr Heute vor 75 Jahren brannte auch die Synagoge in der Baden-Badener Stefanienstraße und überall in Deutschland wurden Juden zusammengetrieben, beleidigt, verhaftet und schließlich getötet. 26 neue Stolpersteine wurden gestern vor verschieden Gebäuden in Baden-Baden eingelassen als Erinnerung an die Opfer der Nazi-Verbrechen. Vor dem legendären Spielwarengeschäft Schwarzwald Bazar erzählte die Baden-Badener Autorin Andrea Schindler im goodnews4-VIDEO-Interview die tragische aber auch faszinierende Geschichte der Baden-Badener Familie Nachmann. «Vor dem ersten Weltkrieg kam Queen Victoria» in den Spielwarenladen und Prinzen und Könige gingen ein und aus. «Käthe Kruse Puppen, Steiftiere, elektrische Eisenbahnen und Kuckucksuhren» garantierten schon damals Umsätze und die Aufmerksamkeit von Gästen aus der ganzen Welt.

Bild Gunter Demnig Der ganze Stolz sei es für die Familie Nachmann gewesen, dass der legendäre Auto-König «Henry Ford einmal 50 Kisten Kuckucksuhren bei Ihnen bestellte», berichtete Angelika Schindler über die noch unbeschwerten Zeiten in Baden-Baden. Über das Schicksal der Familie Nachmann weiß Angelika Schindler gut Bescheid, weil sie engen Kontakt mit den Enkeln hält, die in Israel leben. «Die Familie hatte Glück, dass sie 1936 emigrieren konnte», erzählt sie. Es sei «ein plötzlicher Aufbruch» gewesen. «Herr Nachmann wurde verhaftet, er hat dann aber sofort wahrgenommen, dass er dieses Land verlassen muss.» Zuerst emigrierte er in die Schweiz, dann nach Palästina und seine Frau und seine Tochter haben am Tag danach «mit einem Koffer in der Hand das Haus verlassen, um nicht aufzufallen».

Bild Gunter Demnig Palästina sei «gerade für Robert Nachmann eine ungeliebte Heimat» gewesen. Er habe «sich ganz umstellen und hebräisch lernen» müssen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Robert Nachmann seine Tochter und seine Enkel nach Baden-Baden mitgenommen, um das geliebte Geschäft zu zeigen und seine Frau Irene, «die inzwischen Lehmann heißt und 94 Jahre alt ist, kommt fast jedes Jahr nach Baden-Baden», erzählt Angelika Schindler über die noch so präsente Seite dieser tragischen und faszinierenden Baden-Badener Familiengeschichte.

Bild Schüler des Richard Wagner Gymnasiums Schüler des Richard Wagner Gymnasiums und des Pädagogiums begleiteten die Stolperstein-Verlegungen des Kölner Künstlers Gunter Demnig in der Lichtentaler Straße 14, Familie Nachmann; Sophienstraße 22 , Familie Götzel; Rettigstraße 4, Familie Deutsch und Melanie Schaalmann; Staufenbergstraße 8, Ernst Berendt; Kronprinzenstraße 1, Moltkestraße 3, Dora Hecht, Familie Netter; Laubstraße 7/9, Hermine König und Otto Birnbräuer und Rheinstraße 21, Anna Bach. Insgesamt sollen nun in der Kurstadt 118 Stolpersteine an Opfer des Nazi-Terrors erinnern.

goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Angelika Schindler und Schülern


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