G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Baden-Baden

Hochzeitspaar geriet in Baden-Badener G20-Gipfel - OB Mergen: "Mit Herrn Draghi hatte ich sprechen dürfen" - Nora Waggershauser: "7.800 Übernachtungen"

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G20 Baden-Baden sagt Danke
| goodnews4-VIDEO-Interviews von Nadja Milke mit OB Mergen, Reinhard Renter, Nora Waggershauser | «No G20»-Demonstration in Baden-Baden

Baden-Baden, 20.03.2017, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Alle Räder stehen still, wenn Donald Trumps langer Arm es will. Für den G20-Auftritt des US-Finanzminister Steven Mnuchin in Baden-Baden gab es keinen Handlungsspielraum. Die Lage ist schlecht, aber Baden-Baden konnte immerhin eine gute Stimmung verbreiten. Dafür stand auch das Hochzeitspaar, das wohl gar nicht so richtig wusste wie ihm geschah.

Bild Hochzeit im G20-Trubel. Foto: Polizei Lange vor den Planungen der globalen G20 Finanz-Elite hatten Goran Keneski und seine glückliche Braut seinen Hochzeitstermin in Baden-Baden gebucht und geriet so am Samstagnachmittag mitten ins Weltgeschehen. Der Brautkuss habe einen Spontan-Applaus der Delegierten zur Folge gehabt, berichtete die an diesen Tagen allgegenwärtige Polizei von einem der wenigen konkreten Ergebnisse dieses Gipfels in Baden-Baden. Eine Mitarbeiterin des Bundesfinanzministers überreichte im Foyer des Kurhauses eigens ein Glückwunschschreiben von Wolfgang Schäuble. Im goodnews4-VIDEO-Interview hatte Goran Keneski schon rund zwei Wochen vor seinem Hochzeitstag seine Empathie für den Rest der Welt nicht verdrängt. Die Hungernden in Afrika seien das dringendste Problem, um das sich die G20-Politiker kümmern sollten. goodnews4.de berichtete.

Bild Margret Mergen, Oberbürgermeisterin von Baden-Baden Auch die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen nahm einige Erfahrungen mit aus den Gesprächen mit den Politikern, die für die Finanzordnung der Welt verantwortlich sind. Im goodnews4-VIDEO-Interview berichtete sie von ihrem Gespräch mit dem obersten europäischen Währungshüter: «Mit Herrn Draghi hatte ich gestern Abend sprechen dürfen. Ich bin mit seiner Politik nicht ganz so glücklich, ich glaube viele in Deutschland sagen, wir müssen da ein bisschen aufpassen, dass wir nicht zu viel konsumieren und uns darüber verschulden. Das habe ich ansatzweise versucht, ihm diplomatisch so zu signalisieren, aber ich merkte, auf dem Ohr war er nicht sehr offen.»

Bild Nora Waggershauser, Geschäftsführerin Baden-Baden Kur und Tourismus GmbH Die Baden-Badener Tourismus-Chefin Nora Waggershauser rechnete im goodnews4-VIDEO-Interview den wirtschaftlichen Nutzen des G20-Gipfels vor: «Wir sind ja im Vorfeld immer so von 1.600 Zimmern ausgegangen. Tatsächlich waren es 1.900, das ist also doch nochmal ein bisschen mehr gewesen und vor allem waren es insgesamt über die ganze Woche verteilt 7.800 Übernachtungen, die hier platziert werden konnten.» 2,1 Millionen Euro konnte nach einer ersten Rechnung unsere Stadt verbuchen.

Bild Reinhard Renter, Polizei-Vizepräsident Reinhard Renter, Polizei-Vizepräsident, zog im goodnews4-VIDEO-Interview eine positive Bilanz des G20-Gipfels aus der Sicht der Polizei.

Bild NoG20-Demo Auch die nach Schätzungen der Polizei 500 Demonstranten, die dem Aufruf des Bündnisses «NoG20» nach Baden-Baden gefolgt waren, drückten ihren Protest gegen das G20-Treffen auf friedliche Weise aus.

Und nach der Gipfel-Party zeigte Wolfgang Schäuble sich im Baden-Badener Kongresshaus dann auch noch in seiner eher seltenen Rolle als Charmeur. Er plauderte über seine innerste Regung als die Gastgerberrolle von G20 auf ihn zukam: «Als ich hörte, dass wir die G20-Präsidentschaft kriegen, habe ich gesagt, oh, das ist so viel Arbeit.» Und für Baden-Baden hatte er nichts als Komplimente: «Die meisten haben, soweit sie etwas gespürt haben, gespürt es ist eine tolle Stadt, es haben sich fast alle wohl gefühlt und wer sich nicht wohl gefühlt hat, war selber schuld.»


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit OB Margret Mergen:

goodnews4: Turbulente Tage gehen zu Ende. Was ist denn Ihre Schulnote für die G20-Politiker und was die Schulnote für die Organisation in Baden-Baden?

Margret Mergen: Für die Politiker die Note 2. Warum? Weil das Ergebnis, von uns allen erhofft, noch besser hätte sein dürfen, was die Öffnung der Märkte angeht, die nach wie vor den freien Welthandel − das war ein großes Anliegen aller Beteiligter − und da war von der USA leider keine Bereitschaft gegeben. Aber es hat die anderen stärker zusammengebracht und deswegen würde ich sagen Note 2. Was die Stadt angeht und insgesamt das Treffen, würde ich eindeutig sagen: Sehr gut! Das haben wir alle gemeinsam sehr gut gemacht. Und dazu zähle ich zum einen die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die sich wieder einmal als Gastgeber weltoffen gezeigt haben und mit großem Verständnis auch die Erschwernisse hingenommen haben. Auch einen herzlichen Dank an die Polizei, die sehr präsent war und wirklich das Gefühl von absoluter Sicherheit vermittelt hat, aber auch an all die anderen Kräfte, angefangen bei der Feuerwehr, THW, Rotes Kreuz, Bergwacht, DLRG, die Freiwillige Feuerwehr, unsere Verwaltungsstäbe, der Katastropheneinsatzplan − ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Dann natürlich auch unser Tourismus-Team, das gemeinsam mit dem Kurhaus, mit dem Kongresshaus die Hotelzimmer gebucht hat, die Veranstaltungsörtlichkeiten, die ganze Logistik mit der Gastronomie, mit dem Museum Frieder Burda, der Geroldsauer Mühle, dem Festspielhaus. Das alles muss organisiert werden und das hat super geklappt. Und ich glaube auch die Öffentlichkeitsarbeit kann sich sehen lassen.

goodnews4: Gab es denn auch eine Situation, die Ihren Puls etwas höher hat schlagen lassen?

Margret Mergen: Die Gespräche mit den Ministern natürlich. Das war hochspannend für mich gestern Nachmittag und auch gestern Abend. Wenn man zwischen dem chinesischen Notenbankchef und dem deutschen und dem argentinischen sitzt, und man merkt auf einmal − alles auf Englisch oder teilweise auch auf Französisch, wenn die Franzosen dabei waren − die haben dann schon auch mal inhaltlich einige Botschaften rübergegeben, wo ich dachte, oh, jetzt geht es in die hohe Politik. Oder auch gestern Abend der französische Finanzminister, der italienische, der japanische, der argentinische, der Bundesfinanzminister − das ging dann schon inhaltlich zur Sache. Und das fand ich hochspannend, da dabei sein zu dürfen und aus meiner kleinen kommunalen Welt mal zu hören, was da diskutiert wird.

goodnews4: Hatten Sie denn auch Gelegenheit, einzelne Gäste unter den Finanzministern und Notenbankchefs näher kennenzulernen? Hat Sie irgendjemand besonders beeindruckt?

Margret Mergen: Mit Herrn Weidmann hatte sich sehr intensive Gespräche, auch über die Rolle der Banken, der Weltbank, auch der FED, der amerikanischen Währungsbank, das ist für die Frage der Zinsen eminent wichtig. Mit Herrn Draghi hatte ich gestern Abend sprechen dürfen. Ich bin mit seiner Politik nicht ganz so glücklich, ich glaube viele in Deutschland sagen, wir müssen da ein bisschen aufpassen, dass wir nicht zu viel konsumieren und uns darüber verschulden. Das habe ich ansatzweise versucht, ihm diplomatisch so zu signalisieren, aber ich merkte, auf dem Ohr war er nicht sehr offen. Mit Frau Lagarde habe ich gesprochen. Frau Lagarde passt wunderbar zu Baden-Baden, eine Grand Dame, sehr elegant. Aber auch mit dem japanischen Finanzminister habe ich mich sehr gut unterhalten, auch über die Fähigkeit der Japaner, eine Weltstadt wie Tokio mit 40 Millionen Einwohnern absolut geordnet und kultiviert und zivilisiert zu führen. Also so haben wir über viele Dinge gesprochen weltweit und immer wieder über Baden-Baden.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Reinhard Renter:

goodnews4: Auch für die Polizei turbulente Tage in Baden-Baden, die zu Ende gehen. Welche Schulnote geben Sie denn Ihren Mitarbeitern und auch sich selbst für den Einsatz beim G20-Treffen in Baden-Baden?

Reinhard Renter: Meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann ich die Schulnote 1 mit Sternchen vergeben und zwar in allen Bereichen. Sie haben sich hervorragend vorbereitet und sie haben den Einsatz so durchgeführt wie wir es gemeinsam vereinbart haben, die Konzepte sind aufgegangen und das Einsatzziel haben wir erreicht.

goodnews4: Gab es denn trotzdem eine Situation, die Ihren Puls etwas höher hat schlagen lassen − vielleicht auch eine freudige Situation?

Reinhard Renter: Also die freudigen Situationen habe ich immer dann erlebt, wenn ich draußen unterwegs war, wenn ich die Kolleginnen und Kollegen besucht habe und festgestellt habe, dass sie mit großer Freude hier sind und vor allen Dingen, dass sie die Kontakte zu den Bürgerinnen und Bürgern von Baden-Baden gesucht haben und auch darüber berichtet haben wie schön es hier ist. Ich habe auch die Kolleginnen und Kollegen abends besucht in den Unterkünften und konnte da auch feststellen, dass große Zufriedenheit vorhanden ist.

goodnews4: Und wie stand es mit Ihrem Puls, wann war der am höchsten?

Reinhard Renter: Der Puls war eigentlich die ganzes Zeit auf einem etwas höheren Pulsschlag als sonst. Natürlich haben die Briefbomben in Berlin und Paris dazu beigetragen, dass wir hier entsprechende Maßnahmen durchgeführt haben, es hat sich aber glücklicherweise nichts ereignet.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Nora Waggershauser:

goodnews4: Turbulente Tage gehen für Baden-Baden zu Ende. Was ist denn Ihre Schulnote für die G-20 Politiker und was die Schulnote für die Organisation in Baden-Baden?

Nora Waggershauser: Beginnen wir mal mit der Organisation in Baden-Baden, da haben wir auf allen jeden Fall eine 1 verdient, inklusive dem Wetter, für das wir eigentlich nichts können, aber das nehmen wir jetzt einfach auch mal auf unsere Kappe. Wir hatten wirklich tolle Tage, ich glaube, wir haben die Gäste aus aller Welt wirklich hervorragend bewirtet. Den Gastebern und Gastronomen, die alle mitgewirkt haben, gebührt das Kompliment, dass sie alle einen tollen Job gemacht haben. Wir haben heute wirklich nur positive Resonanz gehabt und alle haben gesagt: Es war so schön hier, es war viel zu schnell vorbei und eigentlich würden wir gerne wiederkommen. Seitens des politischen Ergebnisses habe ich vorhin von Minister Schäuble in der Konferenz eigentlich auch positive Signale wahrnehmen können. Vielleicht hat die Stadt dazu beigetragen, die Gespräche in eine positive Richtung zu lenken, auch wenn vielleicht noch keine konkreten Abschlüsse in dem Moment vielleicht schon genannt werden konnten, aber ich denke, auch da gehen die Schulnoten bestimmt in den positiven Bereich.

goodnews4: Sie haben auch ein paar Zahlen dabei. Was hat denn das Meeting jetzt konkret gebracht für Baden-Baden?

Nora Waggershauser: Wir sind ja im Vorfeld immer so von 1.600 Zimmern ausgegangen seitens des Bundefinanzministeriums, mit dem wir ja ganz eng zusammengearbeitet haben. Tatsächlich waren es 1.900, das ist also doch nochmal ein bisschen mehr gewesen und vor allem waren es insgesamt über die ganze Woche verteilt 7.800 Übernachtungen, die hier platziert werden konnten. Ich denke, das ist eine stolze Zahl für eine Großveranstaltung, die sich durchaus sehen lassen kann.

goodnews4: Lässt sich der Mehrwert für Baden-Baden auch schon in Euro ausdrücken?

Nora Waggershauser: Wenn wir mal rein den Übernachtungsumsatz nehmen plus die ganze Verpflegung für Hostessen, für Polizei, für Zöllner, natürlich für die Delegationen, für die Minister − es waren ja viele Personengruppen hier letztendlich lange in der Stadt − der gastronomische Umsatz kommt dazu, Bewirtungsumsatz, aber auch Raummieten − das Kurhaus wurde gemietet, das Kongresshaus, es war eine Abendveranstaltung in der Geroldsauer Mühle, gestern Abend im Festspielhaus − also es waren auch sehr viele Locations betroffen. Wenn wir das mal hochkonsolidieren, und das haben wir jetzt gemacht, sind wir schon bei 2,1 Millionen Euro. Da ist vieles noch nicht mitgerechnet. Das ist doch ein stolzes Ergebnis für die Stadt. Wir hatten in dieser Zeit auch keine andere Großveranstaltung, das heißt, wir haben nichts verdrängt, sondern es war ein tolles Ereignis, was wir jetzt diese Woche in der Stadt hatten.

goodnews4: Gab es denn auch eine Situation, wo Ihr Puls etwas schneller schlug?

Nora Waggershauser: Eigentlich nicht. Es hat alles so reibungslos geklappt. Wir haben wirklich von allen Seiten inklusive uns selbst hier im Kongresshaus oder auch in der Vermittlung der Kur und Tourismus, mit der Polizei, mit dem Zoll, mit dem BKA und natürlich mit dem Bundesfinanzministerium toll zusammengearbeitet. Und es war in keiner Situation irgendwie mal ein Erlebnis, wo man sich hätte Sorgen machen müssen. Wir haben uns alle sicher gefühlt, gut betreut gefühlt und haben den Puls daher auf niedrigem Niveau halten können.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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