Kriminalstatistik 2016

Rückgang der Straftaten in Baden-Baden - Aber: Zunahme Sexualdelikte - Polizei-Vizepräsident Renter: "Am meisten ärgert mich Gewalt gegen Polizeibeamte"

Rückgang der Straftaten in Baden-Baden - Aber: Zunahme Sexualdelikte - Polizei-Vizepräsident Renter: "Am meisten ärgert mich Gewalt gegen Polizeibeamte"
In Offenburg wurde gestern die Kriminalstatistik 2016 des Polizeipräsidiums Offenburg vorgestellt. Grafik: Polizeipräsidium Offenburg

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goodnews4-O-TON-Interview von Nadja Milke mit Reinhard Renter

Baden-Baden, 25.03.2017, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Nirgendwo im Bereich des Polizeipräsidiums gingen die Straftaten so deutlich zurück wie im Stadtkreis Baden-Baden. Von 4.630 auf 4.315 Fälle, was einen Rückgang um 6,8 Prozent im Jahresvergleich 2015 zu 2016 bedeutet. Einige Fragen bleiben dennoch. So stiegen die Sexualdelikte in Baden-Baden deutlich von 23 auf 34 Fälle in 2016 zum Vorjahr, was einen Anstieg um 47,8 Prozent bedeutet.

Im goodnews4-O-TON-Interview konnte Polizei-Vizepräsident Reinhard Renter aber zum Ergebnis für seinen Verantwortungsbereich eine positive Bilanz ziehen. Insgesamt gingen die Straftaten im Gebiet des Polizeipräsidiums Offenburg um 1,6 Prozent zurück. Von 42.801 in 2015 auf 42.135 im letzten Jahr. Nicht profitieren konnte der Landkreis Rastatt von der positiven Tendenz. Dort stieg die Zahl der Straftaten von 10.943 auf 11.217, eine Zunahme von 2,5 Prozent. Vor allem fällt auf, dass sich die «Straftaten gegen das Leben» von 5 auf 10 verdoppelt haben und auch Raub und räuberische Erpressung um 28,3 Prozent deutlich im Landkreis Rastatt deutlich angestiegen ist.

Zufrieden zeigte sich Reinhard Renter mit den Ergebnissen der Arbeit seiner Kollegen: «Mit 61,4 Prozent haben wir eine Aufklärungsquote wie wir sie bisher noch nicht hatten und sind auch hier im Vergleich zum Land um ein Prozent besser.» Die zunehmende Aggression gegen seine Kollegen trübt für Reinhard Renter die Zufriedenheit mit dem Ergebnis der Polizeiarbeit im letzten Jahr: «Am meisten ärgert mich Gewalt gegen Polizeibeamte.»


Abschrift des goodnews4-O-TON-Interviews mit Reinhard Renter:

goodnews4: «Sicherheit und Ordnung» war auch schon mal eine Wahlkampf-Parole. Wie steht es denn − statistisch gesehen − mit der Sicherheit im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg?

Reinhard Renter: Wir haben auf hohem Niveau einen Rückgang insgesamt zu verzeichnen, was mich freut. Wir haben einen Rückgang zu verzeichnen im Bereich der Straftaten um rund 1,6 Prozent und sind jetzt bei etwa 42.000 Straftaten. Im Land Baden-Württemberg sind es rund 1,3 Prozent Rückgang, sodass wir vom Trend her etwas besser sind. Ganz besonders freut mich aber unsere Aufklärungsquote. Wir haben hier ein Zehnjahreshoch. Mit 61,4 Prozent haben wir eine Aufklärungsquote wie wir sie bisher noch nicht hatten und sind auch hier im Vergleich zum Land um ein Prozent besser.

goodnews4: Was sind die Gründe für die hohe Aufklärungsquote? Glück oder besondere Weichenstellungen?

Reinhard Renter: Das ist das Ergebnis unserer Arbeit. Wir sind bei 60,3 Prozent gestartet im Jahr 2015 und sind jetzt ein gutes Prozent nach oben gegangen. Das ist die Auswirkung von Tätigkeiten in unterschiedlichsten Feldern.

goodnews4: Zwei Themen sind hochpolitisch: Die Bedrohung durch Terrorismus und die Auswirkungen der Flüchtlinge bei uns auf die Kriminalität. Wie drücken sich diese beiden Kriterien aus in der Statistik?

Reinhard Renter: Die Bedrohungslage insgesamt drückt sich natürlich bei uns in der Statistik nicht aus, weil wir ja glücklicherweise von solchen Großereignissen, wie wir sie in den letzten Tagen und Monaten erlebt haben in Deutschland, aber auch in England, zum Glück verschont geblieben sind. Auch beim G20-Gipfeltreffen in Baden-Baden sind wir glücklicherweise von solchen Dingen verschont geblieben. Im Bereich der Asylkriminalität ist es so, dass von den 18.000 Tatverdächtigen 8.000 nicht Deutsche sind und von diesen 8.000 Nichtdeutschen sind 50 Prozent aus dem Bereich der Asylanten.

goodnews4: Welche Unterschiede sind denn auffällig in den unterschiedlichen Stadt- und Landkreisen?

Reinhard Renter: Vom Grundsatz her haben wir in den Bereichen einen gleichbleibenden Trend, wobei wir jetzt beispielsweise bei den Straftaten insgesamt im Bereich Rastatt einen Zuwachs zu verzeichnen haben mit 2,5 Prozent. Im Bereich Baden-Baden hatten wir einen erfreulichen Rückgang um knapp sieben Prozent. Und im Bereich Offenburg haben wir wiederum einen Rückgang von 2,3 Prozent. Auch bei den Aufklärungsquoten ist es etwas unterschiedlich. Während wir in Offenburg 62,98 Prozent haben, haben wir in Baden-Baden 60 Prozent und im Bereich Rastatt 58 Prozent. Also leichte Unterschiede, aber nichts Gravierendes.

goodnews4: Was sind denn die häufigsten Delikte?

Reinhard Renter: Die häufigsten Delikte sind weiterhin Delikte rund um den Diebstahl. Etwa 36 Prozent unserer Straftaten kommen aus diesem Bereich. Aber wenn ich zum Beispiel 20 Jahre zurückblicke, hat dieser Anteil noch etwa 50 bis 60 Prozent ausgemacht und hier sehen wir einen erfreulichen Rückgang im Verhältnis zum Anteil der Gesamtstraftaten. Am meisten ärgert mich Gewalt gegen Polizeibeamte. Wir sind dazu da, um Tag und Nacht sieben Tage in der Woche für Sicherheit zu sorgen. Wir sind als Dienstleister rund um die Uhr für die Bürgerinnen und Bürger unterwegs und dann erfahren wir in den letzten Jahren ein Verhalten unseres Gegenübers, das ich in keinster Weise akzeptieren kann. Wir haben seit 2011 statistische Erfassungen und wir haben in den letzten fünf, sechs Jahren einen Anstieg von 204 auf 287 Taten, aber − und das ist das Schlimmste für mich − während wir im Jahr 2011 noch 250 Kolleginnen und Kollegen als Opfer bezeichnen mussten, habe ich im letzten Jahr 588 als Opfer solcher Straftaten. Ich freue mich persönlich darauf, dass wir vermutlich im Sommer diesen Jahres die sogenannte Body-Cam einführen können und hoffe da natürlich auf eine starke Prävention, was diesen Bereich betrifft, aber natürlich auch auf ein beweissicheres Festhalten des Vorgangs vor Ort. Das fängt an bei Beleidigungen und hört dann auf bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzungsdelikt und so weiter.

goodnews4: Was uns in Baden-Baden natürlich immer ganz besonders interessiert, ist die Einbruchskriminalität. Was sagt dazu die Statistik?

Reinhard Renter: Die Statistik im Bereich der Einbruchskriminalität hat einen Anstieg zu verzeichnen. Bei diesem Anstieg − das darf ich jetzt schon vorab verkünden − haben wir ab Dezember einen Knick, und zwar einen richtigen Knick nach unten. Wir haben einen deutlichen Trend im Januar, Februar, wo starke Rückgänge zu verzeichnen sind. Letztes Jahr hatten wir im Bereich der Einbruchskriminalität einen Anstieg zu verzeichnen von 870 auf 905, bezogen auf Baden-Baden war dies von 101 auf 124. Aber die Aktionen, beziehungsweise die Konzepte, die wir seit letztem Jahr fahren, und seit dem Spätjahr letzten Jahres verstärkt, zeigen jetzt ganz deutliche Rückgänge und ich freue mich, dass ich das nächstes Jahr hoffentlich auch so verkünden darf.

goodnews4: Was sind das für Konzepte, dürfen Sie das verraten?

Reinhard Renter: Es sind Konzepte offener Art, das heißt, starke Streifentätigkeit, es sind natürlich Konzepte verdeckter Art, die nicht so sichtbar sind, die sich eher Richtung Täter orientieren. Wir haben auch technische Auswertungen hinsichtlich des Modus Operandi und dass Gruppen sich hier im Raum bewegen. Und damit sind wir derzeit erfolgreich unterwegs.

goodnews4: Immer stehen die Auswirkungen der Zentralisierung in Offenburg in der Kritik. Fehlende Präsenz, fehlende Ortskenntnis. Hat man diese Kritik ernst genommen? Es gab ja eine Evaluierung der Polizeireform. Wo gibt es Nachbesserungsbedarf?

Reinhard Renter: Die Evaluierung hat ergeben, dass ein Nachbesserungsbedarf auf unserer Seite eher intern gesehen wird, im Bereich der Organisation, was den Bereich der Unfallaufnahme und überhaupt den gesamten Verkehrsbereich betrifft. Da sind wir zum Teil gut aufgestellt, zum Teil sind aber Bereiche festzustellen, in denen wir einfach nachsteuern müssen. Wobei, wenn man mal vom Grundsatz her sieht, welch großes Werk die Polizeireform damals im Jahr 2014 war, dann sind diese Dinge üblich, um Nachzusteuern, weil man natürlich keine hundertprozentige Trefferquote erzielen kann. Diese Nachsteuerungen, die notwendig sind, sind einfach Erfahrungen, die wir gemacht haben in den letzten zwei Jahren und das ist auch gut so.

goodnews4: Was sind das für Nachsteuerungen?

Reinhard Renter: Das sind Nachsteuerungen hinsichtlich der Abläufe im Bereich der Verkehrsunfallaufnahme, der Zuständigkeiten im Bereich der Verkehrsunfallaufnahme. Wobei ich da auch die positiven Dinge aufzeigen möchte und zwar die Aufnahme der schweren Verkehrsunfälle durch Spezialisten. Es wird ja immer sehr viel darüber diskutiert, weil es angeblich zu Wartezeiten vor Ort führt. Aber ich muss Ihnen ehrlicherweise sagen, mir ist es lieber, dass nach zwei Jahren vor Gericht ein Polizeibeamter hochkompetent und professionell eine Unfallaufnahme durchgeführt hat anstatt dass man die Schnelligkeit da bevorzugt.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.


PDF Kriminalstatistik 2016 Stadtkreis Baden-Baden
PDF Kriminalstatistik 2016 Landkreis Rastatt
PDF Kriminalstatistik 2016 Polizeipräsidium Offenburg

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