Alfred Grosser zu den Anschlägen in Paris

Alfred Grosser ruft zu "mitfühlender Vernunft" - "Verhindern, dass der Hass unsere Gesellschaften überschwemmt" - "Wer kann in Europa ernsthaft glauben, der Islam könne rein gar nichts Gutes beitragen zum Abendland?"

Alfred Grosser ruft zu "mitfühlender Vernunft" - "Verhindern, dass der Hass unsere Gesellschaften überschwemmt" - "Wer kann in Europa ernsthaft glauben, der Islam könne rein gar nichts Gutes beitragen zum Abendland?"
Alfred Grosser bei seiner Rede anlässlich der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zum 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkriegs. Foto: Deutscher Bundestag/Achim Melde

Baden-Baden, 23.11.15, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch «Mit dem Irakkrieg, den sich Bush und Blair mit falschen Fakten passend logen», schreibt der Publizist Alfred Grosser, sei «die Grundlage für den IS und die Destabilisierung der Region geschaffen» worden. In der aktuellen Beilage «Christ & Welt» in der Wochenzeitung «Die Zeit» geht der in Paris lebende Franzose auf seine Beobachtungen und Analysen nach den Anschlägen in seiner Heimatstadt ein.

Am 8. April 2016 wird Alfred Grosser in Baden-Baden beim 9. Pierre Plimlin-Symposium anlässlich der Verleihung des «Goldenes Coeur de l´Europe» eine Rede zum Begriff «Freiheit» halten. Darauf darf man gespannt sein.

Zur Begriffsdefinition des Abendlandes fordert der 1933 mit seinen Eltern nach Frankreich emigrierte Alfred Grosser schon jetzt die sogenannten Verteidiger des Abendlandes auf, sich die Frage zu stellen, «welches Abendland sie da eigentlich verteidigen». Und mit für manche Demagogen vielleicht lästigen Fragen hilft Alfred Grosser nach: «Das Abendland der Millionen Toten des Ersten Weltkriegs, das Abendland des Holocaust oder das des Kolonialismus? Wer kann in Europa in Anbetracht der eigenen Geschichte ernsthaft glauben, der Islam könne rein gar nichts Gutes beitragen zum Abendland, ja er könne dem Abendland sogar schaden, wie es sich und der Welt in der Geschichte nicht längst bereits geschadet hat?»

Nach den Anschlägen von Paris und der von politisch rechtsstehenden Kräften gerne damit vermengten Flüchtlingssituation, sieht Alfred Grosser einen vergleichbaren Reflex in Frankreich und Deutschland. «Der Front National darf hoffen, von einer neuen Welle der Fremdenfeindlichkeit und des Antiislamismus profitieren zu können. Seine Sprache und Parolen ähneln dabei denen von Pegida und der AfD.»

Und der Bericht von Alfred Grosser endet mit einer Analyse und Hoffnung: «Die größte Schwäche der Leidenschaft ist es schon immer gewesen, dass sie taub ist für das Leid der anderen. Das hat der wechselseitige Hass zwischen Deutschen und Franzosen gezeigt, der letztendlich zum Ersten Weltkrieg führte. Deshalb sind wir alle heute aufgefordert, uns mit mitfühlender Vernunft für die Vernunft und die Verständigung zu engagieren. Vielleicht können wir dann verhindern, dass der Hass unsere Gesellschaften überschwemmt.»

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