Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „In Baden-Baden und ganz Deutschland fehlen Mitarbeiter in Gastronomie und Hotellerie“ – „Seit Jahrzehnten läuft ohne Ausländer gar nichts mehr“
Baden-Baden, 19.05.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Wie könnten Fachkräfte motiviert werden in Baden-Baden in Hotels und Gastronomie zu arbeiten? – KI: «Wohn- und Lebensqualität in Baden-Baden hervorheben».
In der Baden-Badener Gastronomie und Hotellerie fehlen vermutlich Hunderte von Mitarbeitern. Es wird immer schwieriger, Fachkräfte zu motivieren, i-n der Gastronomie zu arbeiten oder eine Ausbildung als Koch oder Servicekraft zu beginnen. Das ist nicht nur in Baden-Baden, sondern in ganz Deutschland so. Angesichts dieses Fachkräftemangels sind die Vorstellungen der AfD Thüringen zum Thema Gastronomie fast schon als hirnrissig zu bezeichnen. So verkündete der Thüringer AfD-Abgeordnete Jan Abicht in einer Landtagsdebatte um die Thüringer Tourismusstrategie folgendes: «Das Authentische und die Erlebnisqualität leiden, wenn das Thüringer Rostbrätel oder die Roulade mit Hütes (Anm.: Thüringer Klöße) und Rotkraut plötzlich von jemandem serviert wird, den mit der regionalen Identität und Kultur nichts verbindet.»
Ausländische Mitarbeiter in der Gastronomie hätten nach Herrn Abicht «keinen Bezug zur thüringischen Ess- und Gastgeberkultur». Der «Tourist schätzte nun mal die Echtheit und lehne mehrheitlich künstlich hergestellte Diversität ab.» Nach Herrn Abicht seinen Vorstellungen sollten in Küche und Service in Zukunft nur noch Deutsche zum Einsatz kommen. Da muss man sich fragen, ob der AfD-Abgeordnete Abicht schon mal selber in einer Küche gestanden hat.
Bereits seit Jahrzehnten läuft doch ohne Ausländer gar nichts mehr im Gastrobereich: Ein Afrikaner oder Vietnamese an der Spüle, eine portugiesische Beiköchin oder ein syrischer Chefkoch am Herd - ohne diese Menschen könnten tausende von Restaurants gleich dicht machen. Neulich war ich mit Freunden in einem traditionellen deutschen Restaurant, dass von einer indischen Familie übernommen wurde. Wir haben indisches Chicken Masala, Maultaschen mit Kartoffelsalat sowie Wiener Schnitzel bestellt. Alles hat erstklassig geschmeckt. Warum soll also ein Türke, Iraker oder Chinese nicht auch gute und authentische Thüringer Rostbrätel, schwäbische Kutteln oder Sauerbraten zubereiten können? Ein guter Koch kann sich die Zubereitung aller Gerichte schnell aneignen.
Die Vorstellungen des Thüringer AfD-Abgeordneten Abicht stehen exemplarisch für viele ähnlich realitätsfremde, abstruse und nicht umsetzbare kulturpolitische Forderungen auch vieler AfD-Politiker in den westlichen Bundesländern. Ihnen muss man sagen: Wir leben nicht mehr in den 1930er- oder 1950er-Jahren. Die Wiederherstellung einer rein deutschen Gastronomie ist genauso illusorisch wie die eines rein deutschen Musik- und Theaterwesens, einer rein deutschen Presselandschaft, eines rein deutschen Showbusiness oder einer Altenpflege ohne ausländische Mitarbeiter. Traurig, dass dies etliche Leute aus der AfD anscheinend immer noch nicht kapiert haben.
Boris Fernbacher
Baden-Baden
Quellen:
1.) Focus: AfD-Politiker sorgt für Empörung: Ausländer sollen keine Thüringer Rostbrätel servieren
2.) Südthüringen.de: Ausländer im Gastgewerbe Die Welt der AfD und die Wirklichkeit
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