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Planung für Neue Synagoge für Baden-Baden

Neue Baden-Badener Synagoge soll in die Fürstenbergallee - Ruben Schuster: Anfechtung "beim Zentralrat der Juden" - Rami Suliman: "Idee, den historischen Standort mit Synagogenneubau wiederbeleben zu können, fasziniert uns sehr"

Neue Baden-Badener Synagoge soll in die Fürstenbergallee - Ruben Schuster: Anfechtung "beim Zentralrat der Juden" - Rami Suliman: "Idee, den historischen Standort mit Synagogenneubau wiederbeleben zu können, fasziniert uns sehr"
Die Synagoge in der Werderstraße ist längst zu klein geworden für die mehr als 500 Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden. Foto: goodnews4-Archiv

Baden-Baden, 23.10.2017, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Es ist auch für Baden-Baden das finsterste Kapitel seiner Geschichte. Die Ermordung und Vertreibung seiner jüdischen Mitbürger. Mit der Vernichtung der prächtigen Synagoge in der Stefanienstraße, fand dies am 10. November 1938 einen noch heute erkennbaren Ausdruck. Die Nazi-Barbarei und die Folgen in den Nachkriegszeiten bergen auch für Baden-Baden bis heute verdrängte Sachverhalte und Fragen.

Diese dürften unsere Stadt nun wieder beschäftigen, denn in einem schriftlichen goodnews4-Interview bestätigte Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitische Religionsgemeinschaft Baden, überraschend die Planung einer Neuen Synagoge für Baden-Baden. Offenbar ist derzeit ein Standort am Autobahnzubringer in der Fürstenbergallee 18 im Visier. Das Gelände soll dem Baden-Badener Gastronom Brandau gehören, der unter anderem das Löwenbräu in der Innenstadt betreibt. Doch innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden ist der Standort außerhalb der Innenstadt direkt am Autobahnzubringer umstritten.

Ein Kauf des Geländes ist bisher noch nicht erfolgt. Eine naheliegende Lösung könnte auch das Grundstück der niedergebrannten Synagoge in der Stephanienstraße sein, das unbebaut ist und vom Verlag des Badischen Tagblatts als Parkplatz benutzt wird. Die Verleger hatten das Grundstück in den fünfziger Jahren erworben. «Für einen Grundstückserwerb und einen Synagogenneubau im Herzen der Stadt Baden-Baden würden erhebliche Mittel benötigt, die unsere Möglichkeiten übersteigen könnten», sagt Rami Suliman zur Lösung des Baus der neuen Synagoge am Standort der alten Synagoge. Der Vorsitzende der Israelitische Religionsgemeinschaft Baden geht aber auf den Standort in der Stephanienstraße ein: «Die Idee, den historischen Standort mit einem Synagogenneubau wiederbeleben zu können, aber fasziniert uns sehr.» Voraussetzung für einen Bau an der Stelle, wo die Synagoge von 1899 bis 1937 stand, wäre die Bereitschaft der derzeitigen Eigentümer, das Gelände wieder an die Juden zu verkaufen.

Für den 24. September waren die Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden eingeladen worden, um über den beabsichtigten Grundstückskauf abzustimmen. Die Gemeindeversammlung habe «mit über 90 %iger Mehrheit die Israelitische Religionsgemeinschaft (IRG) Baden, den Dachverband der jüdischen Gemeinden in Baden, gebeten, ein Grundstück in der Fürstenbergallee zu erwerben und mit einer Synagoge zu bebauen», erklärte Rami Suliman zum Ausgang der Abstimmung.

Eine breite öffentliche Diskussion «von jüdischen und nichtjüdischen Bürgern» über einen angemessenen Standort für den Bau einer neuen Synagoge hatte im goodnews4-VIDEO-Interview Ruben Schuster, Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden, vor einer Entscheidung für einen Standort gefordert. goodnews4.de berichtete. Dies sieht Rami Suliman anders. Die Entscheidung über den Bau einer Synagoge in Baden-Baden sei «eine jüdische Angelegenheit». Deswegen seien «die dafür nötigen Entscheidungen von der Kultusgemeinde und dem Oberrat zu treffen. Eine Bürgerbeteiligung bei innerjüdischen, eng mit dem Glauben verbundenen Fragen kann es nicht geben», stellt er sich gegen den Vorschlag von Ruben Schuster, der gerne jüdische und auch nichtjüdische Mitbürger in eine Diskussion über den zukünftigen Standort der Synagoge mit einbeziehen würde, bevor dann die zuständigen jüdischen Gremien entscheiden.

Mit Vertretern der Stadt Baden-Baden hätten bereits Gespräche stattgefunden, erklärte Rami Suliman im schriftlichen goodnews4-Interview. Die Beteiligten seien «dem Synagogenbauprojekt gegenüber aufgeschlossen und positiv eingestellt», fasst er die Ergebnisse zusammen. Für die mit der Stadt Baden-Baden geführten Gespräche hat Rami Suliman nach Ansicht von Vorstandsmitglied Ruben Schuster allerdings keinen Auftrag der Israeltischen Kultusgemeinde Baden-Baden gehabt: «Herr Suliman hat ohne Vorstands- und Gemeindegenehmigung Gespräche mit der Stadt Baden-Baden geführt», heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Vorstandsmitglieds der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden zu den Gesprächen zwischen dem Rathaus Baden-Baden und dem Vorsitzenden der Israelitische Religionsgemeinschaft Baden, die in Karlsruhe ihren Sitz hat. Als Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Badenden werde er den «Bau der Synagoge auf der Fürstenbergallee 18 vor dem Schieds- und Verwaltungsgericht beim Zentralrat der Juden in Deutschland, anfechten», ließ Ruben Schuster gestern schriftlich wissen.

Anm. d. Red.: 1. Die Israelitische Kultusgemeinde Baden-Baden ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und ist für den Stadtkreis Baden-Baden und den Landkreis Rastatt zuständig. Mehr: www.ikg-bad-bad.de
2. Die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und ist für den Landesteil Baden zuständig. Mehr: www.irg-baden.de


Das schriftliche goodnews4-Interview mit Rami Suliman:

goodnews4: Nach unseren Informationen soll es eine für eine Mitgliederversammlung der jüdischen Gemeinde eine Tagesordnung gegeben haben mit einem Tagesordnungspunkt zu einem Grundstück in der Fürstenbergallee. Haben die Gemeindemitglieder dafür gestimmt, dieses Grundstück zu kaufen?

Rami Suliman: Es trifft zu dass am 24.09.2017 eine Gemeindeversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Baden-Baden stattgefunden hat, bei der ein möglicher Synagogenbau auf der Tagesordnung stand. Die Gemeindeversammlung hat mit über 90%ige Mehrheit die Israelitische Religionsgemeinschaft (IRG) Baden, den Dachverband der jüdischen Gemeinden in Baden, gebeten, ein Grundstück in der Fürstenbergallee zu erwerben und mit einer Synagoge zu bebauen. Um diese Entscheidung hatte die IRG Baden gebeten, um ein Stimmungsbild der Gemeindemitglieder zu dieser Frage zu erhalten. Bauherr eines solchen Projektes ist nämlich die IRG Baden, die ein geeignetes Grundstück auf eigene Kosten erwirbt und bebaut, um es der Gemeinde zur Nutzung zur Verfügung zu stellen. Deswegen trifft auch der Oberrat (die Delegiertenversammlung) der IRG Baden die Entscheidung in dieser Frage.

goodnews4: Das Grundstück in der Fürstenbergallee soll für den Bau einer neuen Synagoge in Frage kommen. Ist das richtig?

Rami Suliman: Das Grundstück liegt in der Fürstenbergallee. Eine hierzu angefertigte Projektstudie sieht die Bebauung mit einem Gemeindezentrum für die IKG Baden-Baden, einer Synagoge und ca. 16 altengerechten Wohnungen im geförderten Wohnungsbau für ältere Mitglieder der IKG Baden-Baden sowie einen Rabbiner vor.

goodnews4: Steht denn Ihrer Meinung nach die Wahl des Standortes für eine neue Synagoge in Baden-Baden für den Respekt für die Geschichte der Juden?

Rami Suliman: Der Bau einer neuen Synagoge und die Wahl des Standorts sind innerjüdische Entscheidungen. Dabei spielen Fragen der künftigen Nutzung und der Realisierbarkeit eine wichtige Rolle. Im Bau jeder neuen Synagoge wird der Respekt vor der jüdischen Geschichte sichtbar.

goodnews4: Sind Sie im Gespräch mit der Stadt zum Thema Synagogenbau und Grundstück?

Rami Suliman: Mit Vertretern der Stadt Baden-Baden haben Gespräche stattgefunden. Die Beteiligten sind dem Synagogenbauprojekt gegenüber aufgeschlossen und positiv eingestellt.

goodnews4: Die ehemalige Synagoge stand mitten in der Stadt, in der Stephanienstraße. Das Grundstück wurde in den 50er Jahren durch einen Verlag erworben. Dort befindet sich jetzt ein Parkplatz. Gab es auch Kontakte mit den Eigentümern, um dieses Grundstück wieder zu erwerben?

Rami Suliman: Juden ziehen die Lage ihrer Synagoge fußläufig in der Stadtmitte immer einer (schlechter erreichbaren) Randlage vor. Der historische Standort der Synagoge in Baden-Baden war im Zentrum der Stadt. Nach unserer aktuellen Recherche ist aber nicht sicher, ob ein Synagogenbauprojekt am historischen Platz in Baden-Baden realisierbar wäre. Die wirtschaftlichen Mittel der IRG Baden sind begrenzt. Für einen Grundstückserwerb und einen Synagogenneubau im Herzen der Stadt Baden-Baden würden erhebliche Mittel benötigt, die unsere Möglichkeiten übersteigen könnten. Die Idee, den historischen Standort mit einem Synagogenneubau wiederbeleben zu können, aber fasziniert uns sehr.

goodnews4: Sollen denn Ihrer Ansicht nach die Bürger Baden-Badens – jüdische und nichtjüdische – mitdiskutieren über einen angemessenen Standort für die neue Synagoge?

Rami Suliman: Die Entscheidung über den Bau einer Synagoge in Baden-Baden ist eine jüdische Angelegenheit. Deswegen sind die dafür nötigen Entscheidungen von der Kultusgemeinde und dem Oberrat zu treffen. Eine Bürgerbeteiligung bei innerjüdischen, eng mit dem Glauben verbundenen Fragen kann es nicht geben. Die fertige Synagoge allerdings wird allen Bürgern Baden-Badens offenstehen.


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