Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

Unter dem Putz der Baden-Badener Kunsthalle liegen gewaltige Schätze - Künstlerische Gewaltaktion in der Lichtentaler Allee - Johan Holten lädt ein: "Die Wand angreifen und zerstückeln"

Unter dem Putz der Baden-Badener Kunsthalle liegen gewaltige Schätze - Künstlerische Gewaltaktion in der Lichtentaler Allee - Johan Holten lädt ein: "Die Wand angreifen und zerstückeln"

Bericht: Christian Frietsch

goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Johan Holten

Baden-Baden, 24.07.13, 01:45 Uhr Die Bürger des Landes Baden-Württemberg finanzieren die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden mit ihren Steuergeldern. Nun ruft die Kunsthalle auf zur Gewalt, natürlich unter dem schützenden Mantel der fast alles tolerierenden Kunst. Jeder ist eingeladen und soll «die Wand angreifen und zerstückeln», fordert Kunsthallen-Impresario Johan Holten im goodnews4-VIDEO-Interview zur künstlerischen Gewalt auf. Eine martialische Abrissbirne pendelt vor einer weißen Wand lustvoll hin und her und lauert auf einen gewaltbereiten Kunsthallen-Besucher, der die Birne mit einem Stoß antreibt, um in die heilige Wand der Kunsthalle einzuschlagen. Und da nach Josef Beuys jeder Mensch ein Künstler ist, wird die Zerstörung in der Wand zur Kunst. Doch nicht Zerstörung und Gewalt als Selbstzweck sind der Sinn der Aktion.

Bild Abrissbirne in der Kunsthalle Ein Schatz wird in diesen Tagen gehoben in der Kunsthalle in Baden-Baden. In den 1970er Jahren kamen Künstler «auf die Idee, nicht nur Bilder und Objekte zu machen, die an der Wand aufgehängt werden könnten, sondern den ganze Raum als Fläche für Kunst zu betrachten». So liegen unter dem Putz der Baden-Badener Kunsthalle gewaltige Schätze. Nur ein Banause käme auf die Idee, die 10 oder 20 Schichten hochzurechnen, um den Wert von vielen Hundert Quadratmetern hochbezahlter Kunst in Euro-Millionen umzurechnen. Nein, der wahre Schatz sind die Ideale vom Schönen und Wahren. «Unzählige Farbschichten − Millimeter für Millimeter von Künstlern wie Blinky Palermo, Helmut Middendorf oder Hamish Fulton aufgetragen», schaffen einen Mythos, den jeder Baden-Badener und auch jeder sonstige angereiste Mensch, der sich ja per se ein Künstler fühlen oder eben mit der Abrissbirne martialisch agieren darf. Und geladen zu den Schichten unter dem Putz der Kunsthalle sind auch die vielen Schichten der Direktoren der vergangenen Tage seit den glorreichen Fünfzigern, als die internationale Karriere unserer steuerlich begünstigten Oase in der Lichtentaler Allee der freien Kunst ihren Lauf nahm. Ein Wiedersehen gibt es mit dem legendären Klaus Gallwitz und auch mit Matthias Winzen und Karola Kraus, den Wilden der neueren Zeit. Das als die «Auf Zeit. Was hinter dem Putz steckt» titulierte Putz-Freilegungs-Happening ist ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Kunsthallen in Bielefeld und Baden-Baden. Und für diesen oder jenen Baden-Baden Wutbürger wartet die Abrissbirne noch bis zum 27. Oktober, einigen Anlass zum Frust abladen und auf den Putz zu hauen gibt es ja doch ab und an in diesen Tagen. Die Dokumentation historischer Wandarbeiten in der Kunsthalle umfasst Werke von: Holger Bunk, Daniel Buren, Günther Förg, Hamish Fulton, Michaela Melián, Gerhard Merz, Helmut Middendorf, Blinky Palermo, Giuseppe Penone, Tobias Rehberger, Karin Sander, K.R.H. Sonderborg und Corinne Wasmuht. Die Staatliche Kunsthalle ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im goodnews4-VIDEO-Interview mit Nadja Milke erklärt Johan Holten, warum man nun endlich einmal auf den Putz hauen sollte.

goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Johan Holten