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Aus dem Rathaus Rastatt

Bäume sterben in Rastatt - „Dramatisch für den Rastatter Stadtwald“- „Eschensterben ist Folge des Klimawandels“

Bäume sterben in Rastatt - „Dramatisch für den Rastatter Stadtwald“- „Eschensterben ist Folge des Klimawandels“
Foto: Rathaus Rastatt

Rastatt, 15.01.2016, Bericht: Rathaus Forstliche Versuchsanstalten aus ganz Europa arbeiten zusammen an einem großen Problem: dem Eschensterben.

Rund 95 Prozent der Eschen sind davon betroffen. So auch die Eschen in Rastatt. Als «dramatisch» bezeichnet Martin Koch, Kundenbereichsleiter Forst, die Auswirkungen des Eschensterbens auf den Rastatter Stadtwald, der zu 23 Prozent aus Eschen besteht. Vor allem in den Rastatter Hartholzauenwäldern spielen sie eine große Rolle. Da vor rund 50 Jahren oftmals großflächiger Eschenanbau gefördert wurde, sterben diese großen, zusammenhängenden Flächen nun auch fast zeitgleich weg. Dies führt teilweise zu völlig anderen Waldbildern mit einer zunehmenden Verkrautung und Vergrasung.

Auslöser des Eschensterbens ist «Chalara fraxinea», die Nebenfruchtform des Pilzes «Falscher Weißer Stengelbecherchen», der aus Ost-Asien eingeschleppt wurde. Wie Koch erklärt, stellt man bei Befall zunächst Veränderungen in der Laubkrone der Eschen fest. An den Außenkronen sind dann bereits tote Triebspitzen sichtbar. «Die Esche kompensiert das im weiteren Krankheitsverlauf mit zusätzlichen Ersatztrieben an den Kronenästen. Diese nehmen dann eine besenförmige Struktur an», erklärt der Forstwirt. Wenn die Laubkrone bereits die Hälfte oder mehr ihrer Blätter verloren hat, bildet sich eine regelrechte Sekundärkrone am Stamm. Einzelne starke Äste brechen bereits aus. «Der Blattverlust und die Astbrüche schreiten im Krankheitsverlauf immer weiter voran, bis die Eschen schließlich vollkommen kahl sind», so Koch weiter.

Hallimasch-Arten − das sind parasitäre, holzzersetzende Pilze − haben ebenfalls großen Anteil am Eschensterben. Die Pilze siedeln sich oft ringförmig um den Stamm-Fuß der Esche und zerstören so die durch Chalara fraxinea vorgeschädigten Wurzeln und das Kambium. Dadurch stirbt der Baum schließlich. Häufig verursacht der Hallimasch auch ein Aufplatzen der Rinde. Diese Pilze gedeihen vor allem unter feuchten und warmen Bedingungen. «Ich vermute, dass das Eschensterben auch eine Folge des Klimawandels ist», so Koch. «Denn die klimatischen Bedingungen für das Pilzwachstum werden immer besser.» Koch ist überzeugt: Das Eschensterben wird Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht haben. Allerdings sei das Ökosystem Wald komplex, ähnlich wie ein Spinnennetz. «Zieht man an einem Faden, so wackelt es auch an einer anderen Stelle.» Deshalb lassen sich die Folgen jetzt noch nicht absehen. Sicher ist jedoch: Der Wald wird sich langfristig zumindest teilweise selbst regenerieren.

Wie Koch berichtet, kann das Eschensterben durch die Falschen Weißen Stengelbecherchen nicht direkt bekämpft werden. Hoffnung bestehe allerdings, dass sich irgendwann resistente Bäume ausbilden. In nordischen Ländern sei das teilweise schon geschehen. Diese Bäume eignen sich als Forschungsobjekte für die Zukunft der Esche.

Bis dahin müsse der Forst stark befallene Bäume fällen. Gesunde oder nur leicht befallene Bäume können aber stehen bleiben. «Es findet kein prophylaktisches Schlagen von Eschen statt», stellt Koch klar. An Wegen und Straßen jedoch besteht ein hohes Risiko, dass kranke Eschen unvermittelt umstürzen oder dass es zu Astbrüchen kommt. Hier müssen die Bäume entfernt werden. Allerdings nur von Profis, denn Fällarbeiten bei Eschen sind gefährlich. Da das Eschenholz unter besonders hohen Spannungen steht, kann der Stamm bei der Fällung auf einer Länge von bis zu 15 Metern zerbrechen und durch absplitternde Bruchstücke die Arbeiter gefährden. «Hierfür bedarf es daher großer Erfahrung», betont Koch.

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