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Ein Gedicht zum Wochenende – „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke

Ein Gedicht zum Wochenende – „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke
Rainer Maria Rilke etwa im Jahr 1900. Foto: Public domain, via Wikimedia Commons

Baden-Baden, 31.01.2026, Bericht: Redaktion Diese kleine goodnews4-Serie hilft vielleicht zu erkennen, dass nichts so flüchtig ist wie die tägliche Nachricht.

Ein kleines Gedicht zur Inspiration, vielleicht auch zum Sinnieren und gelegentlich auch zum Schmunzeln. Ausgesucht von Christian Frietsch.

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke

österreichischer Lyriker

Geboren: 4. Dezember 1875, Prag, Tschechien
Gestorben: 29. Dezember 1926, Montreux, Schweiz




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