Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“– „Gründe dafür sowohl in der Bundespolitik als auch hier vor Ort“ – Zum goodnews4-Bericht „AfD auch in Baden-Baden und Rastatt vorne“

Baden-Baden, 16.07.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Christian Schneider Stellung zu dem goodnews4-Bericht AfD auch in Baden-Baden und Rastatt vorne – INSA-Prognose für Wahlkreis 273 Rastatt: AfD 32,6 Prozent, CDU 29,9.

Wie goodnews4 berichtet, liegt die AfD in unserem Bundestagswahlkreis nach einer INSA-Umfrage mit knapp 3 Prozentpunkten vor der bisher führenden CDU. Die Gründe dafür dürften sowohl in der Bundespolitik als auch hier vor Ort zu finden sein. Bundeskanzler Merz hat viele Wähler enttäuscht. Er kennt zwar vermutlich den Handlungsbedarf, wenn es z.B. um die dramatische De-Industrialisierung Deutschlands, die massiv steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen oder um die Sicherung der Renten geht. Er hat aber viele Wähler enttäuscht, weil er zahlreiche Wahlversprechen nicht gehalten hat. Zudem hat sich die Union insgesamt mit der Brandmauer in eine strategische Sackgasse manövriert, in der sie sich vom Wohlwollen der SPD bzw. bei Bedarf der Grünen oder gar der Linken abhängig macht. Viele CDU-Wähler beklagen daher, dass sie mit ihrer Stimme ungewollt eine eher linke Politik wählen.

 

Die Brandmauer mag gut gemeint sein, treibt aber faktisch der AfD Wähler zu. Die AfD selbst bietet weder inhaltlich noch in ihrem Agieren den Wählern eine seriöse Alternative: Mit ihren Überlegungen, z.B. aus der EU und/oder der NATO auszutreten, und ihren undurchdachten Finanzkonzepten würde sie in der Regierungsverantwortung dem Standort Deutschland massiv schaden. Dass Forderungen nach dem Ersatz christlicher Feiertage durch «Sonnwendfeiern» oder dass das Absingen der DDR-Hymne durch den Bundesvorsitzenden Chrupalla sowie das oft unparlamentarische Verhalten der AfD-Abgeordneten nicht eben vertrauensbildend wirken, bedarf keiner besonderen Erwähnung.

Der CDU ist daher zu raten, der AfD klare rote Linien aufzuzeigen und es konstruktiv in Kauf zu nehmen, wenn die AfD vernünftige CDU-Vorhaben unterstützt. Eine Gesetzesvorlage ist ja nicht allein deshalb schlecht, wenn auch die AfD zustimmt. Die Union würde so wieder Handlungsfähigkeit gegenüber der SPD gewinnen.

Bei alledem bieten sich für die FDP, die man im Bundestag schmerzlich vermisst, neue Chancen. Mehr denn je brauchen wir eine starke liberale Partei, die mit Augenmaß, wirtschaftlicher Vernunft und als konsequente Anwältin bürgerlicher Freiheit per se ein respektables Wählerpotential hat.

Auf der lokalen Ebene sind die hohen Umfragewerte für die AfD sicher auch Ergebnis einer gewissen Entfremdung zwischen der Wählerschaft und der örtlichen CDU. Diese Entfremdung wurde bereits bei der OB-Wahl in Baden-Baden erkennbar, als die CDU eine externe Kandidatin unterstützte, die einer Mehrheit der Wähler nun wirklich nicht vermittelbar war. Auch der örtliche Bundestagsabgeordnete Whittaker wird nun gewiss hinterfragen, ob und wie seine Verdrahtung mit seiner Wählerschaft verbessert werden könnte. Mein sicher subjektiver Rat: Mehr Sachdialog (z.B. auch über die goodnews!) und weniger TikTok!

Christian Schneider
Baden-Baden


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