Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum goodnews4-Bericht „Stadträtin Beate Schneider plädiert ‚für Haltung statt Unterstellungen‘“ – „Warum denkt sie dabei nur an die Zeit von 1933 bis 1945?“

Baden-Baden, 22.10.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Eugen Schmidt Stellung zu dem goodnews4-Bericht «Shalom – Frieden. Nicht als leere Floskel» – Stadträtin Beate Schneider plädiert «für Haltung statt Unterstellungen» – «Antwort an Herrn Julian Beck».

Frau Schneider schreibt in ihrem Statement: «Ich habe aus der deutschen Geschichte gelernt.» Aber warum denkt sie dabei nur an die Zeit von 1933 bis 1945. Und nicht auch an die Zeit ab 1946 in der DDR (Deutsche Demokratische Republik) und das Regime der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschland)? Es mag für viele Deutsche nicht opportun sein, daran zu erinnern, weil es heute nicht mehr in unser Geschichtsbild passt.

 

Ich erinnere: Die SED, gegründet 1946 in Ostberlin von dem Sozialdemokraten Otto Grotewohl und dem Kommunisten Wilhelm Pieck errichtete ein System der Drangsalierung und Unterdrückung, das für viele Menschen nicht erträglich war. Ihr Staat, die DDR, wurde 1949 als Arbeiter- und Bauernstaat getauft. Von da an bis zum Mauerbau im August 1961 flüchteten oder übersiedelten 4 Millionen Menschen in den Westen, fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung der DDR. Und auch nach dem Mauerbau bis zum Beitritt der DDR zur BRD waren es noch einmal etwa 800 Tausend Menschen, die trotz Todesgefahr flüchteten oder eine mit viel Geld erkaufte Ausreisegenehmigung erhielten. Bei der Flucht aus der DDR wurden nach 1961 allein in Berlin 140 Menschen von der Volkspolizei oder speziellen Grenzschützern erschossen. Anderswo an der Grenzlinie kamen noch etwa 500 Personen zu Tode. Und 75 Tausend Menschen (Republikfeinde?) wurden in besondere Gefängnisse gesteckt, wie z. B. in das sogenannte «Gelbe Elend» in Bautzen.

Die Drangsalierung Andersdenkender in der DDR wird in dem Film «Das Leben der Anderen» mit dem Schauspieler Ulrich Mühe als Stasi-Offizier gut dargestellt. Oder man lese über die Zersetzung des Lebens der späteren Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld. Familien wurden von Stasi, Volkspolizei und IMs zerstört, Kinder zur Zwangsadoption freigegeben, berufliche Karrieren von Familien und deren Nachkommen verhindert.

Die Partei SED existierte nach der «Wende» weiter. Ihr letzter Vorsitzende, Dr. Gregor Gysi, brachte noch schnell die 24 Milliarden DM Parteivermögen in Sicherheit. Weder eine Sonderkommission der BRD noch ein Bundestagsuntersuchungsausschuss konnten in den 90er-Jahren und den frühen 2000er-Jahren den Verbleib dieses Geldes klären. Die SED begann sich in der BRD umzubennen in PDS und letztlich in «Die Linke».

Sowohl unsere Mainstream-Medien wie auch die Demokratie-Erzieher an Schulen und Universitäten wollen an diesen Teil der deutschen Geschichte nicht erinnern. Die jüngere Generation von heute weiß nichts davon, wahrscheinlich auch die Stadträtin Frau Beate Schneider nicht!

Eugen Schmidt
Baden-Baden


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