Warnstreik

Morgen Streik in Casino Baden-Baden – Erstmals in der Geschichte – ver.di rechnet „mit erheblichen Auswirkungen“ auf Spielbetrieb

Morgen Streik in Casino Baden-Baden – Erstmals in der Geschichte – ver.di rechnet „mit erheblichen Auswirkungen“ auf Spielbetrieb
Zum ersten Mal in der Geschichte der Baden-Württembergischen Spielbanken streiken morgen die Mitarbeiter. Foto: Archiv

Baden-Baden, 29.05.2026, 11:00 Uhr, Bericht: Redaktion Erstmals in der Geschichte der Baden-Württembergischen Spielbanken streiken die Mitarbeiter. Betroffen sind neben Baden-Baden auch die Standorte Stuttgart und Konstanz. Im Tarifkonflikt mit den baden-württembergischen Spielbanken ruft die Gewerkschaft ver.di für morgen zu dem Warnstreik auf.

Seit der Verstaatlichung des Casino Baden-Baden gehört auch die traditionsreichste Spielbank des Landes zu der hundertprozentigen Landestochter Baden-Württembergische Spielbanken GmbH. Gestreikt wird nach Angaben von ver.di in den Casinos des Landesunternehmens in Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz ab 16 Uhr bis zum Ende des Samstag-Betriebes, gegen vier Uhr am Sonntag früh. ver.di rechnet «mit erheblichen Auswirkungen auf den Spielbetrieb». Vor Ort werden es jeweils kleinere Streikversammlungen vor den Casinos angekündigt.

 

Der staatliche Arbeitgeber habe ohne vorherige Gespräche bereits im September 2025 alle Tarifverträge gekündigt, darunter auch die betriebliche Gesundheitsförderung und sogar den Altersvorsorgetarifvertrag, heißt es in der Mitteilung von ver.di. In zwei Gesprächsrunde zum ausgelaufenen Gehaltstarifvertrag in diesem Frühjahr, zuletzt am 13. Mai, sei es nicht gelungen, ein Ergebnis zu erzielen, heißt es seitens ver.di. Einen neuen Verhandlungstermin gebe es nicht. «Ein ultimatives letztes Angebot des Arbeitgebers mit nicht tabellenwirksamen monatlichen Einmalzahlungen für 2026, gesendet erst nach Bekanntwerden der Streikpläne, hat die Tarifkommission gestern Abend abgelehnt», heißt es seitens der Gewerkschaft.

Frank Hawel, ver.di Verhandlungsführer: «Nach der Kündigung aller Tarifverträge im Herbst 2025 durch den Arbeitgeber und fehlender Kompromissbereitschaft im Frühjahr 2026, sagen jetzt wir: rien ne va plus. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten jede Nacht an Orten, in denen Geld scheinbar keine Rolle spielt. Außer es geht um ihre Arbeitsbedingungen. Wir rufen bewusst an einem Samstag, dem Haupteinnahmetag, zu diesem ersten Streik in der Geschichte der baden-württembergischen Casinos auf. Zwölf Prozent Gewinn im letzten Jahr müssen sich in einem Tarifergebnis widerspiegeln.»

Maike Schollenberger, ver.di Landesbezirksleiterin: «Es ist absolut in Ordnung, dass die Spielbanken für das Land Baden-Württemberg eine kleine, aber feine Cashcow sind. Die Beschäftigten sind es nicht. Und es ist irritierend, wenn eine hundertprozentige Landestochter alle Tarifverträge kündigt, anstatt wie bisher sozialpartnerschaftlich für beide Seiten faire Kompromisse zu suchen.»

ver.di fordert in der laufenden Gehaltstarifrunde einen Sockelbetrag von 350 Euro plus drei Prozent rückwirkend zum 1. Januar 2026. Einige Beschäftigtengruppen in den Spielbanken würden beim tariflichen Gehalt ohne Trinkgelder, dem sogenannten «Tronc», sogar unter dem Mindestlohn liegen, erklärt ver.di. Mit der Umsetzung der EU-Bargeldrichtlinie 2027 würden erhebliche Einbußen bei den Trinkgeldern drohen, so ver.di. In den drei Spielbanken arbeiten über 500 Beschäftigte. Chef des Staatsunternehmens ist der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Tobis Wald aus Ottersweier.




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