Verein will „Stadtbild-Affinität“ abfragen

Stadtbild-Chef Wolfgang Niedermaier ratlos wegen einiger OB-Kandidaten – „Der Rest ist Schweigen“

Stadtbild-Chef Wolfgang Niedermaier ratlos wegen einiger OB-Kandidaten – „Der Rest ist Schweigen“
Wolfgang Niedermeyer, 1. Vorsitzender des Vereins Stadtbild Baden-Baden e.V.. Foto: Archiv

Baden-Baden, 30.01.2026, Bericht: Redaktion Bei ihrem Bemühen, die Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl zu einem Dialog zu bewegen, tut sich der Verein Stadtbild Baden-Baden nicht leicht.

«Leider haben bisher nur zwei Kandidaten eine Wahlplattform eingerichtet und ihre Mailadressen offengelegt», bedauert Wolfgang Niedermeyer den fehlenden Zugang zu einigen OB-Kandidaten. «Zwei weitere lassen sich recherchieren. Der Rest ist Schweigen», zeigt sich der Vorsitzende des Vereins Stadtbild Baden-Baden etwas ratlos über die Kommunikationsbereitschaft einiger der OB-Kandidaten. Grund der Kontaktsuche sind die sogenannten «Stadtbild-Wahlprüfsteine», die der Verein den Kandidaten zukommen lassen will. Mit zwölf Fragen will der Verein so von den Kandidaten erfahren, «um ihre Stadtbild-Affinität abzufragen».

 

«Vielleicht lassen die sich über die Presse erreichen», hofft Wolfgang Niedermeyer, dass sich noch einige der Kandidaten der Baden-Badener OB-Wahl beim Verein Stadtbild melden.

Das Schreiben des Vereins Stadtbild Baden-Baden an die OB-Kandidaten im Wortlaut:

Sehr geehrte Kandidatin, sehr geehrter Kandidat,

Sie wollen Oberbürgermeister in Baden-Baden werden,
Sie wissen, dass unsere Stadt derzeit und mittelfristig keinen finanziellen Gestaltungsspielraum hat und ein Sanierungsfall ist.
Sie wissen, dass die finanzielle Leistungsfähigkeit Baden-Badens nicht ausreicht, um die Aufgaben als kreisfreie Stadt wahrzunehmen und gleichzeitig eine nachhaltige Stadtentwicklung für alle Bürger sicherzustellen.
Sie wissen, dass mit der Verwaltungsstruktur einer weit über 1000-köpfigen Behörde hin- und her experimentiert wurde.
Sie wissen, dass Baden-Baden einmal für ein internationales Publikum als attraktive Kur- und Kulturstadt galt und seit Jahren ständig an Niveau verliert.
Sie wissen, dass die Verwaltung einen Kahlschlag bei den «freiwilligen Leistungen» im Kulturbereich wollte, der von den betroffenen Institutionen – untergehakt mit ihren Freunden und Förderern – minimiert werden konnte.
Sie wissen, dass vor fünf Jahren die Aufnahme in das Weltkulturerbe gelang und bisher weder für Bürger noch Gäste erlebbar gemacht wird.
Sie wissen, dass den Bürgern seit Jahren erzählt wird: Schuld sind an unserer Misere seien die Anderen.
Sie wissen, dass Ihr Vorgänger den Belastungen nicht standgehalten hat und der OB-Sessel seit längerem verwaist ist.

Sie bewerben sich um die Führungsposition dieser Stadt, wohl um mit Sachverstand, Entschlusskraft, Führungsstärke und Stehvermögen Lösungen zur Beendigung dieser Abwärtsspirale aufzuzeigen und umsetzen.

Anbei unsere «Stadtbild-Wahlprüfsteine» für die Kandidatinnen und Kandidaten. Lassen Sie uns bis zum 13.02.2026 wissen, wie Sie zu den Teilaspekten stehen. Auch mit einem ehrlichen «Keine Beantwortung möglich» sind wir zufrieden, wenn Sie sich die Sachkenntnis erst erarbeiten wollen.

Unser nächster StadtbildTreff an dem Sie auch gern persönlich Stellung nehmen können, findet am 18. Februar 2026 um 18.30 in der Gaststätte Goldener Löwe in Lichtental statt.

Mit freundlichen Grüßen
Stadtbild Baden-Baden e.V.

Wolfgang Niedermeyer
Vorsitzender

STADTBILD-WAHLPRÜFSTEINE OB-WAHL 2026

1. Für das beschlossene Forum Welterbe gilt derzeit: Die Verwaltung will großzügig planen – Private sollen zahlen. Sehen Sie sich beim Welterbe auch als Bittsteller, oder wollen Sie eigene Initiative entwickeln?

2. Baden-Baden lebt vom Tourismus, der lahmt trotz hoher Marketing- und Personalaufwendungen. Ist das für Sie Chefsache?

3. Baden-Baden führt seit Jahren eine Leitbilddiskussion. Was wäre Ihre Priorität?

4. Impulse für die Belebung der Innenstadt und Altstadt benötigen Investitionen – Sie verwalten leere Kassen. Sind Sie für mehr verantwortliche Übertragung auf die Partner aus Handel, Gewerbe und Gastronomie?

5. Seit Jahren sind grundsätzliche Verkehrsleit- und Lenkungsprobleme nicht gelöst. Die Erreichbarkeit der Innenstadt wird für Bürger und Gäste immer unattraktiver. Hat ein Generalverkehrsplan, auch für ruhenden Verkehr und ausuferndem Bustourismus Priorität bei Ihnen?

6. Das Neue Schloss bröckelt von Jahr zu Jahr progressiver vor sich hin. Was sind Ihre Pläne?

7. Die Qualität des öffentlichen Raums nimmt wegen Unterfinanzierung rapide ab. Wie wären Ihre Investitionsprioritäten?

8. Was halten Sie von Entschleunigung des Verkehrs mittels durchgehender Tempolimits und verkehrsberuhigter Zonen?

9. Was halten Sie von digitaler Offenlage aller kommunalen Aktivitäten und damit verbundener Bürgerbeteiligung?

10. Platzgestaltungen, öffentliche Denkmäler, Straßennamen, etc. werden ohne vorherige öffentliche Diskussion, an der Bürgerschaft vorbei vorentschieden. Werden Sie vermehrt auf die Möglichkeit von Bürgerbeteiligung (digitales Beteiligungsportal) setzen?

11. Die Stadtsauberkeit, besonders in den Fußgängerzonen, wartet seit Jahren auf eine Lösung im Sinne eines angemessenen Kurstadtambientes. Hat das bei Ihnen Priorität?

12. Die Ortsteile bringen ihre Interessen durch selbstbewusste Ortschaftsräte ein. Die Innenstadt hat für ihre Probleme kein Forum. Würden Sie das ändern?




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