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Ursache für Fehler in Brandmeldeanlage noch unbekannt

Verkehrs-Supergau droht Baden-Baden bei Tunnelsperrung – Bürgermeister Alexander Uhlig: "Damoklesschwert"

Verkehrs-Supergau droht Baden-Baden bei Tunnelsperrung – Bürgermeister Alexander Uhlig: "Damoklesschwert"
Eigentlich müsste der Michaelstunnel den Namen „Walter-Carlein-Tunnel“ erhalten. Fotos: goodnews4-Archiv

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Alexander Uhlig

Baden-Baden, 14.08.2019, 14:30 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Eigentlich müsste der Michaelstunnel den Namen «Walter-Carlein-Tunnel» erhalten. Der legendäre Baden-Badener Alt-Oberbürgermeister setzte gegen einige Widerstände den Bau des 1989 fertiggestellten Tunnels durch, ohne den die Verkehrssituation in Baden-Baden in diesen Tagen wohl vollständig kollabieren würde. Der Michaelstunnel ist 2,5 Kilometer lang und wird täglich von 15.000 bis 20.000 Autos befahren.

Spüren kann man die Vorstellung der Verkehrssituation ohne einen Tunnel immer dann, wenn der Tunnel wie in diesen Tagen aus technischen Gründen gesperrt werden muss. Für die von zahllosen Baustellen geplagte Baden-Badener Innenstadt wäre ein längerfristiger Ausfall des Michaelstunnels ein verkehrstechnischer Supergau. Auch Alexander Uhlig ist besorgt.

«Also wenn die Ursachenforschung kein Ergebnis mit sich bringt und dieses Damoklesschwert einer jederzeitigen, sofortigen Tunnelsperrung über uns schweben würde, dann ist das ein untragbarer Zustand und dann muss man natürlich an einen Systemtausch denken», macht der Baubürgermeister im goodnews4-VIDEO-Interview deutlich, dass ohne Michaelstunnel in Baden-Baden kaum noch etwas läuft im Straßenverkehr.

Nach den planmäßigen Reinigungsarbeiten von Donnerstag, 8. August 2019, 20.00 Uhr, bis Freitag, 9. August 2019, 5.30 Uhr, ließ sich die Brandmeldeanlage nicht mehr hochfahren. Der Tunnel blieb am Freitag bis 13.00 Uhr gesperrt, was ein großes Verkehrschaos in der Innenstadt zur Folge hatte. Ab Freitag 13.00 Uhr wurden dann insgesamt zehn Mitarbeiter der Stadtwerke eingesetzt, die immer zu zweit die Bilder der insgesamt 50 Kameras, die im Tunnel installiert sind, im Blick hatten, um Alarm zu geben, falls es zu einem Brand kommen sollte. Der Tunnel konnte so tagsüber von 6 bis 20.00 Uhr geöffnet bleiben und musste nur nachts gesperrt werden. Zwei Auswerteeinheiten der automatischen Brandmeldeanlage mussten ausgetauscht werden. Seit Montagabend ist die Anlage wieder in Betrieb und der Tunnel durchgehend geöffnet. Nach der Ursache für den Ausfall der Anlage muss noch weiter geforscht werden. Neben der Firma PKE aus Wien als Vertragspartner für den technischen Betrieb des Michaelstunnels führt die Firma Securiton aus Achern die technischen Arbeiten vor Ort aus. Securiton hat nach eigenen Angaben nun die in solch einem Fall auszutauschende Hardware «doppelt gelagert» und hält auch Personal vor, das bei einem Ausfall die Komponenten austauschen kann.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Alexander Uhlig, Erster Bürgermeister von Baden-Baden:

goodnews4: Herr Uhlig, der Michaelstunnel bereitet Ihnen und auch den Baden-Badenern Kopfzerbrechen seit einigen Tagen. Mit welchen Problemen haben Sie aktuell zu kämpfen, die auch die Sperrungen der letzten Tage verursacht haben?

Alexander Uhlig: Einzelne Komponenten, die im Tunnel verbaut sind, kommunizieren nicht miteinander und es gibt Störungsmeldungen. Und wenn es eine Störung gibt, gerade in der Brandmeldetechnik, dann ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet und dann muss der Tunnel geschlossen werden.

goodnews4: Funktioniert denn im Augenblick wieder alles?

Alexander Uhlig: Im Moment funktioniert wieder alles.

goodnews4: Wie weit ist man denn in der Ursachenforschung, weiß man, was die Ursache für diese Fehlermeldung war?

Alexander Uhlig: Die Firmen, die die Anlage eingebaut haben, sind dran, haben ja auch Komponenten getauscht und neue Software aufgespielt, sind allerdings noch in der Ursachenforschung. Unter dem Strich muss man sagen, dass im Moment der Fehler noch nicht bekannt ist und dementsprechend auch wieder auftreten könnte.

goodnews4: Jetzt wurde vor acht Jahren der Michaelstunnel ja aufwändig saniert und war ein Jahr lang gesperrt – das war natürlich noch vor Ihrer Zeit – wurde denn damals etwas versäumt oder ist die Technik so schnell veraltet oder ist der Tunnel so fehleranfällig?

Alexander Uhlig: Also da kann ich natürlich auf keinerlei Wissen zurückgreifen. Generell muss man bei Technik sagen, es ist jetzt gerade egal ob man die Tunneltechnik nimmt oder ein Handy beispielsweise anschaut, Handys von heute sind mit Handys von vor acht Jahren nicht mehr vergleichbar. Andere hochtechnische Objekte sind zum Beispiel Flugzeuge, die fliegen 15 Jahre, zwanzig Jahre, werden aber auch immer wieder regelmäßig gewartet und auf den neuesten Stand gebracht, sodass man auch nicht sagen kann, nur ein nagelneues Flugzeug ist absolut in Ordnung – das sieht man ja jetzt gerade bei den Problemen, die Boeing hat mit nigelnagelneuen Flugzeugen, die bedauerlicherweise abstürzen, und andere Maschinen fliegen zwanzig Jahre Millionen von Kilometer, ohne dass es ein Problem gibt mit regelmäßiger Wartung. Also Neu und Alt kann nie so ganz genau – das eine ist gut und das andere ist schlecht – nebeneinandergestellt werden, sondern man muss sich einfach der Sache widmen. Der Tunnel wird regelmäßig gewartet, aber warum es jetzt zu diesen Problemen kommt – ich weiß es nicht. Die Firmen sind dran, diese Ursachen in Erfahrung zu bringen und dann die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

goodnews4: Könnte es denn sein, dass man diese Brandmeldeanlage austauschen muss und kann man schon absehen, was das bedeuten würde – also würde das wieder eine monatelange Sperrung des Tunnels nach sich ziehen?

Alexander Uhlig: Also wenn die Ursachenforschung kein Ergebnis mit sich bringt und dieses Damoklesschwert einer jederzeitigen, sofortigen Tunnelsperrung über schweben würde, dann ist das ein untragbarer Zustand und dann muss man natürlich an einen Systemtausch denken. Das ist gar keine Frage. Aber auch bis es dahin kommt, und da rede ich jetzt gar nicht von der technischen Abwicklung, sondern allein wenn man sagt, welches System baut man da ein, Ausschreibung, Planung und so weiter und so fort – da vergehen ja Monate – auch in dieser Zeit muss der Tunnel benutzt werden könne, betriebssicher benutzt werden können und deswegen ist Ursachenforschung im Moment das A und O.

goodnews4: Seit Freitag bestanden diese Probleme, die Brandmeldeanlage wurde quasi durch Menschen ersetzt, um zumindest tagsüber den Tunnel geöffnet halten zu können. Was kosten denn solche Sperrungen, solche Störungen und wer muss dafür aufkommen?

Alexander Uhlig: Das Meldesystem ist durch Personal, durch Kolleginnen und Kollegen der Stadtwerke ersetzt worden, kompensiert worden und das eigentliche Sicherheitssystem im Tunnel hat funktioniert, das haben wir geprüft, nur die Meldetechnik hat nicht funktioniert. Natürlich fallen da Kosten an, aber da kann ich Ihnen sagen wir stehen in Kontakt mit der Firma, die für die Betriebssicherheit der Anlage verantwortlich ist und da müssen Sie sich keine Sorgen machen.

goodnews4: Apropos Sorgen: Muss man sich denn Sorgen machen, dass solche Sperrungen öfter passieren? Wir sind mitten im Sommer und wir haben viele Gäste in der Stadt, es stehen auch große Veranstaltungen bevor: Das Kurpark-Meeting parallel zur Rennwoche, wo viele Gäste nach Baden-Baden kommen, das New Pop Festival, im Oktober dann die großen Kongresse mit den Rückversicherern. Kann man denn ausschließen, dass so etwas wie in den letzten Tagen wieder passiert in naher Zukunft?

Alexander Uhlig: Also dort, wo Technik eingesetzt wird, kann man es nie ausschließen. Sie filmen jetzt gerade mit der Kamera, die Kamera kann ausfallen und das Bild ist schwarz oder der Ton fällt aus. Aber der Tunnel ist dazu da, um benutzt werden zu können und wir tun alles dafür, dass es auch so geschieht, dass es auch passt.

goodnews4: Ich bedanke mich, Herr Uhlig.

Alexander Uhlig: Sehr gerne.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.


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