Offener Brief

Baden-Badener Michael Wemhöner protestiert gegen „Barbarei“ in Stuttgart – Büchervernichtung der Württembergischen Landesbibliothek

Baden-Badener Michael Wemhöner protestiert gegen „Barbarei“ in Stuttgart – Büchervernichtung der Württembergischen Landesbibliothek
Foto: Michael Wemhöfer

Baden-Baden, 11.04.2026, Bericht: Redaktion Seit kurzem bedrücken den Baden-Badener Michael Wemhöfer Nachrichten aus der Württembergischen Landesbibliothek.

In einem Schreiben an die Redaktion macht der goodnews4-Leser auf einen Brandbrief aufmerksam, den er in Zusammenhang mit einer wohl frevelhaften Büchervernichtung der Württembergischen Landesbibliothek verfasste. «Als treuer Abonnent von goodnews4 lasse ich Ihnen meinen Aufschrei auch zukommen», schreibt Michael Wemhöfer. Ihn habe eine Mail der Universität Stuttgart erreicht, in deren Verteiler sich mehr als 50 Adressen befunden hätten. «Ich habe als Bürger dieses Landes und kräftiger Steuerzahler wohl das Recht und vor Allem die Pflicht, einer solchen Barbarei in den Arm zu fallen.»

Der Offene Brief des Baden-Badeners Michael Wemhöfer – «Ein Aufschrei - J’accuse»

Die Zerstörung der Buddha-Statuen in Bamyan, die teilweise Vernichtung von Palmyra durch den IS, die Bombardierung und Inbrandsetzung der Vijećnica, der Nationalbibliothek von Bosnien und Herzegowina in der Nacht vom 25. zum 26. August 1992, die Plünderung irakischer Museen in Bagdad haben die Kulturwelt in Zorn und Aufregung versetzt. Die aktuellen Zerstörungen von Kulturgütern in Museen und Sammlungen in der hart umkämpften Ukraine setzen zu Recht Hilfsprogramme seitens der ICOM (International Council of Museums) und anderer Institutionen in Bewegung. Und ganz im Stillen und Verborgenen findet bei uns, in der Nation der Dichter und Denker, eine Vernichtung von unwiederbringlichen Beständen in der «Bibliothek» für Zeitgeschichte und in der Württembergischen Landesbibliothek statt. Ich habe Bibliothek bewusst in Anführung gesetzt, da das griechische Wort Biblion laut meiner humanistischen Bildung, für die ich ungemein dankbar bin, für Bücher steht.

 

Hier, in diesen sogenannten Bibliotheken, werden seit nun mehreren Jahren gewaltige Buchbestände wissentlich und vorsätzlich vernichtet und niemand gebietet diesem Verbrechen Einhalt, weil es niemand erfährt.

Mir sind etliche Fotoaufnahmen zugespielt worden, die das Ausmaß dieser Büchervernichtung erahnen lassen.

Eine Vernichtung von Büchern in diesem Ausmaß in der Bundesrepublik ist ein beispielloser Vorgang, der unweigerlich an die «Säuberung» von Bibliotheken und Büchereien und anschließender Bücherverbrennung der aussortierten Werke in der düstersten Zeit der deutschen Geschichte erinnert.

Was ist ein Buch? Es beinhaltet die auf Papier «verewigten» und damit in dieser Form veritablen und unveränderbaren Gedanken eines Menschen, mag man hinsichtlich des Inhaltes auch anderer Meinung sein – es bleibt eine Quelle, mit der man sich auseinandersetzen kann. Bücher und das geschriebene Wort sind das Gedächtnis der Menschheit.

Die Gedanken dieser Autoren werden dem Altpapier übergeben. Für mich eine Form von mentalem Genozid.

Bei den von den meisten heute bevorzugten Quellen digitaler Provenienz sehe ich da eher Vorsicht geboten. Was heute real zu sein scheint, sieht morgen völlig anders aus. Das älteste Buch in meinem Bestand ist eine Predigtsammlung aus dem Jahr 1734 und immer noch lesbar. Die Dauerhaftigkeit digitaler Speicherung ist inzwischen mehr als zweifelhaft.

Wenn es grundsätzlich um ein Platzproblem ginge, könnte man ja in den Regalen der Bibelsammlung Raum schaffen: etwa 22.000 Exemplare mit nahezu identischem Text. Entscheidet der Inhalt eines Buches über seine Erhaltungswürdigkeit für kommende Generationen?

Ist es nicht Anliegen und Verpflichtung von uns Allen, nicht nur akademischen Kreisen, museale Sammlungen und Bestände zu bewahren und zu schützen?

Für die verantwortlichen Barbaren kommt mir ein Zitat von G. C. Lichtenberg in den Sinn: «Wenn denn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen, ist es allweil das Buch, das hohl klingt?»

Fallt diesen Barbaren in den Arm und verhindert die Fortsetzung dieser Untat und denkt an den Satz: «Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.» – Heinrich Heine, 1823, aus seiner Tragödie «Almansor»

Laut Aussage des Direktors der Württembergischen Landesbibliothek Dr. Rupert Schaab in einem Interview für das Magazin «Wissen teilen» der WLB sollen in diesem Jahr noch etwa 150.000 Bände vernichtet werden Wenn ich dazu noch daran denke, dass diese Bücher überwiegend mit Steuergeldern beschafft wurden, macht das den Skandal nicht kleiner...




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