Inflation vor 100 Jahren
Baden-Badener Stadtrat Rolf Pilarski erinnert an „schwere Zeiten“ – „Am 15. November 1923 kostete ein Pfund Brot 80 Milliarden Reichsmark“

Baden-Baden, 16.11.2023, Bericht: Redaktion Mit einem Bericht erinnert Rolf Pilarski, Baden-Badener FDP-Fraktionschef, an die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die damalige Inflation brachte Not und Verderben über das Deutsche Reich und wurde zu einer Grundlage für die politische Radikalisierung, die letztlich 1933 zur Machtübernahme durch Adolf Hitler der NSDAP führte.
Die Inflation vor 100 Jahren
Bericht: Rolf Pilarski
Eine konzentrierte Erinnerung an die schwere Zeit vor 100 Jahren in Deutschland. Vor etwa 100 Jahren wurde im Deutschen Reich zur Zeit der Weimarer Republik eine Medaille aus Bronze «Not und Teuerung» mit folgender Prägung ausgegeben:
Avers: Das Bildnis einer Familie mit Kind, wobei die Mutter kniet. Inschrift: Des Deutschen Volkes Leidensweg.
Revers: Am 15. November kostete 1 Pfund Brot 80 Milliarden, 1 Pfund Fleisch 900 Milliarden, 1 Glas Bier 52 Milliarden.
Die Angaben bezogen sich auf den Preis in Reichsmark.
Nach dem ersten Weltkrieg verfiel der Wert der Reichsmark zusehends seit dem Waffenstillstand 1918 und dem im Jahr 1919 geschlossenen Friedensvertrag. An den bis zum Mai 1919 erfolgten Verhandlungen zwischen den Alliierten durfte Deutschland nicht teilnehmen. Deutschland wurde die alleinige Kriegsschuld zugesprochen und sehr hohe Reparationszahlungen an die Siegermächte auferlegt. Der Friedensvertrag, den Deutschland unter Protest unterzeichnete, wurde 1920 wirksam. Die Höhe der Reparationslasten überforderte die Wirtschaftskraft des Deutschen Reiches und es kam in der Folge zur Besetzung des Ruhrgebietes, um die Reparationsleistungen durchzusetzen.
Der Wert der Deutschen Währung ging bis zum Sommer 1922 auf ein Hundertstel des Vorkriegsstandes zurück. Es entwickelte sich eine galoppierende Inflation. Am 8. August 1923 brachen die deutsche Währung und die Lebensmittelversorgung zusammen. Im November vor einhundert Jahren kam es dann zum Höhepunkt der Inflation, der Geldentwertung. Die Ersparnisse der Menschen gingen verloren und es herrschte große Not. Zu dieser Zeit war der Sozialdemokrat Friedrich Ebert Reichspräsident und der liberale Gustav Stresemann war Reichskanzler. Eine Woche nach dem Hitler-Putsch am 9. November 1923 führte das Kabinett Stresemann die Rentenmark ein und läutete damit abrupt das Ende der Inflation ein. Durch Entscheidung der Reichsbank am 20. November entsprach 1 Rentenmark dem Wert von 1 Billion Papiermark (Reichsmark). Die Rentenmark war durch Zwangshypotheken und Grundschulden abgesichert. So musste jeder Immobilienbesitzer 6 Prozent seines diesbezüglichen Vermögens an den Staat abtreten. Bekanntermaßen war die Periode der Weimarer Republik vor allem durch die große Not des deutschen Volkes nach dem ersten Weltkrieg politisch eine sehr labile Zeit, die bald zu der verbrecherischen und menschenverachtenden Diktatur der Nationalsozialisten führen sollte.
Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.







