Aus dem Rathaus Baden-Baden
Bus der Habseligkeiten auch in Baden-Baden – „Menschen mit deutschen und jüdischen Wurzeln, die ihre Heimat in der Sowjetunion verließen“
Baden-Baden, 09.06.2026, Bericht: Rathaus 16 Tage war der «Bus der Habseligkeiten» in unterschiedlichen Stadtteilen Baden-Badens und im Landkreis Rastatt unterwegs. Zwischen dem 11. und 27. Mai schauten am Tag über 100 Neugierige in dem Bus der Stadtwerke vorbei.
Täglich standen zwei Ehrenamtliche zeitweilig unterstützt durch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für Führungen, Erläuterungen und Fragen bereit. Der enorme Zuspruch, vor allem das Interesse bei vielen Jugendlichen, hat das Ausstellungsteam um Angelika Schindler überrascht und besonders gefreut.
Die mobile Ausstellung, ein Projekt des Arbeitskreises Stolpersteine und des Stadtmuseums Baden-Baden, brachte bewegende Geschichten direkt zu den Menschen. Sie erzählt von Zugehörigkeit und Identität, von Heimat und Dingen, die Halt geben. Menschen mit deutschen und jüdischen Wurzeln, die ihre Heimat in der zusammenbrechenden Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten verließen, schildern im «Museum to go» ihre Geschichte. Wer waren sie? Warum kamen sie? Sie sind eine unsichtbare Gruppe in der Stadtgesellschaft. 37 Alltagsgegenstände im Bus erzählen die Geschichte der postsowjetischen Zugewanderten. Auch aktuell vor dem Krieg in der Ukraine Geflüchtete gehörten zu den Teilnehmenden. Über 70 Jugendliche präsentierten aus ihrer Perspektive mit über 150 Collagen, 20 Trickfilmen und einigen verfilmten Theaterperformances die Geschichten hinter den Gegenständen.
Möglich geworden waren mehrere Workshops mit Jugendlichen und Zugewanderten ebenso wie die Einrichtung des Busses als Ort einer Ausstellung durch die Unterstützung von zahlreichen Partnerinnen und Partnern, unter anderem das Zentrum für Kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg (ZfKT), die Schöck-Familien-Stiftung, die Werkmann Bauträger GmbH, die Bürgerstiftung und die Sparkassenstiftung Baden-Baden Gaggenau.
Das vielfältige Begleitprogramm wurde ebenfalls sehr gut angenommen. Außerdem war die mobile Ausstellung ein Impulsgeber für die unterschiedlichsten Aktionen vor Ort – für eine gemeinsame Lesung mit dem Theater, für ein spontanes Konzert der jüdischen Gemeinde, für ein Familienfest in Hügelsheim, eine Schüleraktion in Kuppenheim und einen Gottesdienst mit dem Thema «Habseligkeiten» in der Friedensgemeinde Baden-Baden. Auch aus dem Kreis der Zugewanderten kamen viele Ideen: Führungen in mehreren Sprachen, Kinderschminken und ein Simultan-Damespiel. Der Instagram Account «Museum to go: Bus der Habseligkeiten» verzeichnete in den letzten 30 Tagen insgesamt 245 000 Views. Auf Grund dieses großen Erfolgs fragt das ehrenamtliche Team des Projekts, ob nicht wieder einmal ein «Museum to go» on tour gehen sollte – dann mit einem anderen zivilgesellschaftlichen Projekt.
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