Herbstfestspiele 2026
Das wäre doch mal etwas für Baden-Baden – Bei der Uraufführung kam es zu einer Saalschlacht mit Gebrüll

Baden-Baden, 27.10.2026, Bericht: Redaktion Die Herbstfestspiele Baden-Baden glänzen mit Teodor Currentzis und dem Utopia Orchestra mit Strawinskys «Sacre», die Balthasar-Neumann-Ensembles mit Bachs Brandenburgischen Konzerten, Faurés Requiem und Beethovens Neunter.
Ob es bei «Le Sacre du Printemps» zu einer Saalschlacht kommt im braven Baden-Baden, wie bei der Uraufführung in Paris, wollte das Festspielhaus nicht versprechen.
Die Mitteilung aus dem Festspielhaus Baden-Baden vom 26. Oktober 2026 im Wortlaut:
Im Festspielhaus brilliert der Herbst in vielen Farben und aus dem Opernhaus kommt ein buntes Progamm. Neben den Balthasar-Neumann-Ensembles sind bei den Herbstfestspielen «La Grande Gare» auch das Utopia Orchestra und Teodor Currentzis in Baden-Baden zu Gast. Vom 7. bis 15. November steht Musik im Fokus, die sich den Zuhörenden menschlich nähert. So verzichtete Fauré in seinem «Requiem» auf allzu dramatische Textstellen und deutete die traditionelle Totenmesse ganz anders: lyrisch, melodisch, tröstend. Übermenschlich wird es in Beethovens Neunter (15.11.) sowie bei Johann Sebastian Bach und seinen Brandenburgischen Konzerten (8.11.), archaisch in Strawinskys «Le Sacre du Printemps» und ergreifend in Schostakowitschs Violinkonzert (7.11.). Die Herbstfestspiele werden von der Baden-Württemberg Stiftung unterstützt.
Klangrausch und Seelenzauber: Teodor Currentzis, Daniel Lozakovich und das Utopia Orchestra mit Strawinskys «Le Sacre du Printemps» und Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 1 Samstag, 7.11.2026, 19 Uhr.
Teodor Currentzis kehrt mit seinem Utopia Orchestra nach Baden-Baden zurück. In dem Orchester kommen erstklassige Musiker*innen aus zahlreichen Ensembles zusammen, um mit ihm außergewöhnliche Programme zu erarbeiten. Zur Eröffnung der Herbstfestspiele am Samstag, dem 7. November 2026, erklingen zwei Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts: Strawinskys «Le Sacre du Printemps» sowie Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 1. «Le Sacre du Printemps» komponierte Igor Strawinsky 1913 als letzte seiner drei Ballettmusiken für das Russische Ballett von Djagilew. Bei der Pariser Uraufführung kam es zu einem legendären Theaterskandal, einer regelrechten Saalschlacht mit Gebrüll, Beleidigungen, Prügeleien und Trillerpfeifen, so neu und unerhört empfand das Publikum das Werk. Heute zählt das «Frühlingsopfer» zu den wichtigsten und spektakulärsten Werken der Moderne.
Im Festspielhaus ist es in der rabiaten, aber überaus präzisen und kontrastreichen Interpretation von Teodor Currentzis zu erleben. Zwischen ihm und diesem Werk besteht fast eine Seelenverwandtschaft. Zuvor erklingt Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 1. Den Solopart übernimmt der junge schwedische Geiger Daniel Lozakovich, der mit Mitte zwanzig bereits auf eine bemerkenswerte internationale Karriere zurückblicken kann. Im Festspielhaus begeisterte er zuletzt bei den Osterfestspielen 2026 im Konzert mit dem Royal Concertgebouw Orchestra unter Klaus Mäkelä. Musikalische Visitenkarte: Die sechs Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach mit dem Balthasar-Neumann-Orchester Sonntag, 8.11.2026, 17 Uhr.
Die sechs Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach, Höhepunkte barocker Instrumentalmusik, sind selten vollständig in einem Konzertabend zu hören. Bach komponierte sie als eine Art Bewerbungsschreiben für den Markgrafen von Brandenburg und wollte darin sein ganzes Können und seine Kunstfertigkeit, aber auch seinen Anspruch an die Musiker zeigen. Diese Virtuosität und die anspruchsvolle Besetzung machen vor allem Aufführungen auf historischen Instrumenten herausfordernd, nicht jedoch für das Balthasar- Neumann-Orchester, einem der besten historisch informierten Ensembles der Welt.
Keines der Konzerte gleicht dem anderen: Das erste Brandenburgische Konzert ist eine höfische Jagdszene. Die Jagdhörner blasen den Orchestersatz ein, als könnten sie es kaum erwarten, endlich loszupreschen. Im zweiten Konzert streiten Trompete, Flöte, Oboe und Geige darum, wer der eigentliche Star ist. Musikalische Ideen fliegen hin und her. Die Trompete, zwischendrin zum Schweigen verpflichtet, trumpft im Schlusssatz auf, als sei das ganze Konzert eigentlich ein Trompetenkonzert. Im dritten Konzert unterhalten sich die Gruppen des Streichorchesters: Violinen, Bratschen und Celli werfen sich brillante musikalische Ideen zu. Im vierten Konzert vertraut Bach den Solopart einer Geige und zwei Flöten an, doch die Geige dominiert über weite Strecken, sodass man auch von einem verkappten Violinkonzert mit leisem Flötensäuseln sprechen kann. Im fünften Brandenburgischen lässt Bach keinen Zweifel, wer der Solist ist: er selbst! Der von seinen Zeitgenossen als Cembalist gerühmte Musiker setzt sich und seinem Instrument ein Denkmal. Das sechste Konzert schließt den Reigen mit den tieferen Stimmen des Orchesters: Bratschen, Celli und Gamben. Tröstliches Chorwerk: Balthasar-Neumann-Ensembles mit Faurés Requiem Samstag, 14.11.2026, 18 Uhr.
Das Requiem von Gabriel Fauré ist das zentrale Werk unter den geistlichen Kompositionen des französischen Meisters. Schon zu Lebzeiten des Komponisten war es beim Publikum erfolgreich, und dieser Erfolg hält bis heute weltweit ungeschmälert an. Anders als viele eher ‚theatralische‘ Vertonungen der Totenmesse suchte Gabriel Fauré in seinem Requiem op. 48 eine friedliche, versöhnliche Stimmung. Der Tod erscheint hier als Erlösung und Eintritt ins Paradies. In der gesamten Musikliteratur gibt es kein anderes Requiem, das das Thema so friedlich und zuversichtlich behandelt. Das 1888 entstandene Werk ist, nach Faurés eigener Aussage, «vom menschlichen Vertrauen in die Ewigkeit beherrscht».
Chorwerke von Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms und Max Reger erweitern den Konzertabend von Balthasar-Neumann-Chor und -Orchester unter der musikalischen Leitung von Lionel Sow. Der französische Dirigent leitete die Maîtrise Notre-Dame de Paris und den Chor des Orchestre de Paris; seit einigen Jahren steht er dem Chor des Nationalen Musikforums Wrocław vor. Ode an die Freude: Beethovens Sinfonie Nr. 9 mit den Balthasar-Neumann-Ensembles Sonntag, 15.11.2026, 17 Uhr.
Auf diese Neunte darf man sich besonders freuen: Wenn sich die Balthasar-Neumann-Ensembles vermeintlich bekannten Klassikern widmen, hat man das Gefühl, ein neues, frisches Werk zu hören. Die klanglich durchdachten Interpretationen von Chor und Orchester begeistern Kritiker wie Publikum gleichermaßen. Die Sinfonie, die in ihrer «Ode an die Freude» von weltumspannender Brüderlichkeit, Freiheit und der universellen Freude als verbindender Kraft kündet, erklingt unter der musikalischen Leitung von Pablo González. Er musiziert gemeinsam mit den namhaften Solistinnen und Solisten Regula Mühlemann, Julien Prégardien, Catriona Morison und Domen Križaj. Pablo González ist ehemaliger Chefdirigent des spanischen RTVE-Orchesters und international gefragter Gastdirigent.
Die Herbstfestspiele La Grande Gare werden großzügig unterstützt durch die Baden-Württemberg Stiftung.
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