Galerie Estades

Die französische Elite mochte ihn nicht, berühmt wurde er dennoch – Bernard Buffet in Baden-Baden – „Kantige Personen und traurige Clowns“

Die französische Elite mochte ihn nicht, berühmt wurde er dennoch – Bernard Buffet in Baden-Baden – „Kantige Personen und traurige Clowns“
Nature morte au poisson (97 x 195 cm) – Öl auf Leinwand – Entstehungsjahr 1954. Foto: Galerie Estades

Baden-Baden, 05.10.2022, Bericht: Redaktion Die sogenannte Elite warf ihm vor zu produktiv, zu gegenständlich zu sein, folglich nicht intellektuell genug. Berühmt wurde Bernard Buffet dennoch.

Nun wird der umstrittene französische Künstler, der von 1928 bis 19999 lebte, in Baden-Baden in der Galerie Estades zu sehen sein. Die Ausstellung dauert vom 8. Oktober bis 26. November. Es werden Ölgemälde, Mischtechniken, Originallithografien und Radierungen ausgestellt.

Die Mitteilung der Galerie Estades zur Ausstellung im Wortlaut:

Bernard Buffet, am 10. Juli 1928 in Paris geboren, ein umstrittener Künstler, vom Publikum geliebt und von der Elite gehasst, ist unbestreitbar der größte französische Meister der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Stil ist unter allen erkennbar: ein Netz gerader, trockener Linien, die er zu seinem pikturalen System machte. Seine kantigen Personen und traurigen Clowns, die emblematisch für seine Arbeit stehen, machten ihn sehr berühmt. Weltweit werden ihm zahlreiche Ausstellungen gewidmet.

Für seine Bewunderer ist er ein wahres Genie. Mit 15 Jahren wird er an der staatlichen Kunsthochschule aufgenommen, wo er nur zwei Jahre bleibt und anschließend beschließt, allein zu arbeiten. Der Maler Aujame führt ihn bei Kunstsammlern ein. Mit 20 Jahren wird er mit dem Kritikerpreis belohnt (1948), zusammen mit Bernard Lorjou. 1955 wird Buffet per Umfrage der Zeitschrift «Connaissance des Arts» (übersetzt: Kunstwissen) zum besten französischen Nachkriegskünstler gekürt. Als Meister des «Misérabilisme» hat Bernard Buffet seinen Platz in den größten Museen der Welt gefunden; Japan hat ihm in Surugadaira ein ganzes Museum gewidmet, das 1973 von Kiichiro Okano mit einem Bestand von fast tausend Werken eröffnet wurde.

 

Ab 1949 stellt die Galerie Drouant-David den Künstler aus, was seine internationale Karriere vorantreibt. Buffet hat einen Exklusivvertrag unterzeichnet, der ab 1957 mit Maurice Garnier geteilt wird. Von 1968 an hat Maurice Garnier die vollständige Exklusivität auf die Produktion des Malers und behält diese bis zum Tod des Künstlers 1999.

Die Arbeiten von Buffet sind stark, ergreifend, seine Personen wirken gequält. Der Stil des Künstlers setzt sich durch und weckt das Interesse des Vatikans, der den Künstler darum bittet, ein Gemälde zu stiften. Er überlässt dem Vatikan mehrere Gemälde, die die Passion Christi darstellen und die er für die Kapelle seines Anwesens geschaffen hatte.

Bereits 1958 wird in der Galerie Charpentier die erste Retrospektive veranstaltet. Im selben Jahr lernt Bernard Buffet Annabel Schwob kennen und heiratet sie. Sie wird zur Muse, zur Lebenspartnerin. Von da an entwickelt sich der Stil des Malers, wird farbiger, kraftvoller.

Bernard Buffet veranschaulicht gekonnt die Spaltung zwischen den Franzosen und der zeitgenössischen, gegenständlichen Kunst. Die Elite wirft ihm vor zu produktiv, zu gegenständlich zu sein, folglich nicht intellektuell genug.

Seine Ernennung zur Akademie der Bildenden Künste 1974, zum Offizier der Ehrenlegion im Jahr 1993, sowie zum Offizier der Künste und der Literatur bescheinigen eindeutig seine offizielle Anerkennung.

Buffet war ein Freigeist, der keinen Wert darauf legte, seinen Gegnern zu gefallen und sagte: «Der Hass, der mich umgibt, ist für mich das wunderbarste Geschenk, das man mir machen konnte. Ich muss nichts und niemanden schonen.»

Die Symptome der Parkinsonkrankheit zeigen sich ab 1997 und Bernard Buffet, der wusste, dass er bald nicht mehr würde malen können, bereitet am 4. Oktober 1999 seinem Leben ein Ende, indem er sich mit einer Plastiktüte der Galerie Garnier, auf der seine Signatur abgebildet war, selbst erstickt.

Sein Werk umfasst 8000 Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken (Lithografien und Radierungen), hinzukommen Bühnenbilder, Kostüme und zwei Briefmarkenentwürfe.


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