goodnews4-Serie
Ein Gedicht zum Wochenende – „Das Gespenst“ von Charles Baudelaire

Baden-Baden, 22.08.2026, Bericht: Redaktion Diese kleine goodnews4-Serie hilft vielleicht zu erkennen, dass nichts so flüchtig ist wie die tägliche Nachricht.
Ein kleines Gedicht zur Inspiration, vielleicht auch zum Sinnieren und gelegentlich auch zum Schmunzeln. Ausgesucht von Christian Frietsch.
Das Gespenst
Bösen Engeln will ich gleichen,
Fahlen Blicks mich zu dir schleichen,
Gleiten an dein Lager sacht,
Wie ein Schattenspuk der Nacht.
Schenken dir zu tausend Malen
Küsse kalt wie Mondesstrahlen,
Wie die Schlange schlüpfrig feucht,
Die um Gruft und Steine kreucht.
Kommt der bleiche Tag daher,
Ist die Stelle kalt und leer
Bis die Abendnebel brauen.
Wenn es Andrer Kunst gelingt,
Dass dich Zärtlichkeit bezwingt,
Will ich Herr sein durch das Grauen.
Charles Baudelaire
Aus der Sammlung «Die Blumen des Bösen»
Französischer Schriftsteller und Lyriker
Geboren: 9. April 1821, Paris, Frankreich
Gestorben: 31. August 1867, Paris, Frankreich
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