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Ein Gedicht zum Wochenende – „Der Kampf“ von Friedrich Schiller

Ein Gedicht zum Wochenende – „Der Kampf“ von Friedrich Schiller
Friedrich Schiller (1759-1805) Ölgemälde von Ludovike Simanowiz 1793/94. Public domain, via Wikimedia Commons

Baden-Baden, 28.03.2025, Bericht: Redaktion Diese kleine goodnews4-Serie hilft vielleicht zu erkennen, dass nichts so flüchtig ist wie die tägliche Nachricht.

Ein kleines Gedicht zur Inspiration, vielleicht auch zum Sinnieren und gelegentlich auch zum Schmunzeln. Ausgesucht von Christian Frietsch.

Der Kampf

Nein, länger werd' ich diesen Kampf nicht kämpfen;
Den Riesenkampf der Pflicht.
Kannst du des Herzens Flammentrieb nicht dämpfen,
So fodre, Tugend, dieses Opfer nicht.

Geschworen hab' ich's, ja ich hab's geschworen,
Mich selbst zu bändigen.
Hier ist dein Kranz, er sey auf ewig mir verloren,
Nimm ihn zurück und laß mich sündigen.

Zerrissen sey, was wir bedungen haben,
Sie liebt mich- deine Krone sey verscherzt.
Glückselig, wer in Wonnetrunkenheit begraben,
So leicht wie ich den tiefen Fall verschmerzt.

 

Sie sieht den Wurm an meiner Jugend Blume nagen
Und meinen Lenz entflohn,
Bewundert still mein heldenmüthiges Entsagen
Und großmuthsvoll beschließt sie meinen Lohn.

Mistraue, schöne Seele, dieser Engelgüte,
Dein Mitleid waffnet zum Verbrechen mich.
Giebt's in des Lebens unermeßlichem Gebiete
Giebt's einen andern schönern Lohn als dich?

Als das Verbrechen, daß ich ewig fliehen wollte?
Tyrannisches Geschick!
Der einz'ge Lohn, der meine Tugend krönen sollte,
Ist meiner Tugend letzter Augenblick!

Friedrich Schiller

Deutscher Dichter, Philosoph, Historiker und Arzt

Geboren: 10. November 1759, Marbach am Neckar
Gestorben: 9. Mai 1805, Weimar




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