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Ein Gedicht zum Wochenende – „Dreißig Grad" von Kurt Tucholsky

Ein Gedicht zum Wochenende – „Dreißig Grad" von Kurt Tucholsky
Foto: Archiv

Baden-Baden, 11.07.2026, Bericht: Redaktion Diese kleine goodnews4-Serie hilft vielleicht zu erkennen, dass nichts so flüchtig ist wie die tägliche Nachricht.

Ein kleines Gedicht zur Inspiration, vielleicht auch zum Sinnieren und gelegentlich auch zum Schmunzeln. Ausgesucht von Christian Frietsch.

Dreißig Grad

Das ist die Zeit der dicken Sommerhitze.
Das Thermometer kocht. Die Sonne strahlt.
Die gnädige Frau hats warm; ich Plebs, ich schwitze -
in blauen Badehöschen, eindrucksvoll bemalt.

Am hellen Strand läuft eine leichte Brise
und legt sich wieder - nein, das wird kein Wind.
Jetzt ist August, da hatten wir die Krise,
wie so die deutschen Sommerkrisen sind.

Da hinten badet eine fette Dame.
Es steigt das Meer, wenn sie ins selbe tritt.
Sag an, Sylphide, ist vielleicht dein Name
Germania? Nehm ich dich als Sinnbild mit?

 

Es rinnt der Sand. Da schleicht sich ein Vehikel -
wohl gar mit Butter? - übern Dünendamm.
Bei mir langts nur noch für den Leitartikel -
was Kluges bring ich heut nicht mehr zusamm.

Wie lang ists her - da war in diesen Wochen
an angenehmer Weise gar nichts los.
Man hat nur faul den faulen Tag gerochen...
Heut kommen Kunz und Hintze angekrochen -
Du liebe Zeit, wie bist du heiß und groß!

Kurt Tucholsky

Deutscher Schriftsteller

Geboren: 9. Januar 1890, Berlin
Gestorben: 21. Dezember 1935, Göteborg, Schweden




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