goodnews4-Serie
Ein Gedicht zum Wochenende – „Leda mit dem Schwan“ von Rainer Maria Rilke

Baden-Baden, 26.07.2025, Bericht: Redaktion Diese kleine goodnews4-Serie hilft vielleicht zu erkennen, dass nichts so flüchtig ist wie die tägliche Nachricht.
Ein kleines Gedicht zur Inspiration, vielleicht auch zum Sinnieren und gelegentlich auch zum Schmunzeln. Ausgesucht von Christian Frietsch.
Leda
Als ihn der Gott in seiner Not betrat,
erschrak er fast, den Schwan so schön zufinden;
er ließ sich ganz verwirrt in ihm verschwinden.
Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat,
bevor er noch des unerprobten Seins
Gefühle prüfte. Und die Aufgetane
erkannte schon den Kommenden im Schwane
und wusste schon: er bat um Eins,
das sie, verwirrt in ihrem Widerstand,
nicht mehr verbergen konnte. Er kam nieder
und halsend durch die immer schwächere Hand
ließ sich der Gott in die Geliebte los.
Dann erst empfand er glücklich sein Gefieder
und wurde wirklich Schwan in ihrem Schoß.
Rainer Maria Rilke
österreichischer Lyriker
Geboren: 4. Dezember 1875, Prag, Tschechien
Gestorben: 29. Dezember 1926, Montreux, Schweiz
Hintergrund
Rainer Maria Rilke schrieb das Gedicht «Leda» im Herbst 1907 in Paris oder im Frühling 1908 auf Capri. Darin wird der Betrug des Gottes Zeus thematisiert, der sich in Schwanengestalt Leda nähert, um sie zu verführen. Der «Betrug» liegt darin, dass Zeus sich als etwas anderes ausgibt, um seine Ziele zu erreichen und Leda ihn nicht als Gott erkennt, sondern als Schwan wahrnimmt. Also auch die Autoritäten sind voll Zweilicht.
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