Vortrag
„Kommunale Kulturpolitik in Zeiten leerer Kassen“ – Freundeskreis Lichtentaler Allee sucht die Debatte

Baden-Baden, 17.10.2026, Bericht: Redaktion Um eine Debattenkultur ist es in Baden-Baden nicht sonderlich gut bestellt. Ausgerechnet einige Verantwortlichen von Parteien in Baden-Baden finden seit Jahren Gründe, notwendigen Diskussionen und Debatten aus dem Weg zu gehen.
So ist es nur zu begrüßen, dass der «Freundeskreis Lichtentaler Allee» die Debatte zur Kulturpolitik sucht. Einen Bericht des Vereins veröffentlich goodnews4.de im Wortlaut:
Bernd Gussmann, der Vorsitzende des «Freundeskreis Lichtentaler Allee» konnte im Kulturhaus LA 8 zahlreiche Mitglieder und Gäste zum Vortrag «Kommunale Kulturpolitik in Zeiten leerer Kassen» begrüßen. Darunter auch den Ersten Bürgermeister von Baden-Baden Alexander Wieland, den Intendanten des Theater Baden-Baden Simon Meienreis und den Präsidenten der Patronatsgesellschaft, Christian Baader. Referent der Veranstaltung war Ulrich von Kirchbach, Kulturbürgermeister von Freiburg von 2002 bis zum Frühjahr 2026.
Kirchbach legte zunächst dar, wie Kultur eine Stadt, in Ihrer Entwicklung und der Attraktivität für Bürger und Touristen, prägt. Bei einer schwierigen finanziellen Situation einer Kommune werden dennoch häufig sehr schnell freiwillige Leistungen gekürzt oder gestrichen, zu denen in der Regel auch kulturelle Angebote gehören. Dies kann aber bald zu einer Gefährdung der Daseinsvorsorge führen, in Form von geschlossenen Schwimmbädern, Museen, Jugendtreffs oder kulturellen Veranstaltungsorten. Dadurch würde der Unmut der Bevölkerung gefördert und es trägt zur Verödung von Innenstädten bei, da kulturelle Angebote auch wesentliche Frequenzbringer darstellen. Zudem kommen einmal geschlossene kulturelle Angebote meist nicht mehr zurück.
Eine Kommune, so Kirchbach, sollte daher eine zukunftsorientierte Kulturpolitik formulieren, die den Rahmen für Kriterien der dauerhaften Kulturförderung darstellt. Die Bewertung der Kriterien in Bezug auf einzelne kulturelle Einrichtungen ist aber dann immer eine individuelle Aufgabe. Wichtig ist dabei auch ein gesellschaftliches Engagement der Bürger in Form von Fördervereinen und deren Beteiligung.
Gussmann erläuterte abschließend, am Beispiel des Theater Baden-Baden, die vielfältigen Aspekte einer Kosten- / Nutzenbeurteilung von kulturellen Einrichtungen. Im Jahr 2025 betrugen lt. Gussmann die Aufwendungen für das Theater 8,16 Mio. Euro, diese wurden durch BKV / Landeszuschüsse in Höhe von 4,1 Mio. Euro und 0,8 Mio. Euro eigene Einnahmen teilfinanziert. Es verblieb so eine Belastung für die Stadt Baden-Baden in Höhe von ca. 3,3 Mio. Euro. Legt man zusätzlich die Besucherzahl von 57.000 (Dt, Bühnenverein 22/23) zugrunde, so ergäbe sich ein weiterer Mehrumsatz durch diese in Gastronomie, Handel, Parken von 0,9 – 1,7 Mio. Euro (15-30 Euro je Zuschauer).
Im Aufwand des Theaters sind außerdem allein 5,55 Mio. Personalkosten enthalten auch von diesen verbleibe ein Großteil in Form von Mieten, Haushaltsführung, Steuern und Gebühren in Baden-Baden. Eine reine Aufwandsbetrachtung greife also viel zu kurz. Eine lebhafte Diskussion zeigte das große Interesse an diesem Thema.
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