Aus dem Theater Baden-Baden

Schlau und fies – Goethes bitterböse Fabel in Baden-Baden

Schlau und fies – Goethes bitterböse Fabel in Baden-Baden
Foto: Catharina Kottmeier

Baden-Baden, 13.07.2022, Bericht: Theater Damit kein falscher Verdacht aufkommt, die Bezeichnung «Schlau und fies» richtet sich auf einen Vertreter des Tierreiches.

Mit «Reineke Fuchs» kommt am Mittwoch, den 13. Juli, eine schwarzhumorige, bitterböse Fabel von Goethe auf die Hofbühne des Theaters Baden-Baden.

Die Mitteilung aus dem Theater Baden-Baden im Wortlaut:

Wie es in Fabeln üblich ist, stehen hier Tiere im Mittelpunkt des Geschehens: Lampe, der Hase (und Briefträger des Königs), Isegrim, der Wolf, Henning, der Hahn und Grimbart, der Dachs sind nur einige von ihnen. Und mittendrin agiert Reineke, der kluge, aber fiese Fuchs. Ihnen allen verleiht Schauspieler Michael Laricchia Leben und zeichnet die verschiedenen tierischen und doch sehr menschlichen Charaktere humorvoll nach. Er springt von Figur zu Figur und lässt sie Intrigen erleben, sich täuschen, enttäuschen und leiden. Denn Reineke führt sie alle an der Nase herum. Dabei ist er kein sympathischer Eulenspiegel, sondern ein gerissener Betrüger, der über Leichen geht und selbst seine Freunde verrät, wenn es ihm nützt. «Gebt mir das Eure und lasst mir das Meine», heißt es da an einer Stelle – ein Ausspruch, der Reinekes Egoismus sehr treffend zusammenfasst und als Lebensmotto von einigen Tieren für viel Unglück und Schaden bei anderen sorgt. Die Sagen über den Fuchs Reineke reichen bis ins Mittelalter zurück. Johann Wolfgang von Goethe schuf aus dem Stoff eine zeitlose Fabel, die in zwölf Gesänge unterteilt, die Verwicklungen um den listigen Fuchs spannungsreich aufbaut und dabei als Gesellschaftskritik gelesen kein gutes Licht auf die Menschen wirft.

 

So scharf wie die Inhalte, so klar sind Goethes Verse und schon das reine Zuhören wird zum Vergnügen. Michael Laricchia spielt facettenreich und mit einem feinen Gespür für Witz und Ironie. Die Inszenierung von Rosalinde Renn feiert am 13.07. ihre Premiere auf der sommerlichen Hofbühne des Theaters Baden-Baden und ist dort zwei weitere Male zu sehen (Mi 20. und Mi 27. Juli, jeweils um 20:00 Uhr). Im Herbst soll «Reineke Fuchs» dann als erstes Stück nach zweieinhalb Jahren pandemiebedingter Pause das Spiegelfoyer als kleinste Spielstätte im Theater wiederbeleben. Renn und Laricchia haben bereits mehrfach zusammengearbeitet, unter anderem bei dem Spiegelfoyer-Stück «Das Fräulein von Scuderi». Für die schlichte Bühne und das als Kampfanzug anmutende Kostüm zeichnet sich Sebastian Ganz verantwortlich, der wie auch Renn und Laricchia bereits seit einigen Jahren am Theater Baden-Baden künstlerisch tätig ist. Für die Beteiligten ist «Reineke Fuchs» ein Herzensprojekt und das merkt man, wenn Laricchia sich 70 Minuten lang leidenschaftlich ins Zeug legt und so ganz alleine auf der Bühne für gute und kluge Unterhaltung sorgt.


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