Aus dem Theater Baden-Baden

Spektakuläre Kriminalgeschichte am Theater Baden-Baden – Wiederaufnahme des „Fall Hau“

Spektakuläre Kriminalgeschichte am Theater Baden-Baden – Wiederaufnahme des „Fall Hau“
„Der Fall Hau“: Mattes Herre, Maria Thomas, Rosalinde Renn, Nadine Kettler. Foto: Jochen Klenk

Baden-Baden, 30.07.2022, Bericht: Theater «Der Fall Hau» kommt am Sonntag, den 04. September zurück ins Programm des Theaters Baden-Baden und eröffnet damit die Spielzeit 2022/23.

Bereits 2019 untersuchte Regisseur Rudi Gaul die berühmte Kriminalgeschichte aus Baden-Baden in einer spannenden Inszenierung auf der Grundlage des Romans von Bernd Schroeder. Indem er den Sensationsprozess im Kontext seiner Epoche beleuchtete, entstand ein faszinierendes Psychogramm des ausgehenden Kaiserreichs.

Nun erweckt Olga Motta, die Ausstatterin der damaligen Erfolgsinszenierung, den Stoff zusammen mit der Originalbesetzung unter dem Titel „Wiederaufnahme einer Strafsache: Der Fall Hau“ erneut zum Leben – diesmal verknappt und konzentriert auf den Mord an Josephine Molitor sowie den Indizienprozess gegen den Juristen Carl Hau vor dem Landgericht Karlsruhe.

Die Inszenierung verarbeitet auf höchst spannende Weise dokumentarisches und literarisches Material zu einem dichten Theaterabend: Im Frühjahr 1901 lernen Josephine Molitor (Rosalinde Renn) und ihre zwei unverheirateten Töchter Lina (Nadine Kettler) und Olga (Maria Thomas) den eleganten jungen Mann Carl Hau (Mattes Herre) kennen. Bei einem Erholungsaufenthalt in Ajaccio, Korsika, entsteht eine Anziehung zwischen der jüngeren Schwester, Olga, und Hau, aber auch eine Leidenschaft zwischen Hau und Lina. Diese fatale Dreieckskonstellation führt fünf Jahre später – Lina und Hau leben inzwischen als Ehepaar mit Tochter in den U.S.A. – zu einem Eifersuchtskonflikt, der die Ermordung von Lina und Olgas Mutter zur letzten Konsequenz hat. Auch Geld spielt eine beträchtliche Rolle, denn Hau besitzt nie genug Geld für seine großspurige Lebensweise. Die Ermittlungen konzentrieren sich sehr bald auf Carl Hau, dessen schillernde Persönlichkeit zu Spekulationen einlädt, zumal er sich am Tattag auf vielfache Weise verdächtig gemacht hat. Andere Spuren werden nicht verfolgt, Beweise unterschlagen, Zeugen gedemütigt. Der Suizid von Lina Hau belastet ihren Mann zusätzlich, während für Olga eine Art Unschuldsvermutung gilt, obwohl sie unmittelbare Zeugin der Tat war. Hau wird 1907 erst zum Tode, später dann zu lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt, obwohl er sich nie schuldig bekannte. Das Urteil erregt die Gemüter. In Karlsruhe hält man es für falsch, in Baden-Baden für richtig; eine Reihe von Folgeprozessen und Verleumdungsklagen gegen eine Vielzahl von Personen folgt auf den Hau-Prozess.

 

Vorstellungen von «Wiederaufnahme einer Strafsache: Der Fall Hau» am Theater Baden-Baden im September und Oktober: Sonntag, 4. September, 19.00 Uhr; Samstag, 1. Oktober, 20.00 Uhr; Samstag, 29. Oktober, 20.00 Uhr.


Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.