BürgerTreff
Verein Stadtbild Baden-Baden berichtet über BürgerTreff – Vortrag von Christian Frietsch – „Ungleichgewicht zwischen eingemeindeten Ortsteilen und klassischen Stadtteilen Baden-Badens“

Baden-Baden, 14.08.2025, Bericht: Redaktion In einer Pressemitteilung berichtet der Verein Stadtbild Baden-Baden über den letzten BürgerTreff des Vereins am Juli.
goodnews4-Herausgeber Christian Frietsch war zu einem Vortrag eingeladen. Thema des Abends war: «Hat der Stadtkreis Baden-Baden eine Zukunft?»
Die Mitteilung des Vereins Stadtbild Baden-Baden vom 11. August 2025 im Wortlaut:
Beim jüngsten BürgerTreff des Stadtbild Baden-Baden e. V. stand ein Thema im Mittelpunkt, das viele Bürgerinnen und Bürger bewegt: die strukturelle Zukunft der Stadt Baden-Baden als eigenständiger Stadtkreis – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Schuldenkrise.
Als Gastreferent war der Baden-Badener Herausgeber, Journalist und Buchautor Christian Frietsch eingeladen. In seinem Vortrag «Hat der Stadtkreis Baden-Baden eine Zukunft?» analysierte er die strukturellen, demografischen und finanziellen Herausforderungen der Stadt und stellte grundlegende Fragen zur künftigen Organisation kommunaler Selbstverwaltung.
Strukturelle Schieflagen zwischen Ortsteilen und Stadtteilen
Ein zentrales Thema des Vortrags war das strukturelle Ungleichgewicht zwischen den eingemeindeten Ortsteilen und den klassischen Stadtteilen Baden-Badens. Während Ortsteile wie Varnhalt, Steinbach oder Haueneberstein über eigene Ortschaftsräte und eine formalisierte politische Vertretung verfügen, sind Stadtteile wie Oos, Weststadt oder Lichtental ohne direkte kommunalpolitische Strukturen. Dieses Zwei-Klassen-System, so Frietsch, erschwert eine ausgewogene Interessenvertretung innerhalb der Gesamtstadt.
Besonders deutlich sei dies beim jüngsten Bürgerentscheid zum Klinikstandort geworden: Die Innenstadt und die Stadtteile stimmten mehrheitlich für den Standort Baden-Baden, während die Ortsteile ihn in großer Zahl ablehnten. Dieses Muster zeige eine tieferliegende Spaltung, die auch historische Ursachen habe – unter anderem in der unechten Teilortswahl und in den autoritären Strukturen der Gebietsreform der 1970er-Jahre.
Politische Repräsentation und Wahlkreis-Problematik
Ein weiterer Punkt war die Schwächung Baden-Badens im politischen Wettbewerb auf Landes- und Bundesebene. Da die Stadt zusammen mit dem Landkreis Rastatt einen gemeinsamen Bundestagswahlkreis bildet, entfielen lediglich etwa 20 Prozent der Wählerschaft auf Baden-Baden. Dies mindere das politische Gewicht der Stadt erheblich und reduziere den Anreiz für Kandidaten, sich stark für die Belange Baden-Badens einzusetzen.
Finanzlage und strukturelle Belastungen
Auch die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt wurde kritisch beleuchtet. Als kreisfreie Stadt trägt Baden-Baden zahlreiche Aufgaben, die andernorts von größeren Landkreisen übernommen werden – darunter Gesundheitswesen, Abfallwirtschaft, Infrastruktur oder Soziales. Die Folge seien hohe laufende Kosten bei gleichzeitig sinkendem Handlungsspielraum. In Kombination mit wachsender Verschuldung stellt dies die Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit der Kreisfreiheit.
Drei denkbare Szenarien für die Zukunft des Stadtkreises
Aus Sicht des Referenten könnten sich daraus drei denkbare Szenarien ergeben: (1) eine strukturelle Zusammenarbeit mit dem Landkreis Rastatt und die Bildung eines gemeinsamen Oberzentrums, (2) die Rückgabe der Ortsteile an den Landkreis mit gleichzeitiger Stärkung der Kernstadt in ihren kulturellen und historischen Funktionen oder (3) ein «Weiter so» mit allen bekannten Herausforderungen.
Warum dieses Thema für den Stadtbild-Verein relevant ist
Der Stadtbild Baden-Baden e. V. ist laut Satzung überparteilich und greift gesellschaftliche Themen nur dann auf, wenn diese in engem Zusammenhang mit dem Erhalt und der Entwicklung des Stadtbildes stehen. Die Frage, wie kommunale Verantwortung strukturell verteilt und wahrgenommen wird, berührt unmittelbar Themen wie Baukultur, Denkmalpflege, Stadtidentität und kulturelle Selbstverantwortung.
Vor diesem Hintergrund bot der Vortrag von Christian Frietsch einen wichtigen Impuls, über die strukturellen Grundlagen unserer Stadt nachzudenken – nicht politisch, sondern aus der Perspektive der kulturellen Selbstvergewisserung und Verantwortung für das Stadtbild.
Über den Stadtbild Baden-Baden e. V.
Der Stadtbild-Verein engagiert sich für die lebenswerte Gestaltung Baden-Badens unter Berücksichtigung städtebaulicher, ökologischer und gesellschaftlicher Aspekte. Der Verein agiert überparteilich und versteht sich als Plattform für Austausch, Bürgerbeteiligung und konstruktive Diskussion zu kommunalpolitisch relevanten Themen.
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