Aus dem Festspielhaus Baden-Baden

Weltpremiere bei Sommerfestspielen – Mariinsky Orchester unter Valery Gergiev im Festspielhaus Baden-Baden

Weltpremiere bei Sommerfestspielen – Mariinsky Orchester unter Valery Gergiev im Festspielhaus Baden-Baden
Daniel Hope. Foto: Nicolas Zonvi

Baden-Baden, 27.06.2019, Bericht: Festspielhaus Am zweiten Tag der Sommerfestspiele gibt es eine Weltpremiere: erstmals stehen die langjährigen Freunde des Festspielhauses Valery Gergiev und Daniel Hope gemeinsam auf einer Bühne.

Das Konzert am Sonntag, 7. Juli 2019, 17 Uhr stellt Schostakowitschs gewaltiger siebter, der «Leningrader» Sinfonie, zwei kürzere Werke von Sergej Prokofjew und Claude Debussy gegenüber: Prokofjews Violinkonzert Nr. 2 und Debussys «Prélude à l'après-midi d'un faune».

Debussys «Prélude à l'après-midi d'un faune» von 1894 markiert einen Epochenumbruch – den Beginn des «Impressionismus» in der Musik, wobei zu ergänzen wäre, dass sich der Komponist selbst stets gegen den Begriff «Impressionismus» gewehrt hat. Das kurze Werk steht in der Tradition einer sinfonischen Dichtung. Frei nach Stéphane Mallarmés Gedicht «L’Après-midi d’un faune» schildert es eine kleine erotische Begebenheit zwischen einem Faun und zweier Nymphen.

Prokofjews zweites Violinkonzert von 1935 ist ein Beispiel für die hochindividuelle Klangsprache ihres Schöpfers, die sich in keine Schubladen packen lässt. Die Musik ist gleichzeitig lyrisch und ironisch, romantisch und klassizistisch. Die Melodien im zweiten Satz sind von einer im 20. Jahrhundert nur selten zu hörenden Süße – ein Beweis für Prokofjews enormes Talent als Melodiker.

Schostakowitschs siebte Sinfonie ist ein außergewöhnliches Werk. Die Uraufführung der «Leningrader» erfolgte 1942. Der Komponist widmete die Musik der von der deutschen Wehrmacht eingekesselten Bevölkerung der Stadt Leningrad. Um von möglichst vielen Zuhörern verstanden zu werden, vereinfachte Schostakowitsch seine Musiksprache, ohne dass es zu Qualitätseinbußen kam. Besonders der erste Satz ist berühmt geworden. Hier schildert der Komponist den Anmarsch der deutschen Truppen auf die Stadt. Er wiederholt ein kleines Kriegslied und lässt es immer lauter werden – ein Verfahren, das an Ravels «Bolero» erinnert.

Zur russischen Kultur hat der gebürtige Südafrikaner Daniel Hope, der einen irischen und einen deutschen Pass besitzt, eine intensive Beziehung. Das liegt an seinem großen Lehrer, dem legendären Geigen-Pädagogen Zakhar Bron. Der energiegeladene Russe ließ seine Schüler über sich selbst hinauswachsen. Daniel Hope vergleicht ihn gern mit einem Sporttrainer. Zaghar Bron hat ihn wie ein deutlich besserer Sparringpartner immer angespornt. Die beiden Violinkonzerte von Sergej Prokofjew legte ihm Bron gleich bei einer ihrer ersten Begegnungen aufs Pult. Damals war Daniel Hope 17 Jahre jung. «Das zweite Konzert, das ich in Baden-Baden spiele, hat mich von Anfang an durch seine Schönheit hypnotisiert. Es ist eine Wucht voller Energie und Leidenschaft», erklärt der Geiger. Das Konzert entstand 1935 während Prokofjews Konzertreisen durch Europa. «Ich habe den Eindruck, dass er darin seine Reiseeindrücke niedergeschrieben hat. Da die Charaktere ungewöhnlich schnell wechseln, verrät es aber auch etwas über den inneren Zwiespalt des Komponisten», meint Daniel Hope. Das Werk entstand im Stil der «neuen Einfachheit», als sich Prokofjew nach mehrjährigem Exil wieder seiner russischen Heimat annäherte. «Ich habe dieses Konzert immer wieder bei großen Anlässen gespielt: bei den Proms in London und in der Hollywood Bowl vor 20.000 Menschen», erzählt Hope. «Am beeindruckendsten war es aber für mich, das Werk im Moskauer Konservatorium aufzuführen. Das russische Publikum kennt das Konzert ganz genau und liebt es sehr.»

Den Dirigenten Valery Gergiev hat der Geiger mehrfach in Konzerten erlebt, ist ihm aber bisher noch nie persönlich begegnet. Er weiß, dass er sich bei dem russischen Dirigenten und seinem Mariinsky Orchester in den besten Händen befindet. «Das Orchester hat dieses Violinkonzert wahrscheinlich tausendmal gespielt. Jeder Geiger kennt auch die Solostimme in- und auswendig. Das ist wie Mozart für ein deutsches Orchester» und er ist «sehr gespannt auf die Begegnung. Gergiev ist ein Meister seines Fachs.»

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de. Persönliche Beratung und Reservierungen: Telefon 07221 / 30 13 101.


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