Aus dem Rathaus Baden-Baden

Auch in Baden-Baden brummt sie durch die Luft – Bekämpfung der Asiatischen Hornisse

Auch in Baden-Baden brummt sie durch die Luft – Bekämpfung der Asiatischen Hornisse
Asiatische Hornisse an einem Gründungsnest. Foto: Michael Baumer

Baden-Baden, 06.03.2026, Bericht: Rathaus Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse stellt zunehmend eine Herausforderung für die Imker, die Landwirtschaft und den Naturschutz dar.

Besonders Honigbienen geraten durch die rasante Ausbreitung der Asiatischen Hornisse und deren ausgeprägtem Jagdverhalten zunehmend unter Druck. Die Arbeiterinnen ernähren sich überwiegend von kohlenhydratreicher Nahrung, wie beispielsweise Nektar oder Obst, während für die Larvenaufzucht proteinhaltige Beute benötigt wird. Zum Beutespektrum zählt daher insbesondere die Honigbiene, wobei die Asiatischen Hornissen auch in Bienenstöcke eindringen. Deshalb beobachten vor allem Imker die Ausbreitung der Art mit großer Sorge. Aber auch für die Landwirtschaft stellt die Asiatische Hornisse eine Gefahr dar, vornehmlich durch den Rückgang der Bestäuber und durch Fraß an Früchten im Obst- und Weinbau. Welche Auswirkungen die Asiatische Hornisse auf die heimischen Insekten und die Biodiversität hat, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.

 

Da sich die ursprünglich in Asien beheimatete Asiatische Hornisse in Europa rasant ausbreitet, große Völker bildet und damit die einheimische Fauna aus dem natürlichen Gleichgewicht bringt, gilt sie als invasive gebietsfremde Art. Zwischenzeitlich wurde die Asiatische Hornisse vom Bundesumweltministerium als weit verbreitet eingestuft.

Die Asiatische Hornisse gilt zwar als weniger aggressiv gegenüber Menschen als die deutsche oder gemeine Wespe, nähert man sich aber dem Hornissennest, verteidigen sich die Tiere massiv. Dies kann aufgrund der Größe des Hornissenvolkes gefährlich werden, insbesondere im Hinblick auf mögliche allergische Reaktionen. Daher muss die Nestbeseitigung durch speziell dafür ausgebildete Nestentferner erfolgen.

Im Vergleich zu den heimischen unter Schutz stehenden Europäischen Hornissen sind die Völker der Asiatischen Hornisse deutlich größer. In ihrem Aussehen unterscheiden sich die geschützte Europäische Hornisse und die invasive asiatische Art wie folgt: Die Kopfvorderseite der Asiatischen Hornisse ist orangefarben, sie besitzt eine dunkelbraun bis schwarze Grundfärbung mit einem breiten orangefarbenen Streifen am Hinterleib und einer feinen gelben Binde am ersten Segment. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal sind die gelben Beinenden der Asiatischen Hornisse. Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als die Europäische Hornisse und ist im Gegensatz zur Europäischen nicht nachtaktiv.

Im Frühjahr baut die Königin der Asiatischen Hornisse ein etwa Handballen großes Gründungsnest (Primärnest), meist in Bodennähe, Schuppen oder Sträuchern. Sobald im Sommer das Nest für das Hornissenvolk zu klein wird, bauen sie ein Filialnest (Sekundärnest). Das Sekundärnest wird meist in Baumkronen bis 30 Meter Höhe gebaut und kann einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen, beherbergt bis zu 2.000 Arbeiterinnen und 500 geschlechtsreife Königinnen. Dies macht die Nestentfernung, meist auch in unzugänglichem Gelände, extrem schwierig und zum Teil unmöglich. Hinzu kommt, dass die Sekundärnester oft erst sehr spät entdeckt werden, wenn das Laub fällt. Problematisch dabei ist besonders, dass zu diesem Zeitpunkt schon viele Jungköniginnen ausgeschwärmt sind. Um der Bedrohung durch die Asiatische Hornisse aktiv entgegenzuwirken, haben sich etliche Imker als sogenannte Nestentferner zertifizieren lassen.

Als wirksamste Bekämpfungsmaßnahme gilt derzeit die frühzeitige Lokalisierung der Nester und deren fachgerechte Entfernung. Hierzu ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Imker, Behörden, aber auch der Bevölkerung unerlässlich. Denn jedes nicht entfernte Nest führt im kommenden Jahr zu zahlreichen neuen Nestern. Deshalb werden die Bürgerinnen und Bürger um Mitthilfe gebeten:

Sichtungen einer Asiatischen Hornisse oder eines Nestes sind in Baden-Württemberg auf der LUBW-Meldeplattform (www.lubw.baden-wuerttemberg.de) oder über die kostenlose «Meine Umwelt-App» zu melden. Zur Artidentifizierung ist ein Foto beizufügen.

Die Landesanstalt für Bienenkunde der Uni Hohenheim empfiehlt frühzeitig folgende Maßnahmen zu ergreifen: Im März sollten die Königinnen abgefangen werden, um den Lebenszyklus früh zu unterbrechen und die Bildung großer Nester zu verhindern. Mithilfe von Locktöpfen können Jungköniginnen lebend angelockt werden. Als Locktopf wird ein Schraubglas verwendet, mittig in den Deckel eine Öffnung gebohrt, in das ein Küchenschwamm oder Tuch gezogen wird, das bis zum Boden reicht. Den Locktopf mit 1/3 Bier, 1/3 lieblichen Wein und 1/3 Himbeersirup oder Ähnliches befüllen, ans Fensterbrett stellen und regelmäßig kontrollieren. Sichtungen der Asiatischen Hornisse sollen auf der LUBW-Meldeplattform oder in der «Meine Umwelt App» gemeldet werden. Nach erfolgter Verifizierung und Bestätigung kann das Tier abgetötet werden. Im April ist das Ziel, die neu gebildeten Gründungsnester zu entfernen. Allerdings erst dann, wenn die Nestübernahmekämpfe zwischen den rivalisierenden Königinnen während der Gründungsphase abgeschlossen sind, da sich die Königinnen in dieser Zeit gegenseitig töten. Bei der Entdeckung eines solchen Gründungsnestes werden die Bürger im Stadtkreis Baden-Baden gebeten dies zusätzlich beim Umweltamt der Stadtverwaltung unter der Rufnummer 07221 93-1501 zu melden. Das Gründungsnest kann über den ehrenamtlichen Hornissendienst sachgerecht beseitigt werden. Im Gegensatz dazu kann die Beseitigung der im Sommer errichteten Sekundärnester ausschließlich über zertifizierte Nestentferner erfolgen. Dabei sind die Sekundärnester in Baden-Württemberg bei der LUBW-Meldeplattform anzuzeigen. Die Liste aller für Baden-Württemberg zertifizierten Nestentferner kann darüber hinaus auf der Webseite der Uni Hohenheim/Landesanstalt für Bienenkunde eingesehen werden (bienenkunde.uni-hohenheim.de). Alle Handlungsempfehlungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Asiatischen Hornisse und weiteres Informationsmaterial sind außerdem bei der Landesanstalt für Bienenkunde unter bienenkunde.uni-hohenheim.de abrufbar.




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