Empfang im Rathaus
Geburtstagsfeier für ehemaligen OB Ulrich Wendt im Ratssaal - Nicht alle Laudatoren zeigten sich geschichtsfest
Baden-Baden, 03.07.15, Bericht: Christian Frietsch In einer Erklärung nimmt das Baden-Badener Rathaus zu einer Feier im Ratssaal zum 70. Geburtstag des ehemaligen Oberbürgermeister Ulrich Wendt, CDU, Stellung.
Wohl nicht ganz geschichtsfest zeigten sich dabei manche Laudatoren, die sich im Verlauf der Feier den großen strategischen Linien Baden-Badens in den neunziger Jahren zuwandten. Ulrich Wendt regierte die Stadt in dieser Zeit von 1990 bis 1998 und wurde nach verlorenem Wahlkampf von der parteilosen ehemaligen Kurdirektorin Sigrun Lang abgelöst. Die Stadt wehrte sich in den 90er Jahren etwa nicht gegen die Fusion des damaligen Südwestfunks mit dem Süddeutschen Rundfunk und eine Verstaatlichung der Spielbank fiel ebenfalls ziemlich unwidersprochen in diesen Zeitraum. Auch Inhalte der BKV-Verträge waren selbst innerhalb der CDU umstritten. Die Stadt hatte dadurch ihren direkten Einfluss auf wichtige Einrichtungen der Stadt verloren. Ein heftiger Kritiker der BKV-Verträge war der ehemalige Oberbürgermeister Walter Carlein, Vorgänger von Ulrich Wendt. Carlein hatte in den siebziger Jahren mit viel Zivilcourage die Eigenständigkeit des Stadtkreises Baden-Baden durchgesetzt.
Auslöser für das Festspielhaus Baden-Baden schließlich war nicht das Baden-Badener Rathaus, sondern es war den Ideen und Initiativen des inzwischen verstorbenen Baden-Badener Mäzen Ermano Sens-Grosholz zuzuschreiben, dass die in Baden-Baden zunächst wenig ernst genommene Projektidee zunächst ihren Weg nach Stuttgart fand. Ermano Sens-Grosholz hatte unter anderen den ehemaligen Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder für dieses Projekt gewonnen. Über das schon in den achtziger Jahren gegründete «Comité zur kulturellen Förderung Baden-Badens» investierte Sens-Grosholz einen großen Teil seines privaten Vermögens in den Vorlauf des Festspielhauses Baden-Baden und brachte schon damals die Großen der Opernwelt nach Baden-Baden. Darunter José Carreras und Plácido Domingo.
Die Erklärung des Rathauses Baden-Baden:
Zu einem Empfang anlässlich des 70. Geburtstages von Alt-Oberbürgermeister Ulrich Wendt hat Oberbürgermeisterin Margret Mergen langjährige Weggefährten in den Alten Ratssaal geladen. Wendt kam in Begleitung von Frau Brigitte und Tochter Julia.
Mergen hob in ihrer Rede die Verdienste Wendts hervor, der in seiner achtjährigen Amtszeit von 1990 bis 1998 wichtige Weichen für die Zukunft Baden-Badens gestellt habe. So habe die 1995 abgeschlossene Neuordnung der Bäder- und Kurverwaltung die jährlichen Abhängigkeiten von Landeshaushalt und Spielbankabgabe beendet und so die Finanzausstattung Baden-Badens für kurörtliche Zwecke, wie etwa des Theaters und Orchesters langfristig gesichert.
Ein weiterer Meilenstein für die Zukunftssicherung der Stadt sei das von 1996 bis 1998 gebaute Festspielhaus gewesen, das Wendt, so Mergen weiter, gegen große Widerstände durchgesetzt habe. Damit habe Wendt den Grundstein für die internationale Festspielstadt Baden-Baden gelegt. Besondere Verdienste habe sich der Jubilar zudem bei der Umwandlung des ehemaligen kanadischen Flughafens Söllingen, bei der Ansiedlung von InfoScore, der Unterbringung der Unternehmenszentrale von media control und L’Tur im ehemaligen Haus des Kurgastes am Augustaplatz und bei der Umwandlung der Briegelackerstraße nach dem ersten Teilabzug der Franzosen erworben.
«Bayern hat Bayreuth, Österreich hat Salzburg und Baden-Württemberg hat Baden-Baden», begann Professor Ernst Moritz Lipp, Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Kulturstiftung des Festspielhauses, seine Rede und spielte auf das Festspielhaus an. Das Haus am Ernst-Schlapper-Platz sei längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Baden-Baden. Ohne Ulrich Wendt und Lothar Späth gäbe es das Haus nicht. Die Stadt könne stolz sein, einen Oberbürgermeister wie Ulrich Wendt gehabt zu haben, unterstrich Lipp.
Ulrich Wendt hielt abschließend einen Rückblick auf seine Arbeit in Baden-Baden: «Wenn man im Amt ist, hat man viele Freunde, danach nur noch gute. Ich bin dankbar, dass viele alte Mitstreiter gekommen sind, darunter auch Stadträte, die 1995 mit großer Mehrheit den richtigen Weg in Sachen Festspielhaus eingeschlagen haben. Danke sagen will ich Ursula Lazarus und Kurt Liebenstein, die damals, vor inzwischen nun 20 Jahren, einen großen Beitrag leisteten. Und Lothar Späth gab dem Ganzen viel Halt. Danke aber auch an die Mannschaft im Rathaus, die damals unter großem Druck an einem Strang zog.» Er wünsche Baden-Baden, so Wendt abschließend, von Herzen alles Gute.
Musikalisch umrahmten Pianistinnen der Clara-Schumann-Musikschule die Feierstunde. Als Überraschungsgast sorgte Marc Marshall mit drei Liedern für einen gelungenen Abschluss des Empfangs. Ein Stück von Peter Maffay, ein Wiener Heurigenlied und zum Schluss «Für mich soll’s rote Rosen regnen» von Hildegard Knef sorgen für lang anhaltenden Applaus.
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