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Autor von "Ertrinken - eine Kindheit im Dritten Reich"

Stadtrat Werner Henn beantragt Brückennamen für jüdischen Bürger Gerhard Durlacher

Stadtrat Werner Henn beantragt Brückennamen für jüdischen Bürger Gerhard Durlacher
Die "namenlose Brücke über die Oos, in Verlängerung der Wilhelmstraße" soll nach Gerhard Durlacher benannt werden. Foto: Google Maps

Baden-Baden, 12.01.2019, Redaktion In einem Antrag an die Stadtverwaltung Baden-Baden plädiert Werner Henn, Stadtrat der SPD, dafür dass, «die namenlose Brücke über die Oos, in Verlängerung der Wilhelmstraße, welche die Verbindung zwischen Kaiseralle und Luisenstraße herstellt, den Namen ‘Gerhard Durlacher Brücke’ erhalten und tragen» soll.

Weiter schreibt Werner Henn in seinem Antrag:

Mit einer beeindruckenden Resonanz initiierte das Bündnis «Baden-Baden ist bunt» im vergangenen Jahr die Aktion ‘Baden-Baden liest ein Buch’. Erinnert wurde dabei an den inzwischen verstorbenen Gerhard Durlacher, der am 10. Juli 2018 seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte. Sein autobiografisches Buch ‘Ertrinken − eine Kindheit im Dritten Reich’ stand dabei im Mittelpunkt und ergab einen lebendigen Austausch und viele Denkanstöße. Zahlreiche Institutionen und Vereine, Schulen sowie große Teile der Bevölkerung trugen mit ihren facettenreichen Beiträgen zu einem beispiellosen Gesamtprojekt bei.

Gerhard Durlacher wuchs in Baden-Baden auf und erlebte in seiner Kindheit die drastischen Veränderungen, die der Nationalsozialismus für die jüdische Bevölkerung auch in Baden-Baden mit sich brachte. 1937 floh die Familie nach Holland. Von dort aus wurden sie deportiert und nach Auschwitz verschleppt. Durlacher war einer der wenigen, die das Vernichtungslager überlebten und kehrte nach seiner Befreiung nach Holland zurück. Dort studierte er Medizin und Sozialwissenschaften und lehrte an der Universität Amsterdam. Er starb 1996 in Haarlem.

Durlacher kam gelegentlich nach Baden-Baden zurück und stellte sich der Vergangenheit und seinen Erinnerungen. In Baden-Baden erinnert nichts an ihn, keine Straße, keine Schule trägt seinen Namen. Einzig drei Stolpersteine wurden 2008 für ihn und seine Eltern verlegt. Sie liegen in der Lichtentaler Strasse 56, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte.

Die Initiatoren möchten das Andenken an Gerhard Durlacher aufrechterhalten. Seine Familie hat während des letztjährigen Besuches zum Ausdruck gebracht, dass er dem Interesse der heutigen Baden-Badener Bürger und deren Anteilnahme am Schicksal seiner Familie positiv gegenüberstand. Mit der Benennung der Brücke kann die Stadt Baden-Baden nicht nur ein Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz setzen, sondern auch einen langfristigen Beitrag gegen das Vergessen der unvorstellbaren Verbrechen der Nazizeit leisten.

Mehr: baden-baden-liest.de


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