Finanzkrise in Rastatt

Rathaus Rastatt sieht städtischen „Haushalt am Limit“ – „Bürger bringen Ideen ein“ – OB Müller: „Schwarmwissen“

Rathaus Rastatt sieht städtischen „Haushalt am Limit“ – „Bürger bringen Ideen ein“ – OB Müller: „Schwarmwissen“
Die Stadt Rastatt steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sollten bei einer Veranstaltung in der BadnerHalle viele neue Ideen entstehen, wo künftig Kosten eingespart werden könnten. Fotos: Miriam Fischer / Stadt

Rastatt, 27.06.2026, Bericht: Redaktion «Die Sonne brennt, das Thermometer zeigt 39 Grad. In der BadnerHalle ist es angenehmer», leitet das Rathaus Rastatt eine Pressemitteilung zur Bürgeranhörung am vergangenen Mittwoch in Rastatt ein. goodnews4.de berichtete.

Die Klimaanlage schaffe zumindest zehn Gad weniger, heißt es weiter, vor dem Einlass habe sich kurz nach 18 Uhr eine kleine Schlange gebildet. Rund 200 Personen seien gekommen, um an der Bürgerveranstaltung mit dem Titel «Haushalt im Dialog – Gemeinsam Prioritäten setzen» teilzunehmen. Das Thema bewege die Gemüter. Zum Dialog hatte die Stadt Rastatt eingeladen, «um gemeinsam mit den Einwohnern über die Zukunft des städtischen Haushalts zu sprechen, «der in der Barockstadt wie vielerorts dramatisch unter Druck steht».

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Viele Mittel für die gewünschten Ideen der Bürger stehen aber auch in Rastatt nicht mehr zur Verfügung. «Wir sind gespannt auf Ihre Meinung und wollen von Ihrem Schwarmwissen profitieren», lässt sich die Rastatter Oberbürgermeisterin im Bericht der Stadt zu ihrem Selbstverständnis mit den Bürgern zitieren. Ganz so als ob das Rathaus und die Oberbürgermeisterin sich mit dem Wissen und den Ideen des einzelnen Bürgers nicht befassen mag.

 

Die Mitteilung aus dem Rathaus Rastatt vom 26. Juni 2026 im Wortlaut:

Dass die Lage ernst ist, ist den Anwesenden klar. Mit einem Defizit im Ergebnishaushalt von rund 50 Millionen Euro war der städtische Etat in diesem Jahr nur unter Auflagen vom Regierungspräsidium genehmigt worden. Doch wo soll gespart werden? Wie sollen die verbleibenden Mittel der Stadt Rastatt künftig eingesetzt werden? Welche Angebote und Leistungen sind den Bürgerinnen und Bürgern besonders wichtig?

Direkter Austausch mit Stadtspitze

Diese und weitere Fragen stehen zweieinhalb Stunden lang im Mittelpunkt der Diskussion, bei der sich Bürger unmittelbar mit der kompletten Führungsriege der Stadtverwaltung an insgesamt zehn Thementischen austauschen können. Sie decken die Bereiche Personal und Digitalisierung, Sicherheit und Ordnung, Steuern und Gebühren, Städtische Immobilien, Baumaßnahmen, Grünanlagen und Spielplätze, Schulen, Kultur und Sport, Jugend, Familie und Senioren, Wirtschaft, Gewerbeentwicklung und Innenstadt ab. Neben Oberbürgermeisterin Monika Müller sowie den beiden Bürgermeistern Raphael Knoth und Lutz Kirchner stehen ebenfalls die zuständigen Fach- und Kundenbereichsleiter für den persönlichen Austausch zur Verfügung. «Wir sind gespannt auf Ihre Meinung und wollen von Ihrem Schwarmwissen profitieren», setzt Oberbürgermeisterin Monika Müller bei der Begrüßung den Ton für die Veranstaltung.

Dramatische finanzielle Schieflage zwingt zum Handeln

Doch zunächst führt Stadtkämmerer Wolfgang Nachbauer in die Thematik ein «Der Rastatter Haushalt befindet sich in einer besorgniserregenden Schieflage», macht er ohne Umschweife deutlich. Kommunale Haushalte seien derzeit deutschlandweit kurz vor dem Kollaps. Gerade erst hätten die Gemeinden im Landkreis mit der Aktion «Kommunen am Limit» ein gemeinsames Zeichen gesetzt, dass es vielerorts fünf vor zwölf sei. Auch Oberbürgermeister Monika Müller fordert in diesem Zusammenhang nochmals den Bund auf, für eine ausreichende Gegenfinanzierung der vielen Aufgaben zu sorgen, die er den Gemeinden zumute – ohne an die Konsequenzen für die kommunalen Haushalte zu denken. So könne es nicht weitergehen. Dass gespart werden müsse, sei vor diesem Hintergrund alternativlos. Aber es müsse im Dialog und im Konsens mit den Bürgern und dem Gemeinderat sein, bekräftigt die Oberbürgermeisterin ihre Haltung. «Denn schließlich wird es uns alle betreffen, besonders auch nachfolgende Generationen.» Deshalb sei es ihr auch wichtig, Vertreter der Jugenddelegation mit ins Boot zu holen.

Rege Diskussionen und volle Listen

Nachdem Moderatorin Dr. Antje Grobe von der Agentur «Dialog Basis», die den Abend professionell begleitet, die Regeln erklärt hat, drängen die Teilnehmer rasch an die Themenstände. Der Redebedarf ist groß, die meisten haben sich schon im Vorfeld viele Gedanken gemacht und wollen diese gerne mitteilen. Bald stehen Trauben von Menschen an den einzelnen Tischen und befinden sich schnell in intensiven Gesprächen mit den Vertretern der Stadtverwaltung. Die Mitglieder der Jugenddelegation fungieren als Moderationshelfer und notieren fleißig die Ideen und Anregungen. Nach Ablauf der für die Diskussionsrunde veranschlagten Zeit liegen auf jedem der Tische volle Listen mit Vorschlägen. Im Bereich Schulen steht beispielsweise das warme Mittagessen auf dem Prüfstand. Angeregt werden auch vermehrte Kontrollen der Schultoiletten, um Vandalismus vorzubeugen und Sanierungskosten zu reduzieren. Mehr Blitzer und höhere Parkgebühren werden ebenfalls vorgeschlagen, zumindest letztere werden bereits im Juli auf der Tagesordnung der kommunalen Gremien stehen, informiert Raphael Knoth. Auch Gebühren für städtische Seniorenangebote sind im Gespräch, hier plädiert Lutz Kirchner jedoch für eine ganzheitliche Betrachtung, um in Zeiten von zunehmender Altersarmut und Einsamkeit niemand auszugrenzen. Auch Eintrittsgelder für das beliebte tête-à-tête oder ein dreijähriger Turnus des Festivals statt wie bisher alle zwei Jahren stehen beispielsweise zur Diskussion.

Bürgerideen fließen in Haushaltskonsolidierungsprozess ein

Bei der darauffolgenden Abschlussrunde können die Bürgerideen bereits grob vorstrukturiert den Anwesenden auf einer großen Leinwand präsentiert werden. Deutlich wird dabei, dass der Ausbau des bürgerschaftlichen Engagements und des Ehrenamts in den nächsten Jahren einen größeren Stellenwert einnehmen könnte. Viele Vorschläge zielen darauf ab, dass Aufgaben auch von Privatpersonen oder Vereinen übernommen werden (Baumpatenschaften u.a.), man sich Ressourcen teilt (Synergien mit Vereinen oder dem Landkreis) oder das Sponsoring weiter ausbaut. Eine Echtzeit-Befragung der Teilnehmer mittels Smartphones ergibt, dass die wichtigsten Schwerpunkte für die Anwesenden die Themen Steuern und Gebühren sowie Kultur und Sport gewesen sind. Viel Lob aus dem Plenum gibt es für die Transparenz und den «sehr wertschätzenden Charakter» der Veranstaltung. Dies bekräftigt auch Dr. Antje Grobe: «Für mich ist beeindruckend, wie viele kreative Ideen sowohl zur Finanzierung, aber auch zum Ehrenamt entstanden sind. Die Rastatter Bürgerinnen und Bürger stellen eben nicht ihr Einzelinteresse in den Vordergrund, sondern eher die Kooperation und wie man miteinander diese Situation bewältigt.» Positiv überrascht und glücklich zeigt sich Oberbürgermeister Monika Müller von der Fülle der Ideen und dem Feedback. «Wir als Verwaltung nehmen viele neue Erkenntnisse aus der heutigen Veranstaltung mit, dafür meinen aufrichtigen Dank. Wir werden sie prüfen und Sie können sich sicher sein, dass viele Ihrer Vorschläge sich in Vorlagen für den Gemeinderat niederschlagen werden», versichert Monika Müller.

Professionelle Auswertung

Die Ergebnisse der Veranstaltung werden nun aufbereitet und anschließend voraussichtlich im Juli in den städtischen Gremien vorgestellt. Erste Informationen gibt es bereits jetzt unter www.rastatt.de, eine ausführliche Dokumentation folgt in Kürze. Ansprechpartnerin und weitere Infos bei der städtischen Koordinatorin für Bürgerbeteiligung Heike Mast, Tel. 07222 972-1104, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.




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