Aus dem Rathaus Sinzheim

Intellektuell anspruchsvolles Projekt in Sinzheim – „Was will ich eigentlich von dieser Welt?“

Intellektuell anspruchsvolles Projekt in Sinzheim – „Was will ich eigentlich von dieser Welt?“
Foto: MutPunkt/Franziska Ruml

Sinzheim, 17.09.2025, Bericht: Rathaus In der vergangenen Woche fand in Sinzheim ein außergewöhnliches Ferienprojekt statt, das Jugendlichen aus Sinzheim und Umgebung Raum bot, sich intensiv mit ihrer Identität, ihren Werten und ihrer Zukunft auseinanderzusetzen.

Initiiert von MutPunkt, verband das Projekt Theaterpädagogik mit Konzeptdesign und mündete in einem eindrucksvollen Theater-Pitch vor Bürgermeister Erik Ernst und einigen Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindeverwaltung.

Fünf Tage lang arbeiteten sechs Jugendliche nicht nur kreativ, sondern auch reflektiert. Die ersten drei Tage waren geprägt von Achtsamkeitsübungen, Teambuilding, abstraktem Denken und der ständigen Rückkopplung der eigenen Ideen an persönliche Werte. Fragen wie «Was will ich eigentlich von dieser Welt?», «Welche Werte sind mir wichtig?» und «Was kann ich zu meiner Traumwelt beitragen?» standen im Mittelpunkt.

 

Aus dieser intensiven Auseinandersetzung entstand eine bemerkenswerte Idee: «Lucky Points» – ein soziales Punktesystem für Gemeinden, das Engagement belohnt. Punkte gibt es für soziale Aktivitäten wie Spielen mit älteren Menschen, Mithilfe bei der Ernte oder Teilnahme an Müllsammelaktionen. Diese Punkte können später zum Beispiel beim Studienzugang oder bei Mitbestimmung im Gemeinderat helfen – so die Idee der Jugendlichen. Nicht Alter, Geld oder Beziehungen sollten ihrer Meinung nach zählen, sondern Verantwortung und Einsatz.

Am vierten Tag wurde die Präsentationsform gewählt – und am Freitagmorgen war es so weit: Die Jugendlichen führten ein Theaterstück auf, das die vergangenen Tage Revue passieren ließ und den emotionalen Gruppenprozess sichtbar machte. Ziel war nicht, ein fertiges Konzept zu präsentieren, sondern Begeisterung zu wecken und das Publikum in ihre Gefühlswelt mitzunehmen. Den Betreuerinnen war es nach der Präsentation wichtig zu betonen, dass das Ergebnis nicht durch die Gedanken der Erwachsenen beeinflusst wurde.

Bürgermeister Erik Ernst zeigte sich nach der Präsentation begeistert und ermutigte die Jugendlichen gleichzeitig dazu, das Projekt weiter zu verfolgen: «Damit dieser gesellschaftliche Impuls zu einem greifbaren Konzept weiterentwickelt wird, ist es wichtig, dass ihr dranbleibt und andere davon begeistert.»

Für die Organisatorinnen war die Woche bewegend. «Es war faszinierend und zugleich erschreckend zu sehen, mit welchen Gedanken, Sorgen und Wünschen unsere Jugendlichen unterwegs sind», sagt Franziska Ruml, Projektleiterin bei MutPunkt. «Das Bedürfnis nach einer Welt ohne Handys und Social Media war deutlich spürbar. Die Jugendlichen fühlen sich wie gefangen in einer digitalen Welt, die sie nicht selbst gebaut haben.»

Die Abschlussreflexion der Jugendlichen spricht für sich: «Ich fand es richtig toll, dass ich neue Freunde gefunden habe.» – «Ich würde sofort wieder mitmachen.» – «Wir wollen ein Hüttenwochenende in der Natur, wo wir an der Idee weiterarbeiten können!»

Wie es jetzt weitergeht, ist für alle spannend. Die Woche hat gezeigt, wie viel Potenzial in solchen Formaten steckt – sowohl inhaltlich als auch methodisch. Die Jugendlichen haben eigenständig Ideen entwickelt, die gesellschaftliche Relevanz haben, und dabei erlebt, wie viel Gestaltungskraft in ihnen steckt. Für die Organisatorinnen von MutPunkt war die Ferienwoche ein wertvoller Probelauf. Toll wäre es, wenn die Jugendlichen das Projekt auch weiterhin mit Unterstützung des Jugendsozialarbeiters verfolgen und es in der Jugendarbeit der Gemeinde integrieren. So könnte daraus eine regelmäßige Veranstaltungsreihe oder ein Folgeprojekt entstehen. Klar ist: Das Interesse der Jugendlichen ist da – und die Bereitschaft, weiterzudenken auch.

Besonders schön war für die Begleiterinnen von MutPunkt die finanzielle Wertschätzung des Projektes durch die VR-Bank Mittelbaden mit einer Spende von 2.000 Euro. Die Drei hatten sich im Vorfeld dafür entschieden, bei dem Projekt in Vorleistung zu gehen, um schnellstmöglich ein erstes Pilotprojekt zeigen zu können. «Natürlich freuen wir uns auch noch im Nachgang über Spenden, oder zukünftige Unterstützungsmöglichkeiten, um die Arbeit in Kommunen und an Schulen zu ermöglichen», so Franziska Ruml. Spendenbescheinigungen können über die Gemeinde Sinzheim projektbezogen ausgestellt werden.




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