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Grünes Grand Hotel in Baden-Baden - Frank Marrenbach: "Wir möchten alle Plastikartikel bis zum Ende des Jahres verbraucht haben" - "Also per Strafkultur mehr Regeln, glaube nicht, dass das zielführend ist"

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goodnews4-Sommergespräch von Nadja Milke mit Frank Marrenbach

Baden-Baden, 29.08.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch «Wo kaufe ich ein? Wie manage ich meine Energie − nicht nur meine Energie, sondern die Energieressourcen? Wie behandle ich Mitarbeiter? Es geht auch um Gleichberechtigung, es geht um das richtige Maß an Diversität.» Fragen und Versatzstücke, die nicht etwa von Robert Habeck, Winfried Kretschmann oder Annalena Baerbock stammen, sondern von einem der einflussreichsten Hotelmanager Deutschlands.

Im goodnews4-Sommergespräch mit Nadja Milke lässt Frank Marrenbach keinen Zweifel, dass die Zeiten der Salonreden vorbei sind und es konkreten Handlungsbedarf gibt.

«Wir möchten alle Plastikartikel in unseren Hotels bis zum Ende des Jahres verbraucht haben und diese weitestgehend ersetzen mit Nicht-Plastikartikeln. Klassisches Beispiel: Strohhalme, Wasserflaschen und vieles mehr. Wir brauchen aber auch 15 Monate, um die Bestände, die wir haben, aufbrauchen zu können», definiert der CEO der Oetker Collection die Roadmap in Sachen grünes Grand Hotel in Baden-Baden. Und die angenommene Verantwortung für die Welt, in der die Oetker-Hotels keine Inseln sein können, öffnet das gesamte Management-Bewusstsein und damit auch die Türen der Küchen der Grand Hotels, für die Frank Marrenbach in Europa, Amerika, Afrika und Asien verantwortlich ist. «Wir kaufen lediglich Fisch ein, der einem bestimmten Haltungsprinzip unterliegt, also keine Massenfischhaltung oder eine bestimmte Zufütterung bei der Tierhaltung.»

Und es ist wohl eine Veränderung des Bewusstseins genau jenes gesellschaftlichen Klientels, die Frank Marrenbach gar keine andere Wahl lässt als zu erkennen, dass der pure Hedonismus einer sorglosen Partygesellschaft passé ist. Vielleicht für die Positionierung des offiziellen Baden-Badens ein Gedanke wert, wo eher das Vorbild der narzisstischen 90er Jahre angekommen zu sein scheint.

Der Weg des grünen Baden-Badener Grand Hotels folgt aber nicht den Teilen des Parteiengrüns, das mit regulatorischen Prinzipien die Welt retten will. «Also per Strafkultur mehr Regeln, glaube ich nicht, dass das zielführend ist, sondern die richtige Incentivierung. Einen Veggieday sozusagen als Regel aufzustellen, halte ich nicht für vereinbar mit unserem grunddemokratischen Verständnis. Warum auch? Was kommt danach? Der weinfreie Tag, der bierfreie Tag, der autofreie Tag als Verpflichtung? Daran glaube ich nicht.»

Das goodnews4-Sommergespräch wurde aufgezeichnet, bevor Frank Marrenbach seinen Rückzug als Direktor des Brenners Park-Hotels in Baden-Baden bekanntgab. Ab Januar 2020 will er sich «vollumfänglich seiner Funktion als CEO der Oetker Collection» widmen. goodnews4.de berichtete.


Abschrift des goodnews4-Sommergesprächs von Nadja Milke mit Frank Marrenbach, Direktor Brenners Park-Hotel und CEO Oetker Collection:

goodnews4: Frank Marrenbach, im goodnews4-Sommergespräch versuchen wir ja immer etwas über den Tag hinauszuschauen, über die täglichen Themen und Probleme, die wir in Baden-Baden diskutieren, hinaus. Auch dieses Jahr wollen wir das wieder so tun. Vom Großem und Ganzem zum Speziellen kommend. Vom Globalen zum Lokalen. An Donald Trump und den schwebenden, hängenden Brexit haben wir uns mittlerweile gewöhnt. So schnell geht das. Auch an die täglichen Schlagzeilen und Twitter-Nachrichten. Auch an unseren Wohlstand haben wir uns offensichtlich ganz gut gewöhnt. Vor allem die deutschen Männer haben sich darauf eingerichtet. Wir haben letztes Jahr schon mal gemahnt, aber es hat offensichtlich nichts geholfen. Denn tatsächlich haben inzwischen 67 Prozent der deutschen Männer Übergewicht Mal ganz böse und spitz formuliert: Wir fressen uns zu Tode und retten so das Klima?

Frank Marrenbach: Mir war gar nicht bewusst, dass zwei Drittel der Männer Übergewicht haben. Dann muss man, glaube ich, mal gucken was die Ursache ist. Sitzen die alle nur auf dem Sofa oder essen die einfach gern? Also ich würde mich jetzt nicht berufen fühlen den Kontext aufzuzeigen «fressen wir uns da zu Tode?», aber ich glaube, Ihre Frage geht ja in die Richtung: Wie bewusst gehen wir mit den Dingen um, die wir haben? Was bedeutet uns Gegenwart und, noch wichtiger, Zukunft? Und wie sind wir bereit, diese zu verändern und was braucht es dazu? Vielleicht von Übergewicht zur Haltung und zur Einstellung.

goodnews4: Wie können denn Unternehmen wie die Oetker Collection und Hotels wie das Brenners Park-Hotel dazu beitragen? Zu einem gesünderen Leben und Lifestyle, wie man heutzutage sagt.

Frank Marrenbach: Ich glaube, wir haben als Oetker Collection, zu denen ja das Brenners Park-Hotel gehört, eine besondere Verantwortung. Wir stehen sicherlich, landläufig würde man zu Recht sagen, für Luxus, für das Luxuriöse. Das heißt, wir brauchen eine ganze Menge von Ressourcen, um am Ende das zu erreichen, was man in Hotels so bekommt. Das ist, glaube ich, ganz wichtig, das Thema CSR, heißt das, Corporate Social Responsibility, also das Bewusstsein eines Unternehmens, wie es seine Leistung zusammenbaut. Wo kaufe ich ein? Wie manage ich meine Energie – nicht nur meine Energie, sondern die Energieressourcen? Wie behandle ich Mitarbeiter? Es geht auch um Gleichberechtigung, es geht um das richtige Maß an Diversität und das sind ganz wichtige Sachen, weil ich fest davon überzeugt bin: Ein Unternehmen wie das unsrige, wenn wir uns nicht aus tiefem Herzen und Überzeugung damit beschäftigen, werden Gäste irgendwann diesen Luxus nicht mehr als gut empfinden, weil sie damit sozusagen mit dem Konsum oder mit dem Kauf verhaftet werden etwas zu tun, was gesamtökologisch nicht gut ist. Wir sehen Fridays for Future, wir sehen politische Veränderungen. Die Europawahl hat ja nun auch einiges gezeigt, dass dort ein ganz großes Bewusstsein entsteht und dem müssen und wollen wir gerecht werden. Wir möchten alle Plastikartikel in unseren Hotels bis zum Ende des Jahres verbraucht haben und diese weitestgehend ersetzen mit Nicht-Plastikartikeln. Klassischen Beispiel: Strohhalme, Wasserflaschen und vieles mehr. Wir brauchen aber auch 15 Monate, um die Bestände, die wir haben, aufbrauchen zu können. Das ist, glaube ich, ein ganz konkretes Beispiel. Oder wir kaufen lediglich Fisch ein, der einem bestimmten Haltungsprinzip unterliegt, also keine Massenfischhaltung oder eine bestimmte Zufütterung, die nicht nur das Produkt, sondern auch die Tierhaltung nicht sehr förderlich macht. Also das ganz konkret. Da hat sich die Oetker Collection sehr stark verschrieben.

goodnews4: Ist es denn auch Luxus, sich mit diesen Themen so bewusst, wie sie es gerade beschreiben, auseinandersetzen zu können? Kann das denn jeder? Das höchste Gut ist ja die Freiheit und die Selbstbestimmung der Menschen. Benötigen wir aber vielleicht auch mehr Regelungen, um solch eine Denkweise, solch ein Verhalten auch durchzusetzenß Also braucht man vielleicht doch einen Veggieday?

Frank Marrenbach: Der erste Teil Ihrer Frage, ob es ein Luxus ist sich damit zu beschäftigen: Nein, es ist kein Luxus, es ist Notwendigkeit. Jemand hat mir mal gesagt und das gefällt mir sehr gut: «Operative Hektik ist ein Zeichen geistiger Windstille.» Das heißt, Unternehmensverantwortliche, zu denen ich mich zähle, haben eben auch die Pflicht und die Aufgabe damit umzugehen und ein bisschen in die Zukunft zu gucken. Vieles, was sie heute entscheiden, wird ja erst später wirksam. Ein guter Freund sagte mir: «Die Menschen, die heute Entscheidungen treffen, haben ein bestimmtes Alter.» ich gehöre dazu. Ich bin jetzt Anfang fünfzig. Die Menschen haben circa dreißigtausend Lebenstage und die, die heute Entscheidungen treffen, haben sechs- bis acht- bis neuntausend übrig. Das heißt, wir entscheiden heute für die Menschen, die noch dreißig- oder zwanzigtausend vor sich haben. Dessen muss man sich eben bewusst sein. Das ist ganz wichtig. Ich glaube, das merkt man auch an der Jugendbewegung, dass die sagen: «Hey ihr da, nichts für ungut, aber ihr entscheidet über unsere Zukunft und deshalb wollen wir, dass ihr heute beginnt darüber nachzudenken.» Das ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig. Das ist kein Luxus. Es ist Notwendigkeit. Nach der zweiten Frage muss ich nochmal fragen.

goodnews4: Braucht es mehr Regelungen? Zum Beispiel eben doch einen Veggieday?

Frank Marrenbach: Ich bin kein Fan von mehr Regelungen. Im Übrigen, was ich dringend anregen möchte ist, dass wir nicht mit Strafmaßnahmen versuchen, ein Verhalten zu verändern oder zu sanktionieren, sondern dass wir das positiveren. Wir incentivieren ein positives Verhalten zu vielen Dingen in der Welt. Also anstatt die Mineralölsteuer dauernd weiter zu erhöhen, vielleicht könnte man bisschen mehr tun, um umweltoptimiertere Mobilitätsmodelle voranzutreiben. Warum muss man die Bahn auch mit 19 Prozent versteuern, wenn man es vielleicht auch anders machen kann? Ich glaube, das ist ein fundamentaler Unterschied, wie ich etwas begegne. Also per Strafkultur, mehr Regeln, glaube ich nicht, dass das zielführend ist, sondern die richtige incentivierung. Einen Veggieday sozusagen als Regel aufzustellen, halte ich nicht für vereinbar mit unserem grunddemokratischen Verständnis. Warum auch? Was kommt danach? Der weinfreie Tag, der bierfreie Tag, der autofreie Tag als Verpflichtung? Daran glaube ich nicht.

goodnews4: Wir haben die Wahl, die Freiheit, uns bewusster zu ernähren, bewusster zu leben, nachhaltig zu leben, auch in die nachkommenden Generationen denkend. Betrachten wir es mal ein bisschen philosophisch, Frank Marrenbach, wenn Sie einverstanden sind, um das Muster, das Denken aus den alten Mustern zu befreien, bei all den Herausforderungen, die wir als Menschen zu lösen haben. Ich habe ein Zitat: «Es ist zu bequem unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der mein Gewissen hat, einen Arzt, der meine Diät beurteilt.» Sind die Ursachen, warum Menschen untätig bleiben, vielleicht Faulheit und Feigheit?

Frank Marrenbach: Nein, das glaube ich nicht. Es mag faule und feige Menschen geben, aber das ist, glaube ich, nicht die Mehrheit. Die Mehrheit macht sich schon viele Gedanken und hat Sorgen. Die Komplexität, glaube ich, macht das häufig schwierig. Das ist ja auch ein Grundproblem. Wie kommunizieren wir heute etwas und können wir überhaupt etwas kommunizieren, damit der eine oder andere zuhört? Heute ist es holzschnittartig, es wird reduziert auf ein Bild, auf eine Phrase, und da ist es schwierig, die Welt richtig zu verstehen. Vielleicht brauchen wir eine andere Form der Bildung, vielleicht brauchen wir auch eine Befähigung mit den neuen Medien − so neu sind die ja gar nicht, die sind schon 20 Jahre da, die Medien, die wir heute unter neue Medien subsumieren − umzugehen. Vielleicht braucht es da eben auch einen Führerschein. Vielleicht müssen wir uns mal Gedanken machen, wie wir uns Meinungen bilden. Das muss vielleicht auch wieder gelernt werden und damit wir von dieser Einseitigkeit weg kommen und darüber hinaus dann gemeinschaftlich die Dinge besser formen. Ich bin total happy, wenn ich so viele junge Menschen sehe, die sich freitags engagieren. Da geht es mir gar nicht im Detail darum, was jetzt dort zum Ausdruck gebracht wird. Darüber kann man immer diskutieren. Und das finde ich auch ungerecht, wenn man das sagt: Ja, die machen das nicht und die jungen Leute sitzen nur auf dem Sofa. Das stimmt überhaupt nicht, wie man sieht, und das gibt doch zu hoffen. Eine junge Gesellschaft, die sich einbringt und vielleicht eine etwas ältere, zu der ich mich mittlerweile auch zählen darf oder muss, die miteinander im Dialog ist und schaut, wie wir diesen Planeten gestalten. Das ist Utopie und Utopie ist gut, weil es immer an etwas glaubt, was vielleicht heute nicht da ist. Aber wenn du das nicht hast, wenn du daran nicht glaubst, wenn du nicht die Fantasie hast, Dir die Welt deutlich besser vorzustellen, dann wirst du nie beginnen sie zu ändern. Also ich glaube nicht, dass Feigheit und Faulheit unsere Gesellschaft charakterisiert, sondern dass wir vielleicht uns bewusster miteinander ins Benehmen setzen, auch eine schöne Streitkultur haben. Ja, ich liebe es, wenn ich auch Menschen gegenüber habe, die vielleicht nicht meine Meinung haben, weil ich auch herausfinden möchte:, liege ich richtig oder auch vielleicht den anderen zum Mit- und Umdenken bewegen kann. Darum geht es mir.

goodnews4: Da gibt es einen weisen Spruch, der genau dazu passt und der ist schon ziemlich alt. 500 Jahre vor Christus sagte ein großer Chinese, den wir alle vom Namen her zumindest kennen: «Der Edle stellt Anforderungen an sich selbst. Der Gemeine stellt Anforderungen an die anderen Menschen.» Konfuzius hat das gesagt. Sollte das das Leitmotiv sein unserer Tage? Vielleicht auch das, was die Fridays-for-Future-Bewegung ja sagt: Jeder einzelne kann die Anforderung an sich stellen und ich kann schon etwas ändern, wenn er umdenkt?

Frank Marrenbach: Ja, also Konfuzius hat das vor langer Zeit gesagt. John F. Kennedy vor einigen Jahrzehnten: «Denke nicht nur darüber nach, was das Land für dich tun kann, sondern eben auch, was du für das Land tun kannst.» Das kann man auch ersetzten mit «Gesellschaft». Was kannst du für eine Gesellschaft tun? Ich persönlich bin fest davon überzeugt, es ist alles größer als ich selber. Das heißt, das muss man erstmal für sich verarbeiten, weil man sich in dem Moment klein fühlt. Aber wenn man den Schritt machen kann, wir reden ja gerade ein bisschen philosophisch, ein bisschen über die Einstellung. Wenn man das für sich verarbeitet hat, es ist alles größer als man selbst, dann findet man schnell zu der Frage zurück: Was ist mein Beitrag? Beitragen zu etwas Großem ist ja etwas Wundervolles. Wir alle wollen doch Teil einer Erfolgsgeschichte sein. Gegebenenfalls unserer eigenen, unseres eigenen Lebens. Darüber hinaus: Was habe ich dafür getan, dass es meinem eigenen Umfeld besser geht? Das ist belohnend, es ist anstrengend, aber jeder, der von uns irgendwann mal seine große Retrospektive ziehen muss, über das, was man in seinen Lebensjahren getan hat, kommt hoffentlich zu dem Ergebnis: Ich habe etwas beigetragen, ich habe nicht nur genommen.

goodnews4: Was jeder kennt: Den Euphemismus Ihres Landsmanns Heine aus Düsseldorf: «Denk ich an Deutschland bei Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.» Uns geht es gut. Als Hotelier wissen Sie, dass es schwierig ist, gut im Sinne von erfolgreich zu bleiben. Auf was müssen wir Deutsche uns konzentrieren, außer auf zu üppige Mahlzeiten?

Frank Marrenbach: Auf gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ich glaube, am Ende des Tages ist es wichtig zu gucken, das wir in einem ausgeglichenen Land leben. Das heißt, dass sich die große Mehrheit der Menschen wiederfindet. Ich bin natürlich manchmal auch selber dazu geneigt zu sagen: Was soll denn hier das ganze Rumgemeckere? So schlecht ist es doch gar nicht. Und dann denke ich mir auch: Dir geht es ja auch recht gut. Marie Antoinette hat, glaube ich, mal gesagt: «Das Volk hat kein Brot, sollen sie doch Kuchen essen.» Insofern, glaube ich, muss ich mich selber einmal schützen, aus eigener Lebensperspektive die Gesamtsituation zu beurteilen. Deswegen zurück, wir müssen, was auch immer es braucht, dafür sorgen, dass die Mehrheit der Menschen sich eben zugehörig und mitgenommen fühlen. Das geht natürlich auch nur durch ein gesundes Maß an Umverteilung. Ohne jetzt ganz links zu stehen, aber Umverteilung, das richtige Maß, heißt ja: Der, der mehr hat, gibt auch ein bisschen mehr. Ich glaube, das ist auch fast gesellschaftlicher Konsens. Wenn es dann an Zahlen geht, was die richtige Einkommensteuer ist und so weiter, ich glaube, da kann man sicherlich drüber streiten. Aber diesen wirtschaftlichen Konsens dürfen wir nicht aufkündigen. Das ist die Basis eines friedlichen Zusammenlebens und das bedeutet eben auch von Europa. Auch Europa funktioniert nur, wenn sich die meisten Länder mitgenommen fühlen. Es führt zu nichts, wenn es ein Nord-Süd-Gefälle gibt. Es ist nicht zukunftsfähig, wenn ein Land eine Arbeitslosigkeit von dreißig Prozent hat. Wie sollen sich diese Menschen denn überhaupt wohlfühlen und sagen: Europa ist gut? Ich habe leider die Lösung nicht. Aber ich glaube, es bedeutet auch, dass der, der mehr hat, der an der Gemeinschaft interessiert ist, muss etwas mehr geben, als der, der weniger hat. Ich weiß, es ist super abstrakt, aber es beginnt, glaube ich, immer mit dem abstraktesten Grundverständnis, damit ich mich dem annähern kann.

goodnews4: Was bedeutet es für Baden-Baden? Ich hab ja bei unserem goodnews4-Sommergespräch eingeleitet, dass wir vom Großen und Ganzen zum Speziellen kommen wollen. Vom Globalen zum Lokalen. In Baden-Baden hat sich ja nun einiges verschoben. Es gab die Kommunalwahl. Nach siebzig Jahren sind die Gewichte in der Kommunalpolitik verschoben. Was empfehlen Sie den Baden-Badener Kommunalpolitikern für die nächsten fünf Jahre Gemeinderat?

Frank Marrenbach: Nun ja, Wahlen sind ein Ergebnis von dem Empfinden der Wähler und dieser Wählerwille ist zum Ausdruck gebracht worden. Ich glaube, das muss man so akzeptieren und es gibt bestimmte Grundtendenzen, die damit eben auch zum Ausdruck gebracht werden. Was kann ich einem Gemeinderat empfehlen? Ich gar nichts. Es ist immer einfach, anderen etwas zu empfehlen und es ist immer unfassbar schwierig, das dann auch umzusetzen. Vielleicht darf ich meine Empfehlung auch mit einer Wertschätzung verbinden, denn egal welche politische Couleur, jeder Gemeinderat setzt sich aus seinem subjektiven und objektiven Block heraus für etwas ein und macht das freiwillig. Das ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, deshalb kann ich jedem einzelnen sagen: Danke, dass Sie das für diese Stadt tun. Dass es überhaupt Menschen gibt, die sich dafür engagieren wollen. Andererseits sind im Gemeinderat die Mehrheiten jetzt etwas anders und ich denke neue Mehrheiten bringen auch neue Chancen, sofern alle eint, dass es hier um die Stadt geht. Wie ich vorhin sagte: Es ist immer größer als du selbst. Es ist immer mehr als die eine Partei darstellt, glaube ich, wird man sich über die Zeit auch über eine vielleicht veränderte Programmatik zum Wohle der Stadt auch bewegen. Wie Sie wissen, ich bin ja ein grundoptimistischer Mensch., ich kenne ja auch viele Akteure im Gemeinderat, neue Akteure und die brennen eigentlich alle für Baden-Baden und deshalb mach ich mir zwar viele Gedanken, aber keine Sorgen.

goodnews4: Das war das goodnews4-Sommergespräch 2019 mit Frank Marrenbach. Ich bedanke mich und wünsche Ihnen einen wunderschönen Sommer. Wo werden Sie ihn verbringen?

Frank Marrenbach: Ich werde nach Bayern fahren. Ich bin so viel unterwegs, ich möchte nicht fliegen. Wir werden nach Bayern fahren und dort ein bisschen im See schwimmen und ein bisschen in den Bergen wandern.

goodnews4: Vielen Dank.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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