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Kommentar von Christian Frietsch

Nora Waggershauser zum neuen Baden-Badener Tourismus-Konzept – „Also das Konzept ist in dem Sinne nicht neu“

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Nora Waggershauser

Bild Christian Frietsch Kommentar von Christian Frietsch
07.10.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Eine Überraschung hatte Nora Waggershauser im goodnews4-VIDEO-Interview parat, nachdem die Medien gestern eigens zur Vorstellung des Tourismus-Konzeptes ins Rathaus geladen worden waren. Das von Finanzministerin Edith Sitzmann angeforderte Tourismus-Konzept sei gar nicht neu gewesen.

«Wir haben es verschriftlicht, bevor überhaupt – sage ich mal – die Anfrage vom Land kam», erklärte die Baden-Badener Tourismus-Chefin den erstaunlichen Werdegang eines «verschriftlichten» Konzepts. Als Voraussetzung für jährliche Zahlung von 10 Millionen Euro über einen Zeitraum von 10 Jahren hatte das Finanzministerium ein Tourismus-Konzept verlangt.

«Also es waren harte Verhandlungen», hat Oberbürgermeisterin Margret Mergen das Ringen um die Millionen beschrieben. goodnews4.de berichtet heute. Wie groß der Rückhalt durch die Marketing-Experten aus Baden-Baden war, ist nicht überliefert. Nora Waggershauser gab dem Baden-Badener Tourismus-Konzept jedenfalls ihre Einordnung: «Das heißt also zur Frage, was passiert mit dem Konzept: «Alle Facetten, die wir da eben beleuchten, werden ganz, ganz stark in die verschiedenen Marketing-Aktivitäten forciert. Das ist eigentlich der Grund, warum es das Konzept auch gibt.» Und Nora Waggershauser räumte ein: «Also das Konzept ist in dem Sinne nicht neu.» Womit sie richtig liegt. Bei Durchsicht des Konzepts finden sich keine Neuigkeiten.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Nora Waggershauser, Geschäftsführerin Baden-Baden Kur und Tourismus GmbH:

goodnews4: Was gibt es denn mit dem neuen Konzept jetzt, was es vorher nicht gab?

Nora Waggershauser: Also das Konzept ist in dem Sinne nicht neu. Wir haben es 2018 schon geschrieben. Wir haben es verschriftlicht, bevor überhaupt – sage ich mal – die Anfrage vom Land kam, dass wir es dafür, für die Verhandlungen, nochmal aufarbeiten. Das fließt in unsere tägliche Arbeit ein, also das ist generell bei dem Konzept so. Wir haben jetzt schon sehr erfolgreich zwei Jahre damit gearbeitet. Es ist praktisch die Grundlage, der rote Faden, der durch unsere Aktivitäten eben entsprechend auch führt, nach dem wir alles aufbauen. Auch für das Miteinander der Kulturakteure ist es wichtig, dass wir eben auch ein gemeinsames Markenversprechen für den Gast haben, der nach Baden-Baden kommt.

goodnews4: Also dann an anders gefragt: Was gibt es mit diesem Konzept, was es vor diesem Konzept nicht gab?

Nora Waggershauser: Ich habe die Frage nicht verstanden, Frau Milke. Wie meinen Sie, «was gibt es mit diesem Konzept»?

goodnews4: Naja, es wurde ja ein Konzept erstellt…

Nora Waggershauser: Dieses, ja.

goodnews4: …2018 und was gibt es jetzt mit diesem Konzept, was es vorher nicht gab? Also, was ist neu in dem Konzept?

Nora Waggershauser: Neu ist im Prinzip die Strategie, die eben aufgrund – mal andersrum gesagt: Ein Marketingkonzept beruht ja immer darauf, wie sich eine Stadt darstellt, wie sich eine Stadt positioniert und sich verhält und in den vergangenen Jahren haben die Leistungsträger sich in Baden-Baden sehr verändert, zum Positiven verändert. Das Casino hat sich neu etabliert mit verschiedenen Aktionen, das Roomers Hotel kam mit dazu, also das Hotelangebot hat sich gewandelt, die Geroldsauer Mühle in der Facette des Naturerlebnisses kam dazu und das Konzept wurde um diese Bereiche angepasst, damit wir die auch verstärkt ins Marketing einfließen lassen können. Das heißt also zur Frage, was passiert mit dem Konzept: Alle Facetten, die wir da beleuchten, werden ganz, ganz stark in die verschiedenen Marketing-Aktivitäten forciert. Das ist eigentlich der Grund, warum es das Konzept auch gibt.

goodnews4: 2018 wurde es ja erstellt, die Coronakrise gibt es jetzt seit 2020. Müsste man denn jetzt eigentlich nach Corona nochmal ein neues Konzept erstellen?

Nora Waggershauser: Also eigentlich nicht. Die Frage stelle man sich natürlich schon, weil momentan alles so ganz anders ist. Aber es ist auch während Corona so, dass wir nach wie vor an dem Konzept festhalten. Ich hatte vorhin auch erklärt, das Konzept hat verschiedene Schwerpunkte, gerade die Facette Natur, Erlebnis einer Natur, die hat jetzt eine viel höhere Bedeutung bekommen, die Internationalität geht derzeit zurück, vieles bewegt sich in den europäischen Märkten oder im deutschen Markt,. Das heißt, dass wir andere Schwerpunkte setzen, ist auch trotz dieses Konzeptes möglich, weil wir diese ja auch alle beleuchten. Wir brauchen kein neues Konzept, aber wir brauchen eine neue Aktivität. Das heißt also unsere tägliche Arbeit unterscheidet sich sehr wohl von der vor Corona, aber letztendlich konzeptionell zugrunde liegt immer noch das Richtige, weil danach wollen wir da wieder hin. Weil wir haben im internationalen Bereich eine hohe Wertschöpfung und die wollen wir natürlich nach Corona wieder erreichen. Aber für den momentanen Zeitpunkt haben Sie völlig Recht, sind ganz andere Strategien gefragt.

goodnews4: Vielleicht ganz kurz als letzte Frage noch, haben Sie denn einen aktuellen Überblick über die Corona-Lage im Tourismus in Baden-Baden? Die Zahlen von März bis heute zum Beispiel im Vergleich zum letzten Jahr?

Nora Waggershauser: Ja, also die Zahlen habe ich jetzt nicht einzeln im Kopf, aber der August zum Beispiel war ein sehr, sehr guter Monat. Das tolle Wetter, die Natur, der Panoramaweg, die Prämierung, hat uns sehr, sehr geholfen, sodass die Zahlen sehr, sehr nahe am Vorjahresniveau waren. Das war also deutlich zu spüren. Während der Juni und der Juli noch sehr verhalten war. Im September waren die Hoteliers von den Rückmeldungen, ich habe da keine Zahlen vorliegen, auch zufrieden. Ich glaube für uns wird jetzt nochmal ein Thema der Herbst werden, also das wird sicherlich ein bisschen schwieriger. Das sind eigentlich sehr starke Kongressmonate, die wir jetzt eben nicht so haben, aufgrund dass die Kongresse einfach nicht tagen können. Insofern insgesamt liegen wir, ich würde sagen, über den Sommer bei 50 bis 60 Prozent der Auslastung vom letzten Jahr – insgesamt gesehen. Ich muss da sagen, das ist so «gutes Mittelfeld». Uns geht es in Corona besser als es manchen reinen Städten geht, aber natürlich gibt es Regionen am Meer, am Wasser, die natürlich jetzt während Corona, doch noch deutlich besser profitiert haben. Also daher ist es so eine gesunde Mischung derzeit.

goodnews4: Vielen Dank.

Nora Waggershauser: Gerne, Frau Milke.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Nora Waggershauser


Stichpunkte zur Pressekonferenz – Verlängerung BKV Vereinbarung im Zuge der Genehmigung der Tourismuskonzeption
Quelle: Stadt Baden-Baden

Historie

• Im Jahr 1995 haben das Land Baden-Württemberg und die Stadt Baden-Baden vereinbart, die Wahrnehmung der kurörtlichen Aufgaben in Baden-Baden neu zu gestalten.

• Zur Umsetzung haben das Land und die Stadt im Jahr 1995 eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen, die im Wesentlichen die neuen Strukturen beschreibt und festlegt sowie die finanziellen Leistungen des Landes an die Stadt regelt: − In diesem Zuge wurden Theater, Philharmonie, Kur- und Parkanlagen in die Trägerschaft der Stadt überführt (Kommunalisierung). − Durch die Strukturreform ergaben sich finanzielle Leistungsverpflichtungen des Landes gegenüber der Stadt, welche sich in jährlichen Ausgleichsleistungen widerspiegeln. Danach erhält die Stadt vom Land Ausgleichsbeträge für das Theater und das Orchester, die Kur- und Parkanlagen, die BBT sowie die BBE. − Die Umstrukturierung ist u.a. Ursache für die positive Entwicklung bei den kurörtlichen Einrichtungen und im kulturellen Bereich, was an den stetig steigenden Übernachtungszahlen zu erkennen ist.

• Die Laufzeit der Vereinbarung von 1995 endete zunächst mit Ablauf des 31.12.2000. Seitdem wurde sie insgesamt 3 Mal verlängert. Die aktuelle Rahmenvereinbarung läuft zum 31.12.2020 aus.
− Die letzte Verlängerung der Rahmenvereinbarung erfolgte mit Unterzeichnung am 02.07.2018 und hatte zunächst eine Laufzeit vom 01.01.2021 bis zum 31.12.2025.
− Mit der Erarbeitung eines Tourismuskonzeptes für Baden-Baden und dessen Vorlage im Jahr 2019 beim Land, hat dieses der Verlängerung der Rahmenvereinbarung um weitere fünf Jahre bis zum 31.12.2030 zugestimmt (Schreiben vom 10.08.2020).

Bedeutung für die Stadt

• Für die Stadt Baden-Baden als Kur- und Tourismusstadt stellen die Zahlungen aus der BKV-Rahmenvereinbarung eine essenzielle Einnahmeposition dar.

• Mit der finanziellen Unterstützung des Landes ist bis Ende 2030 die Bestandssicherung der städtischen Kur- und Tourismuseinrichtungen gesichert sowie die Aufrechterhaltung der touristischen Infrastruktur gewährleistet.

• Mit den Mitteln des Landes kann der Tourismus in der Stadt zukunftsweisend aufgestellt und weiterentwickelt werden.

• Mit der Verlängerung der Vereinbarung kann die Stadt die Funktion eines besonderen wirtschaftlichen, kulturellen und touristischen Zentrums wahrnehmen und gerecht werden und in diesem Zuge auch zur weiteren Wertschöpfung für das Land Baden-Württemberg beitragen. In diesem Sinne stellt die Verlängerung für beide Parteien eine «Win-Win-Situation» dar.

Finanzielles

• Im Jahr 2019 erhielt die Stadt aus der BKV Rahmenvereinbarung insgesamt rd. 11.360 TEuro. Davon entfielen auf:
− Theater: 3.380 TEuro
− Philharmonie: 2.970 TEuro
− Park- und Gartenanlagen: 2.040 TEuro
− BBT: 1.230 TEuro
− BBE: 1.740 TEuro

• In den letzten zehn Jahren (2010-2019) summierten sich die BKV-Zahlungen auf insgesamt rd. 105 Mio. Euro.

• Die Zahlungen unterliegen einer jährlichen Dynamisierung, welche sich zum einen nach der Entwicklung des Verbraucherpreisindexes (45 Prozent) und zum anderen nach der Entgelterhöhung (55 Prozent) nach dem Tarifvertrag der Länder richtet.


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