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Langer Weg aus der Corona-Krise

Pfingstwochenende für Baden-Badener Hotels "eine Katastrophe" – DEHOGA-Chef Hans Schindler: "Da muss etwas passieren, das Festspielhaus ist geschlossen und zur Pferderennbahn darf keiner"

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Hans Schindler

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
05.06.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Theorie und Praxis liegen bei dem Baden-Badener DEHOGA-Chef und Stadtrat Hans Schindler eng beieinander. Was in Berlin und Stuttgart in Sachen Corona-Regeln auf den Weg gebracht wird, kann der Baden-Badener Wirt in seinem traditionsreichen Gasthof Auerhahn gleich mal überprüfen. An das zur Exekutive verpflichtete Rathaus Baden-Baden kann er vermelden, dass sich die Baden-Badener und die Gäste der Stadt am Riemen reißen.

Für das Corona-Rollback an Pfingsten verteilt Hans Schindler im goodnews4-AUDIO-Interview nur gute Noten. Eine eher finstere Bilanz musste Hans Schindler zum Opening der Hotels an Pfingsten ziehen.

Das von der CDU-Fraktion beklagte Chaos wegen des Besucheransturms auf das Geroldsauer Rhododendron-Blütenmeer − goodnews4.de berichtete − hat er auch miterlebt, ist aber, was die nach Erlebnissen ausgehungerten Menschen angeht, milde gestimmt: «Ich habe mir auch meine Gedanken gemacht, wie man das Problem lösen könnte, und es ist mir auch nichts anderes eingefallen, als sowohl den Festplatz als auch den Sportplatz zu öffnen für dieses Wochenende, um die wahnsinnig vielen Autos dort zum Parken abzustellen.» Niemand hat die Menschen gezählt, die an den Pfingsttagen das beschauliche Geroldsau und das Blütenmeer an den Wasserfällen stürmte, aber es dürften über mehrere Tage verteilt eher Tausende als Hunderte von Menschen gewesen sein, die auch die Gastronomie in Geroldsau. Positiv überrascht war Hans Schindler von der Disziplin seiner Gäste: «Ich habe mir das eigentlich wesentlich schwieriger vorgestellt und gedacht da müssen wir relativ viel eingreifen und regulieren, aber eigentlich ist es gerade umgekehrt. Die Gäste wissen wieviel Abstand und wo sie Maske tragen müssen.»

Eine eher finstere Bilanz musste Hans Schindler zum Opening der Hotels an Pfingsten ziehen. «Das Pfingstwochenende war eine Katastrophe von den Übernachtungszahlen her», zog Hans Schindler eine erste Bilanz. Und die beiden wesentlichen Gründe nannte er im goodnews4-AUDIO-Interview.


Abschrift des goodnews4-AUDIO-Interviews mit Hans Schindler, Vorsitzender DEHOGA Baden-Baden:

goodnews4: Herr Schindler, das vergangene Wochenende war ja für Geroldsau so eine Art «Flower-Power-Wochenende». Wurde denn die Bewährungsprobe nach der Corona-Pause bestanden in Geroldsau und gab es auch in der Gastronomie einen Ansturm?

Hans Schindler: Also das sind ja zwei verschiedene Sachen. Ich meine jawoll, die Bewährungsprobe wurde bestanden. Ich finde man muss da auch der Verwaltung ein Lob aussprechen, weil die hatte ja praktisch keine Zeit und musste wahnsinnig schnell reagieren. Ich habe mir auch meine Gedanken gemacht, wie man das Problem lösen könnte, und es ist mir auch nichts anderes eingefallen, als sowohl den Festplatz als auch den Sportplatz zu öffnen für dieses Wochenende, um die wahnsinnig vielen Autos dort zum Parken abzustellen. Die Rhododendronblüte war schon immer ein Anziehungspunkt in Geroldsau und dieses Jahr ist natürlich sehr, sehr viel zusammengekommen. Die Leute hatten ja praktisch vorher einige Wochen Ausgangsverbot, dann wurde dieses geöffnet, die Leute waren gierig, wieder rauszugehen, und die Natur ist eigentlich das einzige, was man sofort wieder genießen kann, die einzige Möglichkeit aktiv zu werden. Natürlich liegt die Natur auch voll im Trend und dann war es auch so, dass der Wettergott mitgespielt hat, wir haben ja wahnsinnig schönes Wetter gehabt. Und was viele vergessen, wir haben ja Untersuchungen, das beliebteste Ausflugsziel in Baden-Baden ist der Merkur und der ist aktuell geschlossen. Gleich dahinter kommen zwar die Geroldsauer Wasserfälle, aber im Prinzip haben sich dann beide Ausflugsziele am Wasserfall getroffen und die Menschen bekommt man nicht mehr unter.

goodnews4: Und wie sah es in der Gastronomie aus am Wochenende? Auch da ein Ansturm?

Hans Schindler: Die Gastronomie hat es auch gemerkt, dass so wahnsinnig viele Menschen unterwegs waren. Alle Betriebe hier in Geroldsau, die Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, haben merklichen Betrieb gehabt.

goodnews4: Und hat das geklappt mit den Regeln zu Hygiene und Abstand, die eingehalten werden müssen?

Hans Schindler: Das ist schon beachtenswert, wie viel Verständnis die Gäste für die ganzen Regeln aufbringen. Ich habe mir das eigentlich wesentlich schwieriger vorgestellt und gedacht da müssen wir relativ viel eingreifen und regulieren, aber eigentlich ist es gerade umgekehrt. Die Gäste wissen wieviel Abstand und wo sie Maske tragen müssen, wo die Desinfektionsgeschichte ist – also wir haben da wenig Probleme gehabt. Natürlich kommt da mal ein Tisch, wo du mal hinmusst und sagen: «So geht es nicht, die Regeln sind so und so.» Aber man trifft dann eigentlich mehr auf Verständnis als auf Gegenwehr. Das ist schon beachtlich, finde ich.

goodnews4: Nun dürfen ja seit dem 29. Mai auch die Hotels wieder öffnen. In Baden-Baden lassen sich manche Hotels noch etwas Zeit, zum Beispiel das Brenners Park-Hotel öffnet erst am 10. Juni. Was hören Sie denn aus Ihrem Verband? Gibt es in Baden-Baden schon wieder erste Hotelgäste?

Hans Schindler: Ja, natürlich gibt es Hotelgäste, aber viel zu wenig. Das Pfingstwochenende war eine Katastrophe von den Übernachtungszahlen her. Jetzt ist natürlich eins klar: Wir haben am Freitag wieder aufmachen dürfen und praktisch eine Woche vorher erfahren, dass man wieder aufmachen darf, das war sehr, sehr schwierig. Der Vorlauf war schlicht und einfach zu kurz. Und was ich bemängle, Baden-Baden ist ja keine so eine klassische Urlauberstadt, sondern in Baden-Baden muss ja auch immer etwas passieren und die ganzen Ereignisse fehlen uns im Moment. Wenn ich ein Beispiel nennen darf, die Therme hat noch zu, das Festspielhaus ist geschlossen, zur Pferderennbahn darf keiner raus. Und dann leben wir auch sehr stark vom Veranstaltungs- beziehungsweise vom Business-Geschäft. Unter Business-Geschäft verstehe ich Tagungen, mal eine Messe und auch mal kleinere Meetings von einer Gruppe im Hotel – die sind im Moment auch noch nicht wieder akquiriert, das bricht uns auch weg. Also wir haben da einen riesigen Nachholbedarf. Die Öffnung kam relativ schnell, aber die Zahlen in den Hotels sind teilweise katastrophal und betriebswirtschaftlich völlig uninteressant. Aber es ist ja so, es läuft wieder an und ich gehe davon aus, dass es Schritt um Schritt nach oben getrieben wird und dann auch wieder besser wird. Und die Hotels, die sehr Spa-lastig sind, also die einen großen Spa-Bereich haben, die haben sich dazu entschlossen, erst dann wieder aufzumachen, wenn auch der Spa-Bereich wieder genutzt werden kann und das ist, glaube ich, aus unternehmerischer Sicht eine sehr vernünftige Entscheidung, weil was nützt mir ein Hotel, wenn ich den Spa-Bereich nicht nutzen darf? Da gibt es mehr Diskussionen an der Rezeption als dass die Gäste Freude am Hotel haben.

goodnews4: Nochmal kurz zurück zum Pfingstwochenende. Haben Sie auch konkrete Zahlen zu den Übernachtungen in Baden-Baden?

Hans Schindler: Die Übernachtungszahlen selber haben wir noch nicht, aber wir haben heute Mittag eine Runde gehabt, da waren die – ich sage jetzt mal – namenhaften Hotels da und da ging die Belegungsquote teilweise runter bis auf sieben Prozent. Ich würde mal sagen der Durchschnitt lag bei 20, 25 Prozent. Also das war schon sehr dramatisch. Aber ich denke, wie ich gesagt habe, das wird sich jetzt Schritt für Schritt nach oben bewegen.

goodnews4: Auch Großveranstaltungen sollen bis mindestens 31. August verboten bleiben. Sie haben ja gerade schon gesagt, wie wichtig es für Baden-Baden ist als Tourismus-Destination, dass hier etwas geboten ist. Das Festspielhaus musste die Saison vorzeitig beenden, im Kurpark werden keine Veranstaltungen stattfinden. Was könnte denn im Sommer den Standort Baden-Baden noch etwas pushen?

Hans Schindler: Wir haben heute Mittag eine Informationsgeschichte gehabt mit der Frau Waggershauser von der Baden-Baden Kur und Tourismus und da muss ich sagen war ich sehr, sehr positiv überrascht. Die sind sehr aktiv, haben einige neue Konzepte und auch einige tolle Ideen, die werden umgesetzt, das braucht aber alles auch seine Zeit, das ist natürlich klar, das kann nicht von heute auf morgen gehen. Aber wir müssen natürlich auch die Probleme, die wir haben, bewältigen. Das ist zum Beispiel, dass wir im Moment noch gar keine größeren Gruppen annehmen dürfen. Wir waren ja bis vor einigen Tagen noch dahingehend unterwegs, dass maximal fünf Leute an einen Tisch dürfen. Gut, das wächst jetzt alles Stück für Stück, aber das braucht halt noch ein bisschen Zeit bis die kommen. Und dann muss man natürlich dazu sagen, dass die Märkte tot sind. Baden-Baden hat ja auch einen relativ starken Auslandsmarkt, allen voran die Araber und danach die Russen und diese Märkte sind tot, da kommt im Moment keiner rein. Dann sind wir eine Grenzregion, wir spüren deutlich den Zulauf aus Frankreich und aus der Schweiz, und da ist im Moment auch noch sehr ruhiges Verhalten. Wenn das alles mal wieder öffnet, wie es jetzt demnächst kommen soll, dann denke ich schon, dass wir das auch in den Übernachtungszahlen wieder spüren werden.

goodnews4: Was sind das für Ideen, dürfen Sie das schon verraten?

Hans Schindler: Also eine Geschichte läuft im Kurhaus, also da war ich total überrascht, ich bin mir ganz sicher, dass das eine Geschichte gibt, die auch einen Wow-Effekt ins Gespräch bringen wird, wo wir wieder ganz vorne mit dabei sind. Das wird aber im Moment alles noch ausgearbeitet, aber ich bin mir ganz sicher, das wird viele Menschen nach Baden-Baden bringen und das wird eine supergute Sache.

goodnews4: Ich merke, Sie bauen Spannung auf, aber verraten noch nichts.

Hans Schindler: Genau!

goodnews4: Dann gibt es natürlich das größte Event für Baden-Baden im Oktober, das Meeting der Rückversicherer mit tausenden Teilnehmern aus aller Welt. Ist denn schon bekannt, ob wenigstens dieses Schlüssel-Event stattfinden wird?

Hans Schindler: Da muss ich meinen Kollegen ein großes Lob zollen, wir haben die Storno-Fristen ganz stark nach hinten geschoben. Das war ein Wunsch von den Rückversicherern, damit die nicht so schnell agieren müssen und sich Zeit lassen können. Wir wissen natürlich alle nicht, was der Gesetzgeber beschließt. Im Moment haben wir ja die Sperrung bis zum 31. August. Wir gehen davon aus, dass es danach starke Lockerungen gibt, weil ich persönlich gehe davon aus, dass es jetzt auch im 14-Tages-Rhythmus Lockerungen gibt, die uns zugutekommen, die wir halt im Moment einfach nicht mehr brauchen. Die Rückversicherer haben ja zwei Kongresse, die relativ eng aneinander liegen. Das war einmal im September, ich glaube um den 17. herum, Monaco. Der ist abgesagt und jetzt möchten die natürlich unbedingt, dass Baden-Baden erhalten bleibt. Wir tun alles, dass es dabei bleibt, und wir sind im Moment noch sehr, sehr guter Hoffnung, dass sie auch kommen werden.

goodnews4: Zum Schluss noch, Hans Schindler, neben all den wirtschaftlichen und strukturellen Überlegungen, welchen psychologischen Rat haben Sie für Ihre Kollegen in der Baden-Badener Hotellerie und Gastronomie?

Hans Schindler: Ja, also ich bin ja nicht der große Psychologe, aber ich möchte jedem anheimstellen er soll schauen wie er mit den Problemen umgeht, jeder Unternehmer ist ja dazu da, dass er Probleme löst, das ist ja unsere Hauptaufgabe. Ich persönlich sehe es ein klein bisschen wie einen Neustart nach diesen zehn Wochen Schließung, man muss die Konzepte überprüfen, alles, was im Haus läuft, muss überprüft werden – das haben wir auch getan – und jetzt gilt es, in kleinen Schritten wieder nach oben zu kommen. Nebenher erhoffe ich mir halt, wie gesagt, die eine oder andere Lockerung vom Land. Wer halt gedacht hat, die Hotels dürfen wieder aufmachen und alles läuft wie früher, der war auf dem falschen Zug. Wir brauchen einen sehr, sehr langen Atem bis wir wieder da hinkommen, wo wir mal waren, und der Zug mal wieder richtig ins Rollen kommt.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Hans Schindler.

Hans Schindler: Bitteschön.

Das Interview führte Nadja Milke für gooodnews4.de.

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Hans Schindler


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