Ausbildungsmarkt
Angebot von Ausbildungsstellen um 17 Prozent gesunken – Arbeitsagentur-Chefin Christine Groß-Herick: „Wirtschaft steckt in anhaltender Schwächephase“

Baden-Baden/Karlsruhe/Rastatt, 01.04.2026, Bericht: Redaktion Die Zahl der in der Region gemeldeten Ausbildungsstellen sei in der Phase wirtschaftlicher Unsicherheit im Vergleich zum Vorjahr um 17,3 Prozent gesunken. Deshalb appellieren die Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, die IHK Karlsruhe und die HWK Karlsruhe zur Halbzeit im Ausbildungsjahr gemeinsam «an die Unternehmen in der Region, die Ausbildungsbereitschaft trotz der wirtschaftlichen Schwäche hochzuhalten».
Der Stadtkreis Baden-Baden gehört zum Berich der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt. Prozessuale Umstellungen könnten im Monat März 2026 noch zu einer «Untererfassung der von Arbeitgebern gemeldeten Ausbildungsstellen führen», heißt es in der Mitteilung der Agentur für Arbeit.
Die weitere gemeinsame Presseinformation von Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, IHK Karlsruhe und HWK Karlsruhe vom 31. März 2026 im Wortlaut:
Nach der Ausgabe des Halbjahreszeugnisses beginnt für viele Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen die Bewerbungsphase. Die Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt zeigt, dass die Anzahl der bei der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber mit einem Minus von 2,7 Prozent leicht zum Vorjahresmonat gesunken ist.
Die Zahl der in der Region gemeldeten Ausbildungsstellen ist in der Phase wirtschaftlicher Unsicherheit im Vergleich zum Vorjahr um 17,3 Prozent gesunken. Dennoch sind die Chancen für Bewerberinnen und Bewerber am Ausbildungsmarkt bei einem Verhältnis von 3.365 aktiven Bewerberinnen und Bewerbern zu 4.538 gemeldeten Ausbildungsstellen insgesamt gut.
Von den 4.538 Ausbildungsstellen sind Ende März 2026 noch 2.867 Stellen unbesetzt. 2.160 Jugendliche suchen aktuell nach einer Ausbildungsstelle. Gleichwohl gilt es laut Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, Industrie- und Handelskammer Karlsruhe und Handwerkskammer Karlsruhe angesichts der großen demographischen Herausforderungen einen weiteren Rückgang des Ausbildungsangebots zu stoppen. Damit ein erfolgreiches Matching zwischen Ausbildungssuchenden und Arbeitgebern möglich ist, raten Agentur für Arbeit, IHK Karlsruhe und HWK Karlsruhe den Unternehmen, Ausbildungsangebote aktiv zu bewerben und alle Stellen online zu melden. Eine Stellenmeldung ist ohne vorherige Registrierung über die Unternehmenswebseite der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt möglich.
Christine Groß-Herick, Leiterin der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt: «Die Wirtschaft steckt in einer anhaltenden Schwächephase. Zudem verändern technologische Umbrüche – zum Beispiel durch Künstliche Intelligenz – viele Tätigkeiten und Berufsbilder, in Teilen fallen Tätigkeiten weg. Dennoch droht in den kommenden Jahren ein massiver Arbeitskräftemangel. Die hohe Zahl an Rentenabgängen wird die Fachkräftesituation in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. Laut einer Mittelfristprognose für das Bundesarbeitsministerium wird der Bedarf an Arbeitskräften bis 2029 das verfügbare Angebot um etwa 440.000 Personen übersteigen. Daher ist es wichtig, dass die Unternehmen trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation konsequent weiter ausbilden und in den regionalen Talentpool investieren. Ausbildungssuchenden empfehle ich, alle Möglichkeiten für die berufliche Orientierung zu nutzen und ein individuelles Beratungsgespräch mit den Berufsberaterinnen und Berufsberatern zu vereinbaren. Im persönlichen Gespräch können berufliche Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten individuell besprochen und etwaige Unterstützungsbedarfe ausgelotet werden.»
Arne Rudolph, Hauptgeschäftsführer der IHK Karlsruhe: «Die schwierige konjunkturelle Lage macht sich inzwischen auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Viele Unternehmen im IHK-Bezirk Karlsruhe agieren vorsichtiger und prüfen sehr genau, welche Ausbildungsplätze sie anbieten können, weil die wirtschaftlichen Perspektiven unsicher sind – entsprechend sehen wir nicht nur in unserem Kammerbezirk, sondern in ganz Baden-Württemberg bereits einen spürbaren Rückgang neu abgeschlossener Ausbildungsverträge. Die Zurückhaltung der Ausbildungsbetriebe ist einerseits nachvollziehbar, bereitet uns andererseits aber Sorgen: Denn mit dem Renteneintritt der Babyboomer-Generation wird eine große Fachkräftelücke auf uns zukommen. Wenn wir heute weniger ausbilden, verschärfen wir das Problem von morgen. Deshalb gilt gerade jetzt: Wer ausbildet, investiert direkt in die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens und unseres Wirtschaftsstandorts.»
Walter Bantleon, Hauptgeschäftsführer der HWK Karlsruhe: «Die Handwerkskammer Karlsruhe meldet derweil eine positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt: Seit dem 1. Januar 2026 wurden bereits 485 neue Lehrverträge registriert. Damit knüpft das Handwerk an das erfolgreiche Jahr 2025 an, in dem die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um über sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Diese Zahlen unterstreichen die anhaltend hohe Attraktivität handwerklicher Berufe. Die Handwerkskammer Karlsruhe ist zuversichtlich, das Ausbildungsniveau weiterhin auf einem stabil hohen Stand halten zu können. Ein wesentlicher Grund für die positive Entwicklung ist die vergleichsweise hohe Krisenfestigkeit des Handwerks. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bietet es verlässliche Perspektiven, da viele handwerkliche Leistungen dauerhaft gefragt bleiben.»
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