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goodnews4-Interview zum Jahreswechsel

Franz Bernhard Wagener zur Lage der Einzelhändler in Baden-Baden – "Das kann man normalerweise gar nicht überstehen"

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goodnews4-VIDEO-Interview zum Jahreswechsel von Nadja Milke mit Franz Bernhard Wagener

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
07.01.2021, 01:15 Uhr



Baden-Baden Der Baden-Badener Kaufhaus-Inhaber Franz Bernhard Wagener denkt und lenkt für die Baden-Badener Einzelhändler und zeigt sich auch streitbar, wenn es sein muss. Seit der Corona-Pandemie geht es aber nicht mehr um Kontroversen eines mehr oder weniger gelungenen Marketingauftritts oder um hohe Parkgebühren in manchen Parkhäusern. Es geht nun wohl eher um das Überleben einer ganzen Branche.

Im goodnews4-Interview zum Jahreswechsel macht Franz Bernhard Wagener auf die besondere Situation der Stadt aufmerksam und die Folgen der nun weitgehend ausbleibenden Gäste der Stadt.

«Man muss wissen, diese Stadt lebt zu 70, 80 Prozent von Menschen, die nicht hier in unseren Stadtgrenzen wohnen.» Dies gelte für den «Einzelhandel und wahrscheinlich in der Gastronomie auch». Und in drei Sätzen skizziert der Unternehmer die Pandemie-Historie der letzten zehn Monate: «Mit der ersten Phase im Frühjahr, dann kam der Sommer, wo so langsam wieder Leben aufkam, da war ich bei 70, 80 Prozent unserer Umsätze angekommen. Das, was jetzt passiert, treibt uns mindestens auf die Hälfte des Vorjahres runter. Das kann man normalerweise gar nicht überstehen.»

Im weiteren Verlauf des Interviews blickt Franz Bernhard Wagener über Baden-Baden hinaus und wagt auch eine optimistische Prognose: «Ich glaube, dass die Menschen, wenn Corona einigermaßen beherrschbar überstanden ist, so eine Sucht haben, etwas nachzuholen, was sie jetzt über mehrere Monate nicht bekommen haben, dass man auch hinterher wieder konsumieren wird, dass man hinterher auch wieder Freude hat, egal am guten Essen oder an irgendeinem schönen Kleidungsstück. Ich glaube das nicht nur, sondern das ist auch eine ganz große Hoffnung.»

Und für die Politiker und Behörden, die für die Rahmenbedingungen von Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich sind, hat er auch einen Hinweis: «Vielleicht müssen die häufiger miteinander zusammensitzen und nicht nur hinterher, wenn irgendwelche Entscheidungen getroffen wurden, sondern vorweg.»


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews zum Jahreswechsel mit Franz Bernhard Wagener, Baden-Badener Einzelhandelsunternehmer:

goodnews4: Franz Bernhard Wagener, das goodnews4-Interview zum Jahreswechsel, wir wollen ein bisschen Bilanz ziehen und ein bisschen versuchen, in die Zukunft zu schauen. Die Corona-Pandemie wird uns auch im neuen Jahr noch erhalten bleiben, das ist klar, deshalb nur eine kurze Frage dazu: Was sind denn Ihre wichtigsten betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse als Unternehmer aus den letzten Monaten?

Franz Bernhard Wagener: Ja, ich denke, dass es allen Unternehmern ähnlich gegangen ist – einigen Branchen mehr, wenn ich an die Gastronomie oder an Einzelhändler denke, insbesondere die Einzelhändler, die sich mit Mode beschäftigen – so gegangen ist, wie uns. Es ist einfach schwer. Die Leute bleiben weg, die Kunden sind nicht mehr in dem Maße da. Hier in unserer Stadt in Baden-Baden fehlen vor allen Dingen die Gäste und man muss wissen, diese Stadt im Einzelhandel und wahrscheinlich in der Gastronomie auch, lebt zu 70, 80 Prozent von Menschen, die nicht hier in unseren Stadtgrenzen wohnen. Das heißt also, wenn die nicht mehr kommen, dann kann man sich vorstellen, was in der Kasse der einzelnen Betriebe los ist und das trifft auf meine Firma genauso zu. Das ist alles sehr schwierig geworden.

goodnews4: Wenn Sie wirtschaftliche Bilanz ziehen, wie hoch sind die Verluste, die Sie hinnehmen müssen?

Franz Bernhard Wagener: Mit der ersten Phase im Frühjahr, dann kam der Sommer, wo so langsam wieder Leben aufkam, da war ich bei 70, 80 Prozent unserer Umsätze angekommen. Das, was jetzt passiert, treibt uns mindestens auf die Hälfte des Vorjahres runter. Das kann man normalerweise gar nicht überstehen.

goodnews4: Haben Sie denn persönliche Erkenntnisse gewonnen aus der Zeit der Corona-Krise, gibt es vielleicht auch eine kleine gute Auswirkung?

Franz Bernhard Wagener: Ich lese, was andere in der Zeitung schreiben, das mag alles stimmen, aber für unsere Firma würde ich sagen, war da nicht viel Gutes dabei, ganz im Gegenteil. Natürlich, man hinterfragt nochmal, wo kann man Kosten sparen und, und, und, aber das ist jetzt vielleicht nicht unbedingt das große Verdienst von Corona, nein, also es ist insgesamt einfach nur schlimm.

goodnews4: Was ist denn Ihre Prognose, wenn Corona unter Kontrolle ist, wird es dann ein geändertes Verhalten geben der Menschen beim Reisen, beim Einkaufen, beim Freizeitverhalten?

Franz Bernhard Wagener: Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass die Menschen, wenn Corona einigermaßen beherrschbar überstanden ist, so eine Sucht haben, etwas nachzuholen, was sie jetzt über mehrere Monate nicht bekommen haben, dass man auch hinterher wieder konsumieren wird, dass man hinterher auch wieder Freude hat, egal am guten Essen oder an irgendeinem schönen Kleidungsstück. Ich glaube das nicht nur, sondern das ist auch eine ganz große Hoffnung, denn unsere Wirtschaft braucht das. Das System ist insgesamt so abgestellt und muss auch in etwa dieser Art wieder funktionieren. Die Menschen sind vielleicht ein bisschen bewusster, was die Umwelt anbelangt, aber das ist nicht unbedingt das Verdienst von Corona, sondern das hat sich im Augenblick überlappt, dass dieses Umweltbewusstsein und Corona jetzt uns in diesen letzten Monaten so beschäftigt hat. Aber das ist nicht das Verdienst von Corona.

goodnews4: Wenden wir uns dem zu, was während der Corona-Krise liegenblieb. Haben wir etwas aus den Augen verloren beim Blick in die Welt?

Franz Bernhard Wagener: Nein, das denke ich auch nicht. Aber dieses Corona hat uns natürlich sehr stark beschäftigt. Wir haben den Wahlkampf in Amerika erlebt oder die vielen Katastrophen, aber sie haben vielleicht nicht allein die Schlagzeilen bestimmt, sondern dieses Corona ist nun etwas gewesen seit dem Zweiten Weltkrieg, muss man ganz klar sagen, was die Menschheit insgesamt wahnsinnig durcheinandergeschüttelt hat und insoweit ist es auch ganz normal, dass dann die Berichterstattung oder auch das Interesse der Leute auf diesem großen Ereignis liegt.

goodnews4: Schauen wir nach Deutschland und nach Baden-Württemberg. Wir haben in diesem neuen Jahr zwei Wahlen in Baden-Württemberg und im Bund. Welche Partei wird denn bei den bevorstehenden Wahlen profitieren von der Corona-Krise?

Franz Bernhard Wagener: Ich denke, das ist weniger die Partei, das sind eher Personen, die sich in besonderer Form und auch verantwortungsbewusst mit dem Thema beschäftigt haben. Natürlich sagt man, dass die, die das Sagen haben, vielleicht einen kleinen Vorteil haben. Ich weiß es nicht. Aber die meisten haben ja auch wirklich einen harten Job gehabt und ich bin auch manchmal verärgert, wenn es heute so rum heißt und morgen genau wieder andersrum, also dieses Hin und Her. Aber die Politiker haben jetzt im Augenblick auch einen verflixt schweren Job zu erfüllen, denn auch die werden hin- und hergetrieben und wollen doch eigentlich, dass es nur gut wird. Insofern wird es ein offener Ausgang auch bei den Wahlen sein und es sind eher die Persönlichkeiten.

goodnews4: Schauen wir auf Baden-Baden, auch hier ist einiges liegengeblieben. Schulden der Stadt, die Dauerbrenner Neues Schloss, Babo, Europäischer Hof, PFC, Windkraftanlagen und Verkehr, Mobilität – das regt uns alles gar nicht mehr so sehr auf. Wo sollten wir denn im Neuen Jahr dann doch wieder genauer hinschauen bei welchen Themen?

Franz Bernhard Wagener: Ich denke, dass diese ganze Vergangenheit uns gewaltig schuldenmäßig erstmal belasten wird, die Stadt. Das heißt also die Stadt muss sich Gedanken darüber machen, wie kriege ich das Leben, das wirtschaftliche Leben wieder ins Laufen. Alle Maßnahmen, die man vielleicht vorher aus allen möglichen Erwägungen heraus – wir wollen noch schöner und noch elitärer und noch was werden – sind in meinen Augen zweitklassig. Wir müssen erstmal sehen, wie kriegen wir wieder Leben hier in diese Stadt, wenn – so wie ich vorhin sagte – wir 70 bis 80 Prozent Menschen brauchen, die von auswärts hierherkommen, die die Schönheit dieser Stadt erleben wollen und die auch mit ihrem Auto – jetzt um das Thema Verkehr anzusprechen – die auch mit ihrem Auto hierherkommen und dieses Auto nicht da draußen vor der Stadt stehen lassen wollen und in den Bus steigen. Das sind meines Erachtens interessante Ideen, ich will es nicht Träumereien nennen, aber wir müssen doch danach gucken: Was machen die Menschen denn wirklich? Und was machen denn die Leute, die da was zu sagen haben? Die beschäftigen sich oder tun es doch ähnlich. Insoweit müssen wir danach schauen, wie kriegen wir diese Stadt wieder ins Laufen, damit hier auch wieder Steuern sprudeln, damit diese vielen Schulden bezahlt werden können.

goodnews4: Haben Sie da vielleicht auch eine Idee, einen Tipp für die handelnden Personen im Rathaus?

Franz Bernhard Wagener: Sie sollten ein bisschen mehr mit den Aktiven, die hier in der Stadt noch versuchen, das beim Laufen zu halten, zusammenarbeiten. Ich denke, die Politiker und die Verwaltung sind der eine Teil und die anderen, die es bringen müssen. Vielleicht müssen die häufiger miteinander zusammensitzen und nicht nur hinterher, wenn irgendwelche Entscheidungen getroffen wurden, sondern vorweg.

goodnews4: Welche Menschen haben Sie denn im alten Jahr besonders beeindruckt?

Franz Bernhard Wagener: Das ist eine ganz schwierige Frage, weil zu dem Thema so viel Gefühlsduselei in der Welt schon ist und dazu gehöre ich nicht. Da tue ich mir sehr schwer mit. Ich denke, viele haben an ihrer Stelle ihren Job getan und da sind welche dabei, die in besonderer Form im Gesundheitswesen betroffen gewesen sind. Da jetzt eine einzelne Person oder eine Gruppe rauszugreifen, ist für mich ganz ganz schwer.

goodnews4: Gibt es denn jemanden, den Sie zur Frau oder zum Mann des Jahres in Baden-Baden wählen würden?

Franz Bernhard Wagener: Nein, den Überblick habe ich gar nicht. Hier gibt es ganz bestimmt Menschen, die was Besonderes geleistet haben, aber ich kenne sie nicht.

goodnews4: Ich bedanke mich, das war das goodnews4-Interview zum Jahreswechsel. Ihnen alles Gute, ein glücklicheres und vor allem gesundes Jahr 2021, Franz Bernhard Wagener.

Franz Bernhard Wagener: Das wünsche ich Ihnen auch und auch all Ihren Zuhörern und denen, die goodnews4 gucken.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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