IHK-Konjunkturklimaindex

IHK Karlsruhe sieht einen „Hauch von Zuversicht“ – Präsident Volker Hasbargen: „Wir brauchen mehr Mut für wirkliche Reformen“

Karlsruhe, 06.02.2026, Bericht: Redaktion Zum Jahresbeginn 2026 habe sich die Stimmung in der regionalen Wirtschaft insgesamt aufgehellt, teilte die IHK Karlsruhe gestern mit. Im Branchendurchschnitt hätten sich sowohl die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungen der Unternehmen an die kommenden zwölf Monate spürbar verbessert.

IHK-Präsident Volker Hasbargen: «Die insgesamt verbesserte konjunkturelle Lage zeigt sich jedoch längst nicht in allen Wirtschaftszweigen. Während insbesondere die Bauindustrie und der Dienstleistungssektor Auftrieb verzeichnen, kommen Industrie und Handel kaum voran. Von einer tragfähigen Erholung kann daher noch nicht gesprochen werden. Das wirtschaftliche Umfeld bleibt angespannt. Geopolitische Konflikte und handelspolitische Unsicherheiten, schwache Exporte, ein zurückhaltender Konsum und strukturelle Belastungen wie steigende Kosten, Bürokratie und Fachkräftemangel belasten die regionale Wirtschaft weiterhin. Entsprechend sind die langfristigen Investitions- und Beschäftigungsplanungen der Unternehmen nach wie vor von deutlicher Zurückhaltung geprägt.»

 

Zum Jahresbeginn 2026 präsentiere sich die regionale Wirtschaft branchenübergreifend deutlich robuster als vier Monate zuvor. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen in einem Wert darstellt, ist von 102 Punkten im Herbst 2025 auf aktuell 113 Punkte gestiegen. Damit liegt er jedoch noch weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 121 Punkten seit Jahresbeginn 2007. Der Anteil der Unternehmen mit gut laufenden Geschäften ist von 27 Prozent auf 30 Prozent gestiegen. Zudem bewerten 56 Prozent der Betriebe ihre Gesamtsituation als zufriedenstellend, gegenüber dem Herbst ein Plus von vier Prozentpunkten. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen mit einer negativen Einschätzung um sieben Prozentpunkte auf 14 Prozent gesunken. In der Folge hat sich der Geschäftslagesaldo von plus 6 Punkten auf plus 16 Punkte nahezu verdreifacht.

Der Rückgang der Auftragseingänge und Umsätze hat sich zuletzt verlangsamt. Der Auftragseingangssaldo ist von minus 10 Punkten auf minus 3 Punkte gestiegen. Etwa jeweils ein Drittel der Betriebe meldet steigende beziehungsweise sinkende Umsätze. Diese positive Entwicklung wird vor allem von der Bauindustrie und dem Dienstleistungssektor getragen. In der Industrie fällt die Einschätzung der aktuellen Situation zwar etwas freundlicher aus, bleibt insgesamt jedoch negativ. Der Großhandel bewertet die laufenden Geschäfte nach der massiven Delle im Herbst nicht mehr ganz so pessimistisch. Auch der Einzelhandel startet angespannt in das neue Jahr.

«Das vergangene Jahr war für die Wirtschaft von außergewöhnlich großen Herausforderungen geprägt. Zumindest in einigen Branchen gibt es nun allmählich wieder etwas Hoffnung, dass die Talsohle erreicht ist und es langsam wieder aufwärts geht. Das ist gut! Aber der Ausblick bleibt düster, wenn nicht grundlegende Veränderungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen erfolgen, etwa beim Abbau von Bürokratie oder wettbewerbsfähigen Energiekosten und Unternehmenssteuern. Erst dann können auch die Investitionen wieder spürbar anziehen», erklärt Volker Hasbargen. «Die Bundesregierung hat zwar erste positive Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft auf den Weg gebracht, die Reformen wurden bislang jedoch noch nicht mit dem nötigen Mut und Nachdruck angegangen. Im Gegenteil, die jüngst vorgelegten Vorschläge zur Erbschaftssteuerreform lassen erkennen, dass zumindest in Teilen der Regierung wenig bis kein Verständnis für den Mittelstand und die Unternehmensstrukturen in Deutschland vorhanden ist», so der IHK-Präsident weiter.

Nach der im Herbst noch spürbaren Skepsis zeige sich zu Beginn des Jahres 2026 eine vorsichtige Aufhellung der Unternehmensperspektiven. Inzwischen rechnen 25 Prozent der Betriebe mit besseren Geschäften im laufenden Jahr, ein Anstieg um 7 Prozentpunkte. Gleichzeitig ist der Anteil der pessimistischen Unternehmen von 20 Prozent auf 15 Prozent gesunken. Der Saldo der Geschäftserwartungen ist somit im Branchendurchschnitt von minus 2 Punkten auf plus 10 Punkte gestiegen. Lediglich Groß- und Einzelhandel weisen aktuell einen negativen Erwartungssaldo auf. Die größten Herausforderungen für die Betriebe sind die schwache Inlandsnachfrage und steigende Arbeitskosten. Der Fachkräftemangel bleibt trotz rückläufiger Tendenz ein zentrales Thema. Zunehmend belasten die Unternehmen die vielfältigen geopolitische Spannungen. 38 Prozent sehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko, ein Drittel der Betriebe nennt die im internationalen Vergleich hohen Energiepreise als Gefahr für die eigene Geschäftsentwicklung. Mehrfachnennungen waren möglich.




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