Stimmung in der regionalen Wirtschaft

Konjunktur im Raum Baden-Baden, Rastatt, Karlsruhe auf „unsicherem Fundament“ – IHK-Präsident Frank Roth fordert konsequente Umsetzung der Reformen

Konjunktur im Raum Baden-Baden, Rastatt, Karlsruhe auf „unsicherem Fundament“ – IHK-Präsident Frank Roth fordert konsequente Umsetzung der Reformen
IHK Präsident Frank Roth. Foto: IHK Karlsruhe

Baden-Baden/Karlsruhe, 20.10.2026, Bericht: Redaktion Wie schaut es mit der Konjunktur im Raum Baden-Baden, Rastatt und Karlsruhe aus? Auch nicht viel anders als im Rest von Deutschland, der Einschätzung der IHK Karlsruhe nach zu deuten.

Beim Blick auf Baden-Baden darf der Hinweis nicht fehlen, dass der einst großzügige Umgang mit dem Geld nun auch dem Wirtschaftskreislauf fehlt. Auch wenn das Geld oft eher nach Gesinnung, Parteiseilschaften und politischen Interessen verteilt wird und nicht nach Kriterien wie etwa Preis-Leistungsverhältnis.

Die Mitteilung der IHK Karlsruhe vom 19. Oktoebr 2026 im Wortlaut:

Im Herbst 2026 bleibt die Stimmung in der regionalen Wirtschaft insgesamt verhalten. Im Branchendurchschnitt zeigen sich die Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage per Saldo zwar weitestgehend zufrieden, allerdings deutlich weniger als zuletzt. Die erhoffte Trendwende bei den Umsätzen ist bislang ausgeblieben. Die teilweise verzeichneten leichten Umsatzsteigerungen dürften in vielen Fällen weniger auf eine tatsächliche Belebung der Nachfrage als vielmehr auf die Weitergabe gestiegener Kosten und die infolge der jüngsten Inflationstendenzen vorgenommenen Preiserhöhungen zurückzuführen sein.

 

Die Zuversicht kehrt jedoch langsam zurück, die allgemeinen Geschäftserwartungen haben sich nach dem deutlichen Einbruch im Frühsommer ein wenig aufgehellt. Aktuell rechnen mehr Unternehmen mit einer positiven Geschäftsentwicklung, während zugleich weniger einen Rückgang ihrer Geschäftstätigkeit erwarten. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage und der Geschäftserwartungen in einem Wert zusammenfasst, ist aufgrund der verbesserten Perspektiven von 101 Punkten im Frühsommer auf aktuell 107 Punkte gestiegen.

IHK-Präsident Frank Roth: «Angesichts weiterhin schwieriger struktureller Rahmenbedingungen, hoher Energiepreise und schwacher Inlandsnachfrage bleibt die Lage herausfordernd. Die verbesserten Geschäftsaussichten wirken sich jedoch kaum auf die Beschäftigung und Investitionen aus. Zwar ist die Investitionsbereitschaft etwas gestiegen, sie liegt jedoch weiterhin im Minus.» Hinzu kommt, dass die Unzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wieder zugenommen hat. «Die Ungewissheit darüber, ob die dringend notwendigen Verbesserungen am Standort Deutschland endlich umgesetzt werden, erschwert gesicherte Kalkulationen. Und ohne Planungssicherheit bleiben Investitionen aus. Wir brauchen substanzielle Reformen, niedrigere Kosten, weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und eine leistungsfähige Infrastruktur», betont Frank Roth.

Auch auf dem Arbeitsmarkt sind daher in nächster Zeit keine positiven Impulse zu erwarten. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren wurden per Saldo über alle Wirtschaftszweige hinweg keine neuen Stellen mehr geschaffen. Während aktuell weiterhin nur etwa jeder zehnte Betrieb mit einem Beschäftigungsaufbau rechnet, erwarten inzwischen noch mehr Unternehmen als im Frühsommer einen Stellenabbau. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arne Rudolph: «Hinzu kommt, dass hierzulande die Arbeitskosten sehr hoch sind. Steigende Sozialversicherungsbeiträge, ein Mindestlohn, der zum 1. Januar 2027 von derzeit 13,90 Euro auf 14,60 Euro pro Stunde angehoben wird und damit seit seiner Einführung im Jahre 2015 um 72 Prozent gestiegen sein wird sowie immer weiter wachsende Bürokratie- und Regulierungskosten drücken auf die Einstellungsbereitschaft. Und die Erhöhung der Sozialbeiträge betrifft nicht nur die Unternehmen: Unter immer weniger netto vom brutto leidet auch die Konsumlaune der Verbraucherinnen und Verbraucher, was wiederum besonders dem Einzelhandel, dem Gastgewerbe und dem konsumnahen Dienstleistungssektor zu schaffen macht.»

Keine Entwarnung

Im Herbst 2026 zeigt sich die regionale Wirtschaft im Branchendurchschnitt mit ihrer aktuellen Geschäftslage per Saldo weiterhin zufrieden, allerdings deutlich weniger als zuletzt. Der Anteil der Unternehmen, die ihre aktuelle Geschäftslage als gut bewerten, ist von 32 Prozent auf 26 Prozent gesunken. Gleichzeitig beurteilen 55 Prozent der Betriebe ihre Gesamtsituation als zufriedenstellend, vier Prozentpunkte mehr als vier Monate zuvor. Der Anteil der Unternehmen mit einer negativen Einschätzung ist um zwei Prozentpunkte auf 19 Prozent gestiegen. Damit hat sich der Geschäftslagesaldo von plus 15 Punkten im Frühsommer auf derzeit plus 7 Punkte mehr als halbiert.

Wieder erfreulicher entwickelten sich im Branchendurchschnitt die Auftragseingänge. Steigende und fallende Ordereingänge halten sich inzwischen die Waage. Der Auftragseingangssaldo hat sich von minus 9 auf 0 Punkte verbessert. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Umsatzentwicklung: Jeweils 32 Prozent der Unternehmen berichten von steigenden beziehungsweise sinkenden Umsätzen. Positive Salden bei der Lagebewertung verzeichnen die Industrie und die Bauwirtschaft sowie, wenn auch deutlich abgeschwächt, der Dienstleistungssektor. Im Groß- und Einzelhandel hält die angespannte Situation dagegen weiter an.

Leichte Zuversicht

Im Herbst 2026 haben sich die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate nach dem ausgeprägten Pessimismus infolge des Nahost-Konflikts im Branchendurchschnitt wieder ein wenig aufgehellt. Der Anteil der Unternehmen, die mit einer positiven Geschäftsentwicklung rechnen, ist um 8 Prozentpunkte gestiegen. Zugleich ist der Anteil der Unternehmen, die mit einer negativen Geschäftsentwicklung rechnen, um 9 Prozentpunkte gesunken. Der Saldo der Geschäftserwartungen ist damit von minus 11 Punkten im Frühsommer auf aktuell plus 6 Punkte gestiegen. Zudem fallen die Umsatz- und Exporterwartungen optimistischer aus.

Allerdings zeigt sich die Wirtschaft nicht in allen Branchen gleichermaßen zuversichtlich. Während in der Industrie und im Dienstleistungssektor die Optimisten die Skeptiker überwiegen, rechnen Baugewerbe und Einzelhandel mehrheitlich mit einer negativen Geschäftsentwicklung.

Das zentrale Geschäftsrisiko bleibt mit rund 60 Prozent der Nennungen die schwache Inlandsnachfrage. Hohe Energiepreise und möglicherweise weiter steigende Arbeitskosten bereiten jeweils 52 Prozent der Betriebe Sorgen. Es folgen die möglicherweise länger anhaltenden Auswirkungen der weltweiten geopolitischen Spannungen mit 45 Prozent der Nennungen (zuvor 54 Prozent). Der Fachkräftemangel ist dagegen weiter in den Hintergrund getreten. Aktuell sehen ihn 36 Prozent der Unternehmen als Geschäftsrisiko an (Frühsommer 2026: 39 Prozent). Gestiegene Rohstoff- und Materialpreise nennen 32 Prozent der Betriebe, ein Rückgang um 8 Prozentpunkte.

Auch die Sorge vor ausbleibenden oder verzögerten Lieferungen hat insgesamt abgenommen: Nur noch 11 Prozent der Unternehmen nennen dieses Risiko, nach 18 Prozent im Frühsommer. Im Großhandel bleibt das Thema allerdings deutlich relevanter: Hier sehen 32 Prozent der Unternehmen Lieferengpässe als Risiko, in der Industrie sind es 28 Prozent (Frühsommer 2026: 39 Prozent bzw. 41 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich.

Deutliche Zurückhaltung bei den Personalplanungen

Die Lage am regionalen Arbeitsmarkt bleibt angespannt, eine nur kraftlose Herbstbelebung sorgt kaum für Besserung. Trotz gestiegener Zuversicht bleiben die Beschäftigungspläne der Unternehmen mehr als zurückhaltend. Der Saldo der Beschäftigungserwartungen sinkt von minus 12 auf minus 15 Punkte. Im Herbst 2026 gehen weiterhin nur 11 Prozent der Unternehmen von einem Personalaufbau in den kommenden zwölf Monaten aus, 26 Prozent nach zuvor 23 Prozent rechnen damit, dass die Zahl ihrer Beschäftigten in der nächsten Zeit sinken wird. Die Erwartung geringerer Mitarbeiterzahlen zieht sich quer durch alle großen Wirtschaftszweige.

Neben der nach wie vor vorhandenen Konjunkturschwäche sorgt auch der demografische Wandel für eine sinkende Personaldecke. Das allmähliche Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge trifft auf die schwierige Suche nach Fachkräften. Rund 42 Prozent der Unternehmen, die freie Stellen besetzen möchten, berichten von einer aktuell erfolglosen Suche nach passenden Arbeitskräften. Insbesondere Mitarbeiter mit abgeschlossener Berufsausbildung (71 Prozent) oder mit einem passenden Weiterbildungsabschluss (35 Prozent) werden vergeblich gesucht. Etwa jeder dritte Betrieb sucht erfolglos nach zum Stellenprofil passenden Fach- und Hochschulabsolventen. Knapp 9 Prozent finden keine Auszubildenden.

Investitionsbereitschaft weiter gehemmt

An der seit nunmehr drei Jahren währenden negativen Investitionsbereitschaft haben die derzeit etwas optimistischeren Erwartungen jedoch nur wenig geändert. Der Investitionssaldo liegt derzeit bei minus 11 Punkten und hat sich damit gegenüber dem Frühsommer 2026 (minus 17 Punkte) zwar verbessert, bleibt aber weiterhin deutlich negativ. Aktuell planen 22 Prozent der Betriebe, in den kommenden zwölf Monaten im Inland mehr zu investieren (Frühsommer 2026: 20 Prozent). 44 Prozent wollen ihre Ausgaben aus heutiger Sicht auf dem bisherigen Niveau halten, während rund ein Drittel geringere oder gar keine Investitionen vorsieht.

Am häufigsten investieren die Betriebe in den Ersatz bestehender Anlagen und Geräte. Mit 56 Prozent der Nennungen ist die Weiterentwicklung der unternehmensinternen Digitalisierung das zweithäufigste Investitionsmotiv. 38 Prozent der Betriebe planen Investitionen in Produkt- oder Prozessinnovationen. Drei von zehn Unternehmen sehen (weitere) Rationalisierungsmaßnahmen vor. Investitionen in Umweltschutz und Energieeffizienz stehen bei 23 Prozent der Unternehmen auf der Agenda. Ebenfalls 23 Prozent der Betriebe planen Kapazitätserweiterungen. Mehrfachnennungen waren möglich.




Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.