Kretschmann reagiert auf Tesla-Ansiedelung in Brandenburg mit eigener Strategie – BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke: „Doppelstrukturen vermeiden“

Kretschmann reagiert auf Tesla-Ansiedelung in Brandenburg mit eigener Strategie – BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke: „Doppelstrukturen vermeiden“
Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Archiv

Bild Nadja Milke Bericht von Nadja Milke
04.05.2022, 00:00 Uhr



Stuttgart Es sei ein richtiges Signal, dass «das Land neue Unternehmensansiedlungen fokussiert», allerdings gelte es, «unbedingt, Doppelstrukturen zu vermeiden», wird der Baden-Badener Unternehmer und BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke zitiert und spielt damit auf die Rolle der IHK an.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte gestern in einer Regierungspressekonferenz in Stuttgart zusammen mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, CDU, Eckpunkte einer Ansiedlungsstrategie vorgestellt, mit der die Landesregierung «Entwicklung und Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg» stärken will. Inspiriert von der Ansiedlung des US-Elektroautoherstellers Tesla in Brandenburg oder Batteriezellen-Hersteller Northvolt in Schleswig-Holstein folgerte Winfried Kretschmann, «dass sich innovative Zukunftstechnologien nicht automatisch bei uns ansiedeln». Das Land müsse seinen Wirtschaftsstandort zukunftssicher zu machen.

Aus Sicht des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages, BWIHK, sei es wichtig, dass das Land seine Bemühungen um die Ansiedlung zukunftsträchtiger Unternehmen und neuer Industrien forciere, begrüßt die BWIHK die neue Strategie bei der Standortpolitik und zitiert dazu ihren Präsidenten Wolfgang Grenke: «Dass dieses Thema jetzt einen neuen Fokus bekommt und zur ‚Chefsache‘ in der Landesregierung gemacht wird, ist das richtige Signal. Wir können es uns nicht leisten, dass Neuansiedlungen eventuell an mangelndem Wissen um die Chancen unseres Standorts oder an fehlenden Informationen scheitern. Wir brauchen diese Betriebe auch zur Transformation unserer Schlüsselindustrien. Mit einer erstklassigen Forschungslandschaft, vielen Technologieclustern und einem Innovationsindex, der auch EU-weit Spitze ist, können wir solchen Unternehmen doch langfristig weit mehr anbieten als manch andere Regionen.»

 

Allerdings müsse bei allem Engagement von Anfang an auf das richtige Zusammenspiel der Akteure geachtet werden, die bereits mit entsprechender Expertise Unternehmen betreuten. «Gerade wenn es um die Bestandspflege und Beratung von Betrieben im In- und Ausland geht, kann die IHK-Organisation mit ihrem weit verzweigten Netzwerk von Auslandshandelskammern und Delegationen punkten. Es bestehen enge, vertrauensvolle Bindungen in den Regionen mit unseren Weltmarktführern und jahrzehntelanges Know-how im In- und Auslandsgeschäft bei den IHKs, die unverzichtbar für dieses Vorhaben sind. Es kommt deshalb jetzt auf die richtige Vernetzung an, um unbedingt Doppelstrukturen mit Nachdruck zu vermeiden», gibt Wolfgang Grenke ins Staatsministerium und ins Wirtschafsministerium.

Die Ansiedlungsstrategie des Landes soll sich «auf in- und ausländische Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen und neuen technologischen Entwicklungen» fokussieren, «wie beispielsweise aus den Bereichen Green Tech, Industrie 4.0, Quantentechnologie, Bioinformatik oder Gesundheitswirtschaft», hieß es gestern aus dem Staatsministerium in Stuttgart. Die heimischen Unternehmen sollen unterstützt werden, wenn es um Standorterweiterungen geht. Da bei Ansiedlungs- und Erweiterungsvorhaben der zeitliche Entscheidungsdruck immer mehr zunehme, plane die Landesregierung, eine vertiefte Studie zu erstellen, um konkrete Ansatzpunkte zur Optimierung und Beschleunigung von Ansiedlungsvorhaben ermitteln zu können.

Die Eckpunkte der Ansiedlungsstrategie der Landesregierung, die in den nächsten Monaten weiter konkretisiert werden sollen (Quelle: Landesregierung):

1. Ausbau von Baden-Württemberg International (BW_i) zu einer «One-Stop-Agency»
BW_i soll zu einer zentralen Standortförderungsagentur von Baden-Württemberg im Aufgabenfeld Ansiedlung ausgebaut werden. Sie wird die Kommunikation mit Unternehmen in und außerhalb von Baden-Württemberg sowie aus dem Ausland rund um Ansiedlungsfragen und Standortweiterentwicklungen als «One-Stop-Agency» übernehmen.

2. Priorisierte und strukturierte Wahrnehmung von Ansiedlungsaufgaben innerhalb der Landesregierung
Die Kompetenz und Handlungsfähigkeit des Landes für die erfolgreiche Umsetzung von Ansiedlungs- und Standorterweiterungsvorhaben werden gestärkt und die Rahmenbedingungen für solche Vorhaben verbessert. Ansiedlungsanliegen werden künftig in allen Ressorts als eines der Top-Themen eingestuft und prioritär bearbeitet. Innerhalb der Landesregierung liegt die Federführung für Ansiedlungsfragen beim Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus. Das Ministerium arbeitet dabei eng mit BW_i und den jeweils erforderlichen Ressorts sowie dem Staatsministerium zusammen. Zur Unterstützung dieser Aufgabe richtet das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus als zentrales Instrument der neuen Ansiedlungsstrategie eine interministerielle Arbeitsgruppe ein.

3. Intensivierung der Vernetzung und Kooperation mit allen Akteuren
Alle relevanten Akteure auf kommunaler Ebene, auf Ebene der Kammern und Verbände sowie die Landesagenturen werden unter Federführung von BW_i zu einem starken Ansiedlungsnetzwerk BW ausgebaut. Ziel dieses Ansiedlungsnetzwerkes ist es, die Erfahrungen und Anregungen zu nutzen und die Ansiedlungsstrategie fortlaufend zu optimieren. Die Landesagenturen wie beispielsweise e-mobil BW, BIOPRO, Umwelttechnik BW oder die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) unterstützen den von BW_i als «One-Stop-Agency» gesteuerten Ansiedlungsprozess durch fachliche Beratung, mit Angeboten zu Wissenstransfer und Netzwerkarbeit.

4. Transparentes Angebot von verfügbaren Flächen
Für die Ansiedlung neuer Unternehmen wie auch für heimische Unternehmen ist vor allem die ausreichende Bereitstellung attraktiver Flächen von entscheidender Bedeutung. Eine digitale Datenbank soll ab dem vierten Quartal 2022 einen schnellen Überblick über die in Baden-Württemberg verfügbaren Flächen für Ansiedlungen und Standorterweiterungen ermöglichen. Darüber hinaus plant das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, ein Landesförderprogramm für Kommunen zu entwickeln, das insbesondere die Erschließung von nachhaltigen Vorhalteflächen für Ansiedlungen sowie die Umwandlung von Brachflächen beschleunigen soll. Dabei sollen vor allem Industriebrachen aktiviert werden.

5. Ausweitung des internationalen Standortmarketings
Ein international sichtbares Standortmarketing soll weiter ausgebaut werden. Dies geschieht durch die direkte Ansprache von Unternehmen aus dem In- und Ausland durch BW_i, die für eine Ansiedlung in Baden-Württemberg grundsätzlich infrage kommen könnten. Hierzu gehört, dass das Thema «Ansiedlung» noch stärker bei den Auslandsrepräsentanzen und Auslandsbüros verankert werden soll, beispielsweise durch die Etablierung von Ansiedlungsscouts.

6. Weitere Initiativen
Die Landesregierung wird die politischen Initiativen auf europäischer Ebene fortführen und für eine Flexibilisierung des Beihilferahmens werben, um auch wirtschaftlich starken Regionen die Möglichkeit zu geben, ihre Unternehmen in der Transformation, insbesondere in Richtung Klimaneutralität und Green Deal, zu unterstützen.




Nadja Milke ist Redakteurin bei goodnews4.de und Mitglied der Landespressekonferenz Baden-Württemberg. Sie wohnt in der Baden-Badener Innenstadt und kennt sich dort gut aus, aber selbstverständlich auch in den anderen Baden-Badener Stadt- und Ortsteilen. Über Post freut sie sich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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