Neuer Umwelt-Erlebnis-Pfad

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei Mercedes-Benz in Rastatt

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei Mercedes-Benz in Rastatt
Vlnr: Johannes Enssle, Thomas Twork, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Michael Brecht. Foto: Henrik Morlock

Rastatt/Gaggenau, 03.05.2019, Bericht: NABU Schotter und Sand als Untergrund, darüber Nistkästen und eine große Blütenvielfalt – das sind die Zutaten für eine Vielfalt an Biodiversitätsprojekten, die seit zehn Jahren auf dem Gelände des Mercedes-Benz Werks Gaggenau der Daimler AG sehr erfolgreich Gestalt annehmen.

Für mehr Artenvielfalt auf dem Betriebsgelände hat das Werk einige seiner Grünflächen an den Standorten Gaggenau und Rastatt naturnah umgestaltet. Der NABU berät, begleitet und dokumentiert die Erfolge für die Tier- und Pflanzenwelt dort schon seit einigen Jahren.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat gestern dort ein aktuelles Projekt besucht und dabei den neuen Umwelt-Erlebnis-Pfad rund um das Betriebsrestaurant am Standort Rastatt erkundet. Auf einer Übersichtstafel und 20 Thementafeln erfuhr er, warum es hier besonders laut und vielfältig summt, brummt und zwitschert. «Es freut mich, dass Unternehmen und Naturschutz hier so erfolgreich und partnerschaftlich zusammenarbeiten, um vielfältige Lebensräume zu schaffen. Das Projekt zeigt, welche Potenziale Unternehmen vor der eigenen Haustüre haben, welche Schätze sich da heben lassen, um dem Insekten- und Vogelsterben erfolgreich zu begegnen», erklärte der Ministerpräsident beim Rundgang über den Erlebnispfad.

Besondere Fläche bietet 22 gefährdeten Wildbienenarten eine Heimat

Während im ältesten Automobilwerk der Welt unter anderem Achsen und Getriebe für große Nutzfahrzeuge vom Band laufen, summt und brummt es auch draußen immer lauter. «Dem voranschreitenden Artensterben wollen wir etwas entgegensetzen. Die naturnahe Umgestaltung des Werksgeländes ist ein kleiner Beitrag der Daimler AG dafür. In Summe auf 2,3 Hektar haben wir Verstecke, Nistmöglichkeiten und ein reiches Nahrungsangebot für Insekten und Vögel geschaffen. Das erfreut nicht nur die Natur, sondern auch die Belegschaft sowie die Besucherinnen und Besucher unseres Werks. Herzlichen Dank an den NABU-Kreisverband Rastatt für die fachkundige Begleitung dieses Vorhabens», erläuterte der Gaggenauer Standortleiter Thomas Twork das Engagement des Unternehmens an den Standorten Rastatt und Gaggenau. Besonderes Augenmerk hat der NABU auf die Beratung für Lebensräume der bedrohten Wildbienen gelegt. Bei mittlerweile drei Bestandaufnahmen zu Wildbienen auf den neu gestalteten Flächen in Gaggenau und Rastatt konnte der Erfolg der Umgestaltung dokumentiert werden: «Auf der ersten im Jahr 2012 umgewandelten Fläche am Standort Rastatt haben unsere Insektenkundler erstaunliche 64 Bienenarten nachweisen. Das ist ein toller Erfolg und zeigt, dass Unternehmen beim Schutz der biologischen Vielfalt noch mehr mitmischen sollten. Eigentlich ist es ganz einfach und jeder Euro ist hier eine gute Investition in die Zukunft unseres Planeten», zog der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle Bilanz. Die untersuchte Rastatter Wildbienenfläche ist sogar überregional bedeutsam: Auf ihr haben 22 Arten der Roten Liste eine neue Heimat gefunden. Was dort noch alles ans Licht trete, darauf dürfe man gespannt sein. «Auf der Fläche ist viel Dynamik», freute sich Enssle.

Eine kleine Ausstellung in der Werkskantine des Lkw-Teile-Produzenten bildet die Entwicklung und die zehnjährige Beratung des NABU-Kreisverbands für die Biodiversität ab. Wo am Standort Rastatt einst eine kleine Kläranlage stand, wurde ein neuer Lebensraum auf Sand und Kies nachgebildet, ähnlich der Uferbank eines Flusses, wie sie früher durch die Rheinhochwässer regelmäßig neu entstand. Auf diesem Gelände fanden Leitarten aus den Reihen der Laufkäfer, Wildbienen, Heuschrecken und die Zauneidechse ein neues Zuhause. Das Biotop wurde bereits dreifach als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet. Diese Auszeichnung bekam 2018 auch der «Bergmanngarten» am Standort Gaggenau. Dort haben Führungskräfte des Werks in einer Gemeinschaftsaktion 2015 eine große Wildbienennistwand gebaut.

Die Flächen an den Standorten Gaggenau und Rastatt sind sehr verschieden und bieten so einer Vielzahl an Insekten und Vögeln eine Heimat, also Nahrung in Form von Blüten, Beeren und Samen sowie Verstecke und Brutplätze.

Der Umwelt-Erlebnispfad

Das Außengelände des Betriebsrestaurants am Standort Rastatt ist eines der neuesten Projekte. Dort informiert ein Umwelt-Erlebnispfad über die Vielfältigkeit der Lebensräume. Während zum Beispiel die gefährdete Hosenbiene ihr Nest dort in einen Sandboden graben kann, haben die Auszubildenden des Mercedes-Benz Werks Gaggenau für Kohl- und Blaumeise, Hausrotschwanz und Star Nistkästen gezimmert und aufgehängt. Für die Rauchschwalben, die immer weniger Brutmöglichkeiten finden, wurde ein Einflugloch in die Seitenwand eines Hallenvorraumes gebohrt. Nun können die Vögel auch bei geschlossenem Rolltor ihre Jungen im Nest erreichen und die Produktionsabläufe werden nicht gestört.

Für Ministerpräsident Kretschmann ist das Projekt ein Mut machendes Beispiel: «Wenn wir uns bewegen und Wirtschaftskraft mit Engagement für die Umwelt zusammenbringen, dann kann es uns im Kleinen wie im Großen gelingen, das Blatt bei den großen Zukunftsherausforderungen Klimawandel und Artensterben zu wenden.»

Das Projekt

Das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 wurde von den Vereinten Nationen zur UN-Dekade der Biologischen Vielfalt erklärt. Das Mercedes-Benz Werk Gaggenau der Daimler AG hat in diesem Zeitraum an seinen Standorten in Gaggenau und Rastatt zahlreiche Aktivitäten entwickelt, um die biologische Vielfalt zu fördern und dauerhaft zu sichern. Dabei wurde es vom NABU-Kreisverband Rastatt fachlich beraten und projektbezogen unterstützt.

Der NABU ist einer der größten Naturschutzverbände Deutschlands – und der älteste. Vor über 115 Jahren von Lina Hähnle als «Bund für Vogelschutz» in der Liederhalle in Stuttgart gegründet, möchte der NABU Menschen dafür begeistern, sich durch gemeinschaftliches Handeln für die Natur einzusetzen sowie Lebensräume, Arten und natürliche Ressourcen für kommende Generationen zu schützen. 1965 wurde im Südwesten der Landesverband Baden-Württemberg des NABU gegründet, er zählt heute mehr als 100.000 Mitglieder.

Das Mercedes-Benz Werk Gaggenau wurde 1894 als «Bergmann-Industriewerke GmbH» gegründet und ist das älteste Automobilwerk der Welt. Mit seinen rund 6.400 Mitarbeitern ist es sowohl größter Arbeitgeber der Stadt als auch größter Ausbildungsbetrieb der Region. Neben Getriebe für sämtliche Daimler Fahrzeugsparten werden am Standort zusätzlich Außenplaneten- und Portalachsen sowie Pkw Wandler produziert. Das Mercedes-Benz Werk Gaggenau ist das Kompetenzzentrum für Nutzfahrzeug-Getriebe im internationalen Produktionsverbund der Daimler AG. Die Mitarbeiter unterstützen weltweit beim Qualitätsmanagement, leisten Anlauf-Unterstützung vor Ort und schulen internationale Teams am Standort Gaggenau.


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