Gastkommentar
Die größte Ungerechtigkeit des 21. Jahrhunderts – Gastkommentar von Franz Alt
Gastkommentar von Franz Alt
07.09.2026, 00:00 Uhr
Baden-Baden In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht goodnews4.de Beiträge von Gastkommentatoren. Zum engeren Kreis gehören der Baden-Badener Bestsellerautor Franz Alt, Thomas Bippes, Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der SRH Fernhochschule – The Mobile University, der sich insbesondere den Themen der Digitalisierung, IT und Künstlichen Intelligenz zuwendet.
Franz Alt ist Journalist und Bestsellerautor und lebt in Baden-Baden. Er ist Herausgeber von www.sonnenseite.com.
Kommentar: Franz Alt Die größte Ungerechtigkeit unserer Zeit ist diese: Die armen Länder, die durch wenig Energieverbrauch am wenigsten zum Klimawandle beigetragen haben, sind am härtesten davon betroffen. Und die reichen Industrieländer mit viel Energieverbrauch haben den Klimawandel verursacht und kommen – bisher zumindest – halbwegs glimpflich davon.
Diese globale Ungerechtigkeit wurde soeben durch die Gletscher-Katastrophe im Himalaya auf tragische Weise bestätigt. Nepal mit bisher über 1.000 Toten, 4.000 Vermissten und tausenden Verletzten ist eines der ärmsten Länder der Welt, wurde aber durch die vom Klimawandel herbeigeführte Gletscherschmelze brutal betroffen und beschädigt. Diese globale Ungerechtigkeit ist auf Dauer unhaltbar.
Die Sturzflut im Himalaya war keine «normale» Katastrophe, sondern die Folge der veränderten Natur. Diese Veränderung haben die großen und reichen Industriestaaten, auch Deutschland, verursacht. Aber zu diesen Verursachern gehören auch China, Indien und die USA als die drei größten Emittenten von Treibhausgasen. Von ihnen fordert Nepal jetzt Schadenersatz. Das ist eine mutige, zeitgemäße und gerechte Forderung eines kleinen Landes gegenüber den «Großen» – Endlich!
Ein «Himalaya-Tsunami»
Der nepalesische Außenminister Shisir Khanal nannte die Katastrophe in seinem Land einen «Himalaya-Tsunami». Er ist in der Menschheitsgeschichte beispiellos. Die Forderung ist nur folgerichtig. Es ist folgerichtig, dass das arme Nepal die reicheren und größeren Länder zur Kasse bittet. Wer verursacht, muss auch zahlen. Das ist ein Grundsatz der Marktwirtschaft.
Der Außenminister: «Wenn unsere Gletscher im Himalaya verschwinden, wird die Wassersicherheit von über zwei Milliarden Menschen in Südasien beeinträchtigt.» Die Gletscher sind natürliche Wasserspeicher, deren Schmelzwasser die zehn größten Flüsse Asiens wir Indus, Ganges und Brahmaputra speisen.
Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu: «Nepals Ankündigung, andere Staaten in Regress nehmen zu wollen, ist kein hilfloser Akt im Angesicht der Katastrophe – im Gegenteil. Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat im Juli vergangenen Jahres in einem bemerkenswerten Rechtsgutachten genau diesen Weg vorgezeichnet.»
Die Rechtsanwältin Roda Verheyen, erfahrene Klima-Juristin gegenüber der Süddeutschen Zeitung: «Nepal könnte vor dem IGH gegen Staaten vorgehen, die sich seiner Jurisdiktion unterworfen haben.» Die Liste umfasst immerhin 75 Staaten. Die USA und China gehören nicht dazu, aber immerhin Deutschland, Japan, Indien, Pakistan, Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien.
Der IGH stellte 2025 fest, dass seine Mitglieder aus internationalen Verträgen wie dem Pariser Klimaabkommen «rechtlich bindende Sorgfaltspflichten» haben, Ihre Emissionen zu reduzieren. Dies fordere auch das «Völkergewohnheitsrecht». Das unterstützt auch die Schadenersatzklage Nepals ganz eindeutig.
Der Widerstand der kleinen Länder wie Nepal gegenüber den Verursachern des Klimawandels ist auch eine Hoffnung im weltweiten Kampf um mehr Klimaschutz. Die Süddeutsche: «Hut ab vor diesem Mut» (SZ 1. September 2026).
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