Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Von der AfD lernen, heißt siegen lernen“ - Zum goodnews4-Bericht „Statement von Baden-Badener Stadträtin Beate Schneider“
Baden-Baden, 09.09.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Statement von Baden-Badener Stadträtin Beate Schneider – «Mir fehlen die Worte. Zurück bleibt ein unangenehmes Gefühl – und große Wut».
Sehr geehrte Frau Schneider, wegen dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt sind Sie wütend und Ihnen fehlen die Worte. Als Ursachen für den Erfolg der AfD sehen Sie «den Einfluss von Geld und mächtigen Netzwerken» sowie «Krisen und soziale Verwerfungen». Dieser klassische Erklärungsversuch der Linken, dass soziale Probleme, das «böse Kapital» und dubiose Netzwerke zum Aufstieg von rechten Parteien führen, greift aber viel zu kurz, weil er die Psychologie des menschlichen Verhaltens nicht berücksichtigt:
Viele halten den Wähler für einen homo oeconomicus, der seine Wahlentscheidungen rational trifft und auch am Nutzen für den eigenen Geldbeutel ausrichtet. Dafür analysiere er Programmatik und politische Handlungen der Parteien. Politiker von CDU und SPD meinen, dass man die AfD nur «inhaltlich stellen» müsse, um ihren Erfolgslauf zu stoppen. Aber das funktioniert nicht, weil der Bürger eben nur zum Teil ein homo oeconomicus ist: Parteien werden immer häufiger nicht mehr für das gewählt, was sie tun, sondern für das, was sie symbolisieren: Individuell gefühlte Wahrnehmung ersetzt Wirklichkeit. Emotionen und Narrative sind wichtiger als Rationalität. Populistische Sprüche und persönliches Charisma statt Kompetenz und Sacharbeit. Die Vermittlung von Identität wird wichtiger als politische Inhalte. Die AfD hat dies von allen Parteien am frühesten erkannt und setzt es medial sehr erfolgreich um: Bei jeder Gelegenheit schwenken AfD-Politiker die Deutschlandflagge und vermitteln ihren Wählern so nationale Identität. In Sachsen-Anhalt und Thüringen fahren Ulrich Siegmund und Björn Höcke demonstrativ mit einem alten DDR-Moped über die Dörfer. Damit vermitteln sie den Ostdeutschen «wir sind ein Teil von euch und ehren eure Lebensleistung und Identität als Ostdeutsche».
Die AfD inszeniert sich als Partei des «einfachen Bürgers, der jeden Morgen früh zur Arbeit geht, am Ende aber dennoch zu wenig Geld in der Tasche hat». Mit der Realität hat dies Image einer Arbeiterpartei aber wenig zu tun, da die AfD ein wirtschafts- und sozialpolitisches Programm fährt, das die unteren Einkommensschichten massiv belastet und die Wohlhabenden privilegiert. Durchdachte eigene Konzepte zu dringend notwendigen Reformen bei Rente und Krankenversicherung oder Pläne zur Belebung der deutschen Wirtschaft hat die AfD auch nicht zu bieten. Das alles ist an der Wahlurne aber häufig nicht von Bedeutung, da die AfD nur erfolgreich die Frustration der Menschen adressieren braucht. Wenn die anderen Parteien den Erfolgslauf der AfD stoppen wollen, müssen sie den Wähler auch «emotional abholen» und ihm Bindung und Identität außerhalb der AfD anbieten. Ihr Motto muss deshalb heißen: «Von der AfD lernen, heißt siegen lernen.»
Boris Fernbacher
Baden-Baden
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