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Baubeginn für Verkehrs- und Parkleitsystem

OB Mergen räumt autofreies Baden-Baden vom Tisch - "Schlicht und einfach, weil unsere Parkhäuser in der Innenstadt sind"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit OB Margret Mergen

Baden-Baden, 17.01.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Mit dem Baubeginn des neuen Verkehrs- und Parkleitsystems räumte Oberbürgermeisterin Margret Mergen gestern im goodnews4-VIDEO-Interview gleich noch die für die bevorstehende Kommunalwahl unberechenbare Diskussion um eine autofreie Innenstadt vom Tisch. «Ich glaube nicht, dass wir eine autofreie Innenstadt hinbekommen. Schlicht und einfach deswegen, weil unsere Parkhäuser in der Innenstadt sind.»

So war die ganze Aufregung um das seit Walter Carleins Zeiten schwelende und von Stadtrat Werner Schmoll wiederbefeuerte Thema der letzten Tage überflüssig. Immerhin zeigte sich, dass die Bürger gerne auch mal mitdiskutieren, wenn man ihnen nur die Gelegenheit gibt. Gestern gab OB Mergen persönlich den Startschuss für die Installation des ersten Leitschildes unweit der Kurhausgarage. Auch bei einer kritischen Betrachtung der technologischen Tauglichkeit und Überlegenheit der nun bevorstehenden Schilderparade war Werner Schmoll im Mittelpunkt einer Debatte gestanden. goodnews4.de berichtete.

Einiges spricht dafür, dass der SPD-Stadtrat mit seinen Zweifeln Recht behalten und die individuelle und mobile Navi-Kommunikation das schwerfällige und jetzt schon antiquiert erscheinende stationäre Baden-Badener System bald nach seiner Einführung auch schon wieder arbeitslos machen könnte. Zweieinhalb Millionen Euro von Stadt und Land wären dann nutzlos in den Asphalt gesetzt. OB Margret Mergen sieht den Systemvergleich als ausreichend geprüft. «Die modernen Navi-Systeme wären vielleicht in der Lage, auch Informationen einzuspeisen über die Zahl der noch vorhandenen Stellplätze, aber die herkömmlichen Navi-Systeme in den Autos zeigen das nicht an und bis es soweit ist, dass alle Automobile umgerüstet sind, und dann auch aus der Cloud die Information über beispielsweise auch Sonderveranstaltungen in Baden-Baden im Navi des Autos zeigen, werden noch einige Jahr vergehen. Das heißt, der Kunde heute müsste sich über sein Handy orientieren und das sollte man tunlichst als Fahrerin oder Fahrer nicht tun.»

Zum Fortgang der Arbeiten sagte OB Mergen: «Wir werden jetzt mit den Arbeiten beginnen, das Wetter ist gut, ich hoffe, das bleibt auch für die Baumaßnahmen in den nächsten Wochen so. Das System soll bis Ende April soweit installiert sein, wir werden dann nochmal ein, zwei Monate testen, ob es auch wirklich gut funktioniert, ob alle Informationen richtig fließen und ich denke, ab Juni läuft es dann.»


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Margret Mergen, Oberbürgermeisterin von Baden-Baden:

goodnews4: Es war eine etwas langwierige Geburt für das neue Verkehrs- und Parkleitsystem in Baden-Baden. Was verbessert sich mit dem neuen System für die Bürger und für die Gäste unserer Stadt?

Margret Mergen: Wir werden unser Park- und Verkehrsleitsystem miteinander kombinieren. Das heißt, wir nehmen die alten Verkehrsschilder weg − wir haben einige schon vor zwei Jahren wegnehmen müssen, weil die Stützen nicht mehr statisch stabil waren, deswegen stehen im Moment noch einige von diesen grünen Rohren etwas funktionslos im Raum − wir werden diese bonbonfarbenen Verkehrsschilder an der Europastraße demontieren und kombinieren Hinweisschilder, wie Kurhaus, mit einer dynamischen Anzeige über die Stellplätze, die in den Garagen vorhanden sind.

goodnews4: Es gab beharrliche Einwände gegen das neue Leitsystem, es sei durch die Navis und Apps in jedem Auto und Smartphone längst überholt. Was kann das über zwei Millionen Euro teure System denn besser als die von fast jedem genutzten Navi-Systeme im Auto oder im Smartphone?

Margret Mergen: Die modernen Navi-Systeme wären vielleicht in der Lage, auch Informationen einzuspeisen über die Zahl der noch vorhandenen Stellplätze, aber die herkömmlichen Navi-Systeme in den Autos zeigen das nicht an und bis es soweit ist, dass alle Automobile umgerüstet sind, und dann auch aus der Cloud die Information über beispielsweise auch Sonderveranstaltungen in Baden-Baden im Navi des Autos zeigen, werden noch einige Jahr vergehen. Das heißt, der Kunde heute müsste sich orientieren über sein Handy und das sollte man tunlichst als Fahrerin oder Fahrer nicht tun. Wir erleben also, dass viele Gäste nach Baden-Baden kommen und sich tatsächlich an den Schildern orientieren, weil unsere Stadt, gerade auch für den Verkehr, nicht ganz einfach ist − durch die Tallage, durch den Tunnel, durch die Topografie − und wir haben im Grunde eine Dreiteilung für den Fahrgast: Entweder durch den Tunnel oder am Festspielhaus vorbei zum Kurhaus oder über den Schlossbergtunnel. Und das setzt schon eine gute Orientierungsfähigkeit voraus, die ein Ortsfremder in der Regel nicht mitbringt.

goodnews4: Würde sich jetzt die Stadt Baden-Baden für eine autofreie Innenstadt entscheiden, wäre das neue Verkehrs- und Parkleitsystem dann eine Fehlinvestition?

Margret Mergen: Ich glaube nicht, dass wir eine autofreie Innenstadt hinbekommen. Schlicht und einfach deswegen, weil unsere Parkhäuser in der Innenstadt sind. Nehmen Sie die Kurhausgarage, nehmen Sie die Vincentigarage, die Thermengarage, nehmen Sie die Augustaplatzgarage, die Garage − ich weiß gar nicht wie sie heißt − am Augustaplatz, die Hochgarage oder die Garage vom Kaufhaus Wagener − die sind in der Innenstadt. Ja, würde man die jetzt alle funktionslos machen? Und würde man dann irgendwo am Rand neue Parkhäuser bauen? Ich glaube, das wollen wir alle nicht. Wir wollen, dass die Menschen möglichst auch den ÖPNV nutzen, zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren, aber wenn sie dann doch mit dem Auto kommen, und es gibt manchmal gute Gründe − nehmen Sie das schlechte Wetter im Winter, nehmen Sie schöne Abendveranstaltungen in unseren Kultureinrichtungen, wo auch wir Damen gerne mal in Lang kommen in Stöckelschuhen − da fährt man nicht wirklich Fahrrad. Insofern, wir wollen intelligente Verkehrsführung und dazu soll das neue Verkehrs- und Parkleitsystem einen Beitrag leisten.

goodnews4: Kurz noch zu den Daten und Fakten. 2,5 Millionen Euro kostet das System. Wie wird das Projekt finanziert und heute wird das erste Schild montiert, wann ist das gesamte System on Air?

Margret Mergen: Die Gesamtkosten liegen bei rund 2,5 Millionen Euro, wir bekommen einen Zuschuss vom Land in der Größenordnung von knapp 500.000 Euro, die Stadtwerke beteiligen sich mit 360.000 Euro, sodass die Stadt netto 1,8 Millionen aufwendet für dieses neue System. Wir hätten aber ohnehin die Verkehrsschilder erneuern müssen, die wir abbauen mussten aus statischen Gründen, das heißt, wir hätten in jedem Fall Kosten gehabt für eine funktionsfähige Hinweisbeschilderung. Wir werden jetzt beginnen mit den Arbeiten, heute geht es los, das Wetter ist gut, ich hoffe, das bleibt auch für die Baumaßnahmen in den nächsten Wochen. Und ich glaube, das System soll bis April, Ende April soweit installiert sein, wir werden dann nochmal ein, zwei Monate testen, ob es auch wirklich gut funktioniert, ob alle Informationen richtig fließen, ob die Angaben korrekt sind, also die Systeme, die auch da notwendig sind, und ich denke, ab Juni läuft es dann.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.


Daten zum neuen Verkehrs- und Parkleitsystem:

1. Verkehrsinformationsschilder (4 Standorte)
2. Erneuerung der Beschilderung Park & Ride (17 Standorte)
3. Erneuerung des Parkleitsystems (47 Standorte)
4. Neubau der Verkehrsschilderbrücken (6 Standorte)
5. Erneuerung der Tunnelwechselverkehrszeichen (9 Standorte)
6. Erneuerung der überörtlichen Beschilderung (20 Standorte)
7. Umbau von 12 Lichtsignalanlagen

Zeitplan:

Planung: Sommer 2017 bis Herbst 2018
Produktion, Statik etc.: Herbst bis Dezember 2018
Beginn Tiefbau: ab Januar 2019
Beginn Schildermontage, Brücken, Masten/Pfosten etc.: Parallel ab Januar bis Ende April
Testbetrieb: Mai 2019 bis Ende Juni 2019

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